<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000922-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Friedrich Paulsen</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Steglitz bei Berlin</placeName>, <date>17.7.1906</date>, <note>2 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. FR. PAULSEN | STEGLITZ BEI BERLIN | FICHTESTR. 31.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 2 c–14</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0922" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000922-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118739603">Friedrich Paulsen</persName><placeName>Steglitz bei Berlin</placeName><date when="1906-07-17">17.7.1906</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116000236">Anathon Aall</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116996579">Arthur Liebert</name><name>Hermann Ebbbinghaus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101568355">Jacob Freudenthal</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/124834396">Hans Amrhein</name><name>Herbert Levy</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/114600981X">Immanuel Lewy</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1038165202">Nicolaus Awxentieff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118739603">Friedrich Paulsen</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 2 c–14</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Friedrich Paulsen</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Steglitz bei Berlin</placeName>, <date>17.7.1906</date>, <note>2 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. FR. PAULSEN | STEGLITZ BEI BERLIN | FICHTESTR. 31.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 2 c–14</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1027"/><hi rend="formprint">17/7 06</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1027"/><hi rend="formprint">.</hi></dateline><salute>Hochverehrter Herr College.</salute><p>Zuerst meinen herzlichen Dank für die Freundlichkeit, womit Sie der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1028"/>Angelegenheit des stud<add>[iosus]</add> Lewy<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1028"/> näher getreten sind. Die Herren Philologen sind doch überall dieselben!</p><p>Auf den Wunsch des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1029"/>Herrn Lewy<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1029"/> hab ich mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1030"/>nun<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1030"/> noch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1031"/>an <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1032"/><abbr>Prof.</abbr> <name>Freudenthal</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1032"/> nach Breslau gewandt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1031"/>: ob dort die dem L<add>[ewy]</add> sehr erwünschte <hi rend="underline">baldige</hi> Prüfung möglich sein werde? Wenn von dort nicht günstige Antwort kommt, wird er wohl den 12 Juli abwarten <abbr>u.</abbr> sich in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1033"/>Halle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1033"/> melden.</p><p>Mit schmerzlichem Bedauern höre ich von dem Fortschreiten Ihres Augenleidens. Tröstlich ist nur, daß der Staar doch die Aussicht auf volle Wiederherstellung des Lichts nicht ausschließt: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1034"/>ein definitiver Verzicht auf das Amt wird also nicht <pb/> notwendig sein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1034"/>.</p><p>Zu einer vorübergehenden Einstellung der Vorlesungen hab ich mich grade auch entschliessen müssen, der Arzt hat sie mir auferlegt. Ich hoffe aber in 8 oder 14 Tagen wieder <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1035"/>tanti<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1035"/> zu sein.</p><p>Mit der Bitte, den Coll<add>[egen]</add> <name>Ebbinghaus</name> zu grüßen <abbr>u.</abbr> meine herzlichen Grüsse <abbr>u.</abbr> Wünsche für Ihr Befinden anzunehmen Ihr aufrichtig ergebner</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1036"/>Paulsen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1036"/></signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1027"><lem><hi rend="formprint">17/7 06</hi></lem><note>Lesung und Datierung unsicher, kann auch </note><rdg>12/2 06</rdg><note>, </note><rdg>17/2 06</rdg><note> oder </note><rdg>12/7 06</rdg><note> heißen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1028"><lem>Angelegenheit … Lewy</lem><note> Sachverhalt und Gemeinter nicht zweifelsfrei ermittelt; das Personal- und Studierendenverzeichnis der Universität Berlin führt im fraglichen Zeitraum mehrere Studierende der Philosophischen Fakultät dieses Namens auf. Gemeint ist womöglich <name>Arthur Liebert</name>, der 1908 noch unter seinem Geburtsnamen Arthur Levy in Berlin promoviert wurde (<abbr>vgl.</abbr> Levy: Die Philosophie Giovanni Picos della Mirandola. Ein Beitrag zur Philosophie der Frührenaissance ( = Diss. Berlin 1908). Berlin: Ebering 1908. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/arthurlevy.diephilosophiepicosdellamirandola.einbeitragzurphilosophiederfruhrena/</ref> (26.4.2024)); ein Studierender namens Arthur Levy ist im Winterhalbjahr 1905/1906, im Sommerhalbjahr 1906 sowie im Winterhalbjahr 1907/1908 und Sommerhalbjahr 1908 an der Universität Berlin für Philosophie eingeschrieben, <abbr>d. i.</abbr> vermutlich <name>Liebert</name> (<abbr>vgl.</abbr> die entsprechenden Personal- und Studierendenverzeichnisse der Universität Berlin). Es kann auch ein anderer Studierender gemeint sein, etwa <name>Herbert Levy</name> (Näheres nicht ermittelt) oder <name>Immanuel Lewy</name> (1884–1970), 1907 Promotion in Tübingen (<ref type="link">https://d-nb.info/gnd/114600981X9</ref> (9.10.2023)), hörte laut eigener Aussage Vorlesungen <name>Paulsen</name>s in Berlin (<abbr>vgl.</abbr> Lewy: Mose ben Maimûni’s Mischnah-Kommentar zum Traktat Baba Bathra (Kpp. V–X.). Arabischer Urtext mit hebräischer Einleitung, deutscher Uebersetzung nebst kritischen und erläuternden Anmerkungen ( = Diss. Tübingen). Berlin: H. Itzkowski 1907, <abbr>S.</abbr><hi rend="formprint"> </hi>38. Digitalisat: <ref type="link">http://dx.doi.org/10.25673/97636</ref> (9.10.2023)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1029"><lem>Herrn Lewy</lem><rdg>Hrn. L.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1030"><lem>nun</lem><note>kann auch </note><rdg>nur</rdg><note> heißen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1032"><lem><abbr>Prof.</abbr> <name>Freudenthal</name></lem><note><name>Jacob Freudenthal</name> (1839–1907), seit 1878 <abbr>ao. Prof.</abbr> in Breslau, hatte neben Theologie und Philosophie auch Philologie studiert (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1031"><lem>an Prof. … gewandt</lem><note> Schreiben Paulsens an <name>Freudenthal</name> nicht ermittelt.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1033"><lem>Halle</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1034"><lem>ein definitiver Verzicht … notwendig sein</lem><note> Vaihinger hatte am 10.02.1906 ein Emeritierungsgesuch gestellt und wurde am 2.7.1906 von seinen Amtspflichten entbunden, <abbr>vgl.</abbr> den Abschnitt Chronik biographischer Daten.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1035"><lem>tanti</lem><note>in lateinischer Schrift (<abbr>lat.</abbr> so viel wert)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1036"><note><hi rend="italic"><lem>Von Paulsen ist z</lem></hi>usätzlich ein undatiertes Fragment</note><lem><hi rend="italic"> überliefert, das anhand seines In</hi><hi rend="italic">halts nicht datiert werden kann </hi></lem><note>(2 <abbr>S.</abbr>, <abbr>hs.</abbr>, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 2 c–8)<hi rend="italic"><lem>: </lem></hi></note><rdg>wie Sie in H[alle] im Augenblick mit Privatdozenten ausgestattet sind. Ist für die philos[ophischen] Fächer kein Überfluß vorhanden, so würde die ausländ[ische] Herkunft meines Erachtens kein absolutes Hindernis sein. Daß wir ceteris paribus einem Inländer den Vorzug geben, ist natürlich; das wird aber entscheidend doch erst bei der Erteilung eines Lehramts ins Gewicht fallen; die venia legendi bedeutet ja aber nicht einen Lehrauftrag u. auch nicht eigentlich eine Anwartschaft auf solchen. Scheinen Ihnen also die Schriften des Hrn. A. gehaltvoll genug, um die Zulassung als P. D. überhaupt zu rechtfertigen, so würde ich nicht glauben, daß Sie sich durch die Rücksicht auf Dozenten inländ[ischer] Herkunft davon abhalten lassen müssen. Vielleicht qualifiziren ihn seine Studien, die sich mit der Geschichte der Theologie ja aufs engste berühren, grade für die Hallische Universität. Ob er dann weiter prosperirt u. auch einmal für eine Professur in Betracht kommen kann, | das wird ja Gegenstand späterer Tage [</rdg><note>kann auch </note><rdg>Sorge</rdg><note> heißen</note><rdg>] sein.Mit freundschaftlichem Gruß Ihr ergbster Paulsen </rdg><note>Der erwähnte Herr A. ist nicht zweifelsfrei ermittelt; wenn nicht <name>Hans Amrhein</name> gemeint sein sollte, dann kommt womöglich in Frage: <name>Anathon Aall</name> (1867–1943), Norweger, aufgrund seiner Veröffentlichung Der Logos. Geschichte seiner Entwicklung in der griechischen Philosophie und der christlichen Literatur. <abbr>Bd.</abbr> 1: Geschichte der Logosidee in der griechischen Philosophie. Leipzig: O. R. Reisland 1896. <abbr>Bd.</abbr> 2: Geschichte der Logosidee in der christlichen Litteratur. Leipzig: O. R. Reisland 1899 nicht an seinem Studien- und Promotionsort Oslo habilitiert, 1897 Aufenthalt in Halle, 1903 gleichzeitig Promotion und Habilitation in Halle, 1904 Privatdozent, 1908 <abbr>o. Prof.</abbr> in Oslo, womöglich 1920 Ehrenmitglied der Kant-Gesellschaft (<abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/aallanathon.html</ref> (19.6.2024); Anathon Aall. [Selbstbiographie.] In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen <abbr>Bd.</abbr> 5, <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Raymund Schmidt. Leipzig: Felix Meiner Verlag 1924, <abbr>S.</abbr> 1–24; Bericht über die Mitgliederversammlung der Kantgesellschaft am 30.5.1920 in: Kant-Studien 25 (1920), <abbr>S.</abbr> 472). Nicht völlig auszuschließen auch<name> Nicolaus Awxentieff</name> (<abbr>geb.</abbr> 1878 in Pensa, Russland), Studium in Berlin (<abbr>u. a.</abbr> bei Paulsen) und Halle, 1905 Promotion in Halle (<abbr>vgl.</abbr> den Lebenslauf in Awxentieff: Kultur-ethisches Ideal Nietzsches. Darstellung und Kritik ( = Diss. Halle). Halle: C. A. Kaemmerer &amp; Co. 1905. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/kulturethisches00awxegoog/</ref> (19.6.2024), <abbr>S.</abbr> 154), allerdings für diesen keine theologischen Studien und kein Kontakt zu Vaihinger nachgewiesen.</note></app></listApp></back></text></TEI>