<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000892-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Richard Dehmel</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">o. O. [Hamburg]</placeName>, <date>30.1.1905</date>, <note>2 S., hs. (eigenh. mit eU), aus Briefkopierbuch: Durchschlag des befeuchteten Originals mittels Handpresse auf Seidenpapier</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, </bibl><ref type="link">https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/HANSb29140</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0892" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000892-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118679236">Richard Dehmel</persName><placeName>o. O. [Hamburg]</placeName><date when="1905-01-30">30.1.1905</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116794739">Hermann Gottschalk</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118587943">Friedrich Nietzsche</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, https://resolver.sub.uni-hamburg.de/kitodo/HANSb29140</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Richard Dehmel</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">o. O. [Hamburg]</placeName>, <date>30.1.1905</date>, <note>2 S., hs. 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Besonders wie Sie sein Kritisches Genie als eigentliches Rückgrat seiner Philosophie aufdecken, ist überzeugend; seine positiven Dogmen sind weder sicher noch <hi rend="underline">eigen genug</hi>, dass man daraus die wesentliche Bedeutung und Tragweite seines Denkens ermessen könnte. Auch die Kritik, die Sie selber zwischen den Zeilen durchblicken lassen, ist mir sympathischer, als Sie vielleicht vermuten; ich erlaube mir, Ihnen eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-855"/>kleine Drucksache<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-855"/> beizulegen, durch die ich mich einmal vor dem Dogmatiker <name>Nietzsche</name> salviert habe. Aber umso unbedenklicher darf man sich dann als fühlender Mensch von der wunderbar geistigen Leidenschaft entzücken lassen, die diesen Ikarus der Menschenliebe in seine übermenschliche Einsamkeit trieb. Und ich glaube, daß indirekt auch die „reine“ Philosophie durch dieses lebendige Bei<pb/>spiel einer erhabenen Sehnsucht wieder zur Schöpfung positiv neuer Erkenntnis-Ideale gedrängt werden wird. Gerade in der jüngeren Dichtung sind instinktive Ansätze zu einer solchen über <name>Nietzsche</name>s Relativistik hinwegsteigenden, aufs Absolute gerichteten Kosmosophie vielfach vorhanden. Und daß auch intellektuelle Talente schon beginnen, sich bewußte Rechenschaft davon abzulegen, bewies mir kürzlich ein Buch, das Ihnen vielleicht noch nicht bekannt ist und dass ich jedem philosophischen Interessenten – trotz seiner ziemlich complicirten Terminologie – als einen wirklich originalen Klärungsversuch nach unseren arg eklektischen Gärungsjahrzehnten empfehlen möchte: „<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-856"/>Weltwesen und Wahrheitswille<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-856"/>“ von <name>Hermann Gottschalk</name> (Verlag von Strecker &amp; Schröder in Stuttgart).</p><p>Mit ergebenstem Gruß</p><signed>R. Dehmel.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-853"><lem>30.1.5.</lem><note>daneben mit Bleistift von Dehmels Hand: </note><rdg>Vaihinger</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-854"><lem>Schrift über <name>Nietzsche</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Nietzsche als Philosoph. 3., vermehrte, billige <abbr>Aufl.</abbr> Berlin: Reuther &amp; Reichard 1905.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-855"><lem>kleine Drucksache</lem><note>liegt nicht bei. Von Dehmel war zu <name>Nietzsche</name> bis 1905 erschienen: An Friedrich Nietzsche. In Dehmel: Erlösungen. Eine Seelenwandlung in Gedichten und Sprüchen. Stuttgart: Göschen 1891, <abbr>S.</abbr> 132–133; sowie: Offener Brief an den Herausgeber der „Kultur“ (1902), davon mehrere Wiederabdrucke in Anthologien, <abbr>u. a.</abbr> in Dehmel: Ausgewählte Briefe 1883–1902. Berlin 1922.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-856"><lem>Weltwesen und Wahrheitswille</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Hermann Gottschalk: Weltwesen und Wahrheitswille. Ein Zwiegespräch mit dem Leben. Stuttgart: Strecker &amp; Schröder 1905.</note></app></listApp></back></text></TEI>