<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000875-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <orgName type="received">Verlag Georg Reimer</orgName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>20.1.1904</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., in lateinischer Schrift, mit eU und eigenhändigen Zusätzen in dt. Schrift), Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER.</quote><quote type="rdg"> | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Nachl. 620, Dep 42, de Gruyter</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0875" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000875-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1904-01-20">20.1.1904</date></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name>Heinrich Reuther</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118606964">Max Scheler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/132909723">Otto Friedrich Dürr</name><name>Otto Reichard</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, Nachl. 620, Dep 42, de Gruyter</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <orgName type="received">Verlag Georg Reimer</orgName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>20.1.1904</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., in lateinischer Schrift, mit eU und eigenhändigen Zusätzen in dt. Schrift), Briefkopf </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-744"/><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER.</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-744"/><quote type="rdg"> | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, Nachl. 620, Dep 42, de Gruyter</bibl></head></front><body><dateline>20.I.1904.</dateline><salute>Hochgeehrter <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-745"/>Herr Doktor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-745"/></salute><p>Ich danke Ihnen für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-746"/>Ihren ausführlichen und freimütigen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-746"/>, muss aber dessen Auffassung ebenso freimütig richtig stellen.</p><p>Auf die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-747"/>Firma <hi rend="underline">Reuther &amp; Reichard</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-747"/> kann ich <hi rend="underline">nicht den geringsten Vorwurf</hi> kommen lassen. Dieselben tun für die Kantstudien Alles, was man billiger Weise verlangen kann. Dieselben sind nach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-748"/>dem für mich sehr günstigen Kontrakt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-748"/> verpflichtet, die sämtlichen Kosten für die Drucklegung <abbr>u. s. w.</abbr> zu tragen, und bekommen dafür die Abonnements. Diese reichen gerade knapp dazu hin, um jene Kosten zu decken, und darüber hinaus geben Reuther &amp; Reichard noch jährlich 300 <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-749"/><abbr>M.</abbr><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-749"/> zu (200 für den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-750"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-751"/>Mitredakteur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-750"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-751"/>, 100 für die Honorarkasse). Außerdem sind sie verpflichtet, bei steigender Zahl der Abonnenten noch weitere Zuschüsse zur Honorarkasse zu leisten. <pb/></p><p>Der Fehlbetrag von 5–600 <abbr>M.</abbr>, von dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-752"/>in dem Aufruf<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-752"/> die Rede ist, bezieht sich schlechterdings <hi rend="underline">nur auf die Honorare</hi>. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Zeitschrift ohne Honorar zu redigieren, zu großen Missständen führt, und speziell wenigstens bei diesem begrenzten Forschungsgebiet.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-753"/>Nach dem Kontrakt habe <hi rend="underline">ich selbst</hi> mich verpflichtet, für die Füllung der Honorarkasse zu sorgen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-753"/> Dazu haben verschiedene Mäcene schon mehrfach beträchtliche Mittel gegeben, und <hi rend="underline">zu diesem Zweck</hi> wird die Kantstiftung in erster Linie errichtet.</p><p><hi rend="underline">Sie selbst</hi> geben für Ihr Archiv – wenigstens für das für Geschichte d<add>[er]</add> Philos<add>[ophie]</add> – <hi rend="underline">kein Honorar</hi>. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-754"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-755"/>Herren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-754"/> <name>Reuther</name> &amp; <name>Reichard</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-755"/> geben noch 100 <abbr>M.</abbr> zur Honorarkasse, obgleich die Abonnentenzahl der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-756"/>Kantstudien zur Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-756"/> nur 183 beträgt. Ihr Archiv <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-757"/>für Geschichte der Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-757"/> dagegen hat doch mindestens 300 Abonnenten, da Sie ja 350 Exemplare Beilage verrechnen. Trotzdem bezahlt das Archiv <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-758"/>für Geschichte der Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-758"/> keinen Pfennig Honorar! Sie sehen also daraus, <hi rend="underline">dass die Herren <name>Reuther</name> &amp; <name>Reichard</name> beträchtlich mehr tun als Sie selbst</hi>, wie ich sie denn überhaupt in jeder Hin<pb/>sicht als zuvorkommende und liebenswürdige Verleger rühmen muss.</p><p>Ich habe mich über diese pekuniären Fragen mit verschiedenen ersten Verlegern in Verbindung gesetzt und habe auf Grund davon ein Urteil über die Sachlage. Ihnen selbst habe ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-759"/>seiner Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-759"/> (1898) die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-760"/>Kantstudien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-760"/> angeboten, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-761"/>als Voss nach dem III. Bande sie aufgab<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-761"/>. Sie lehnten die Übernahme ab mit der ausdrücklichen Motivierung, dass Sie die Opfer, welche die Zeitschrift erfordere, nicht bringen können. Diese Opfer bringen nun eben Reuther &amp; Reichard.</p><p>Ich habe auch mit einem sehr angesehenen ersten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-762"/>Leipziger Verleger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-762"/> etwa vor einem Jahr über die Frage gesprochen, und auch dieser war der Meinung, ein Verleger könne die Zeitschrift nur führen unter der Bedingung, dass für das Honorar von anderer Seite gesorgt würde.</p><p>Ich habe es für meine Pflicht gehalten, die Herren <hi rend="underline"><name>Reuther</name> &amp; <name>Reichard</name></hi> vor <hi rend="underline">jedem Vorwurf</hi> zu schützen, und bitte Sie, falls in Ihren Kreisen die Sprache <pb/> auf die Sache kommt, das Ihrige zur Aufhellung zu tun.</p><p>Mit dem Ausdruck größter Hochachtung Ihr ergebener</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-745"><lem>Herr Doktor!</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Verlag Georg Reimer vom 17.1.1904</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-746"><lem>Ihren ausführlichen und freimütigen Brief</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-747"><lem>Firma <hi rend="underline">Reuther &amp; Reichard</hi></lem><note>seit <abbr>Jg.</abbr> 4 ([1899]/1900) der Verlag der Zeitschrift Kant-Studien.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-748"><lem>dem … Kontrakt</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> den Verlagsvertrag über die Zeitschrift Kant-Studien vom 9.12.1903 (im Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-749"><lem><abbr>M.</abbr></lem><note>hier und im Folgenden in der Vorlage ohne Punkt abgekürzt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-750"><lem>Mitredakteur</lem><note>danach eigenhändige Fußnote mit Verweisungszeichen eingefügt: </note><rdg>*) Ich selbst thue die Arbeit ganz umsonst.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-751"><lem>Mitredakteur</lem><note><abbr>d. i.</abbr> zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich <name>Bruno Bauch</name>, womöglich noch dessen Vorgänger <name>Max Scheler</name>, <abbr>vgl.</abbr> den Verlagsvertrag über die Zeitschrift Kant-Studien vom 9.12.1903 (im Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk); <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Paul Natorp vom 1.3.1904. Der Wechsel in der Redaktion ist angekündigt in Kant-Studien 8 (1903), <abbr>S.</abbr> 488.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-752"><lem>in dem Aufruf</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Verlag Georg Reimer vom 17.1.1904</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-753"><lem>Nach dem … zu sorgen.</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Paul Natorp vom 28.5.1903</note></app><app type="philological" corresp="#ED-754"><lem>Herren</lem><note>kann auch </note><rdg>Herrn</rdg><note> heißen, Textverlust durch nachträgliche Lochheftung</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-755"><lem>Herren <name>Reuther</name> &amp; <name>Reichard</name></lem><note>Inhaber des Verlages Reuther &amp; Reichard waren <name>Heinrich Reuther</name> (1847–1923) und <name>Otto Reichard</name> (1961–1923), <abbr>vgl.</abbr> Würffel, Reinhard: Lexikon Deutscher Verlage von A–Z. Berlin: Grotesk 2000, <abbr>S.</abbr> 708.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-756"><lem>Kantstudien zur Zeit</lem><rdg>K St. z. Z.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-757"><lem>für Geschichte der Philosophie</lem><rdg>f. Gesch. d. Philos.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-758"><lem>für Geschichte der Philosophie</lem><rdg>f. Gesch. d. Philos.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-759"><lem>seiner Zeit</lem><rdg>s. Z.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-760"><lem>Kantstudien</lem><rdg>K St.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-761"><lem>als Voss … aufgab</lem><note> der Verlag Leopold Voss hatte <abbr>Jg.</abbr> 1–3 der Zeitschrift Kant-Studien verlegt, dann aber die verlustbehaftete Herausgabe gekündigt, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Theodor Althoff vom 12.12.1898.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-762"><lem>Leipziger Verleger</lem><note>gemeinter nicht zweifelsfrei ermittelt; Vaihinger hatte, offenbar aufgrund der Finanzen der Zeitschrift Kant-Studien, mit dem Verlag Dürr Kontakt aufgenommen (<abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Paul Natorp vom 28.5.1903), dessen Inhaber (gemeinsam mit seinen Söhnen) <name>Otto Friedrich Dürr</name> (1832–1905; Würffel, Reinhard: Lexikon Deutscher Verlage von A–Z. Berlin: Grotesk 2000, <abbr>S.</abbr> 193–197) womöglich gemeint ist.</note></app></listApp></back></text></TEI>