<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000840-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Paul Natorp</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>12.5.1903</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., eU, Postskriptum von Vaihingers Hd.), Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | – </quote><quote type="rdg">Priv.-Doc. Dr. Scheler | Jena.</quote><quote type="rdg"> | HALLE a. S., den … | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1069</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0840" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000840-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1903-05-12">12.5.1903</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118606964">Max Scheler</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1069</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Paul Natorp</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>12.5.1903</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., eU, Postskriptum von Vaihingers Hd.), Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | – </quote><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-532"/><quote type="rdg">Priv.-Doc. Dr. Scheler | Jena.</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-532"/><quote type="rdg"> | HALLE a. S., den … | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1069</bibl></head></front><body><dateline>12.V.03.</dateline><salute>Verehrtester Herr Kollege!</salute><p>Ich danke Ihnen für Ihren freundlichen und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-533"/>entgegenkommenden Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-533"/>. Es kann mir nur erwünscht sein, wenn Sie in vertraulicher Weise mit Ihren Freunden konferiren und die Sache mit denselben gründlich vorher besprechen.</p><p>Wenn Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-534"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-534"/> Ihre Freunde Ihre allgemeine Geneigtheit daraufhin aussprechen, fahre ich sofort zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-535"/>Dürr nach Leipzig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-535"/> und bespreche das Nötigste mit ihm. Ebenso würde ich dann die Auseinandersetzung mit Reuther &amp; Reichard einleiten, und daraufhin kann ich dann nach Marburg fahren, um alle nötigen Punkte, die sich mündlich bequemer besprechen lassen, <pb/> rascher zu erledigen als durch lange briefliche Verhandlungen.</p><p>Ich kann es sehr wohl verstehen, dass Sie aufgrund Ihrer bisherigen Erfahrungen Bedenken hegen gegen Übernahme einer neuen Zeitschrift. Aber bei den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-536"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-536"/> kommt, wie ich schon das letzte Mal bemerkte, der außerordentlich günstige Umstand in Betracht, dass der Herausgeber nicht an einem bestimmten Termin gebunden ist.</p><p>Als einen Hauptreiz der Redaktionstätigkeit, der mich für viele Last dabei entschädigte, habe ich empfunden, dass ich eine Art Organisation der <name>Kant</name>-Arbeit ausüben konnte. Ein großer Teil der Aufsätze, die in den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-537"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-537"/> erschienen sind, und gerade die bedeutendsten, sind durch meine Initiative zustande gekommen. <pb/> Der Redakteur hat die Möglichkeit, vorhandene Lücken der Litteratur durch geeignete Kräfte ausfüllen zu lassen.</p><p>Wenn Sie jüngere Kräfte für die äußerliche Arbeit verwenden können, so ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass einer dieser jüngeren Herren einmal in die Redaktion eintritt und unter Ihrer Leitung die Sache nach Ihren Intentionen führt. Von den Herren, die in letzter Zeit über <name>Kant</name> promovirt haben, ist doch wohl dieser oder jener ganz geeignet dazu. Ich wollte mich nicht an einen dieser Herren selbst wenden, weil ich der Meinung bin, dass mindestens für einige Jahre ein Mann wie Sie an der Spitze stehen muss. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-538"/>unangenehme Erfahrung mit <name>Scheler</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-538"/><name/> macht mich bedenklich, die Redaktion ohne weiteres an einen Unerfahrenen zu übertragen. <pb/></p><p>In der Hoffnung, diese Angelegenheiten bald einmal persönlich mit Ihnen besprechen zu können, mit kollegialem Gruß Ihr ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-539"/>H. Vaihinger</signed><postscript><p><abbr>P. S.</abbr> Ein besonders triftiger Grund, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-540"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-540"/> nicht eingehen zu lassen, ist <abbr>u. a.</abbr> auch folgender: die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-541"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-541"/> haben in den letzten Jahren einen energischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-542"/>Kampf gegen die Neuscholastik<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-542"/> geführt. Die Neuscholastiker haben eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-543"/>Reihe von Zeitschriften<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-543"/>, die speziell der thomistischen Philosophie gewidmet sind. Es würde für diese Leute ein Triumph sein, wenn die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-544"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-544"/> von der Bildfläche verschwinden würden. Ich gebe nur notgedrungen die Redaktion ab; ich selbst fühle die Verpflichtung, dieselben fortzuführen, sehr stark. Aber, wie schon bemerkt, die ärztlich mir dringend auferlegte Schonung meiner Augen zwingt mich, die Fortführung anderen Händen anzuvertrauen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-539"/></p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-533"><lem>entgegenkommenden Brief</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp an Vaihinger vom 11.5.1903</note></app><app type="philological" corresp="#ED-534"><lem>und</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-535"><lem>Dürr nach Leipzig</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Natorp vom 5.5.1903</note></app><app type="philological" corresp="#ED-536"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-537"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-538"><lem>unangenehme Erfahrung mit <name>Scheler</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Natorp vom 30.3. <abbr>u.</abbr> 5.5.1903.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-540"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-541"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-542"><lem>Kampf gegen die Neuscholastik</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr> Fritz Medicus: Zwei Thomisten contra Kant. In: Kant-Studien 3 (1898/1899), <abbr>S.</abbr> 320–333; Friedrich Paulsen: Kant der Philosoph des Protestantismus. In: Kant-Studien 4 ([1899]/1900), <abbr>S.</abbr> 1–31; Fritz Medicus: Ein Wortführer der Neuscholastik und seine Kantkritik. In: Kant-Studien 5 (1901), <abbr>S.</abbr> 30–50; [Vaihinger:] Ultramontane Stimmen über Kant. In: Kant-Studien 5 (1901), <abbr>S.</abbr> 384–400; Rudolf Eucken: Thomas v. Aquino und Kant. Ein Kampf zweier Welten. In: Kant-Studien 6 (1901), <abbr>S.</abbr> 1–18; Albert Leclère: Le mouvement catholique kantien en France à l’heure présente. In: Kant-Studien 7 (1902), <abbr>S.</abbr> 300–363.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-543"><lem>Reihe von Zeitschriften</lem><note>die prominentesten waren: Philosophisches Jahrbuch. Auf Veranlassung und mit Unterstützung der Görres-Gesellschaft, seit 1888; Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie, seit 1887.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-544"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-539"><lem>H. Vaihinger … anzuvertrauen.</lem><note> eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>