<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000832-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Houston Stewart Chamberlain</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>7.2.1903</date>, <note>3 S., hs. (andere Hand, mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. – </quote><quote type="rdg">Priv.-Doc. Dr. Scheler | Jena.</quote><quote type="rdg"> | Halle a. S., den … | Reichardtstrasse 15.</quote><note>, mit einer Beilage (4 S.) von anderer Hd. (Kopie eines Schreibens von Chamberlain an einen unbekannten Adressaten, später beigelegt, nicht Teil der ursprünglichen Sendung an Vaihinger)</note>, <bibl type="pubPlace">Richard Wagner Museum (Bayreuth), Chamberlain-Nachlass, Rot 196/466</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0832" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000832-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1903-02-07">7.2.1903</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118675508">Houston Stewart Chamberlain</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11866719X">Andrew Carnegie</name><name>Familie von Siemens</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117399434">Walter Simon</name></note><note type="repository">Richard Wagner Museum (Bayreuth), Chamberlain-Nachlass, Rot 196/466</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Houston Stewart Chamberlain</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>7.2.1903</date>, <note>3 S., hs. (andere Hand, mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. – </quote><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-442"/><quote type="rdg">Priv.-Doc. Dr. Scheler | Jena.</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-442"/><quote type="rdg"> | Halle a. S., den … | Reichardtstrasse 15.</quote><note>, mit einer Beilage (4 S.) von anderer Hd. (Kopie eines Schreibens von Chamberlain an einen unbekannten Adressaten, später beigelegt, nicht Teil der ursprünglichen Sendung an Vaihinger)</note>, <bibl type="pubPlace">Richard Wagner Museum (Bayreuth), Chamberlain-Nachlass, Rot 196/466</bibl></head></front><body><dateline>7.II.03.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr!</salute><p>Empfangen Sie den Ausdruck des wärmsten Dankes für die tätige Teilnahme, welche Sie den „Kantstudien“ widmen. Es erfüllt mich mit großer Genugtuung, dass Sie für die Zeitschrift so Vieles getan haben.</p><p>Sie haben ganz richtig vermutet, dass die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-443"/>Bedingung der beiden Damen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-443"/>, welche die Güte hatten, zusammen 400 <abbr>M</abbr> in Aussicht zu stellen, etwas Hemmendes für mich hat. Es ist naturgemäß viel bequemer, die ganze erforderliche Summe aus <hi rend="underline">einer</hi> Hand zu erhalten. Ich bin Ihnen nun äußerst <pb/> verbunden, dass Sie mich auf Frau von Siemens aufmerksam machen. Ich habe mehrere indirekte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-444"/>Beziehungen zu derselben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-444"/> und werde diese demnächst ins Spiel setzen.</p><p>Das Anerbieten der beiden Damen lässt sich, auch wenn Frau von Siemens zusagen sollte, immer noch in sehr zweckentsprechender Weise verwerten. Ich habe schon öfters den Gedanken gehabt, nach Analogie anderer Zeitschriften <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-445"/>Preisaufgaben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-445"/> zu stellen, welche irgendein <name>Kant</name>thema behandeln. Dieses Verfahren ist, wie bemerkt, von anderen Zeitschriften früher schon öfters mit Erfolg eingeschlagen worden. Es werden dadurch gute Beiträge erzielt, und die Zeitschrift wird bekannt. Wenn die Sache reif <pb/> ist, werde ich mir gestatten, den Damen durch Ihre Vermittlung einen entsprechenden Vorschlag zu machen. Über meine Erfolge bei Frau von Siemens werde ich Ihnen event<add>[uell]</add> in einiger Zeit Mitteilungen machen.</p><p>Gleichzeitig freue ich mich, Ihnen noch eine Anzahl von Abdrücken <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-446"/>meines Aufsatzes über Sie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-446"/> zur Verfügung stellen zu können.</p><p>Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen nicht, wie das letztemal, selbst schreibe. Eines Augenleidens halber muss ich gegenwärtig diktiren.</p><p>Mit wiederholtem Danke und der Versicherung ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed><postscript><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-447"/><hi rend="underline">Copie</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-447"/></p><p>Professor H. Vaihinger, ordentl<add>[icher]</add> Professor der Philosophie in Halle, ist Ihnen dem Namen nach nicht unbekannt; die ersten Bände eines monumentalen – ja leider allzu monumentalen – „Kommentars der Kritik der reinen Vernunft“ kennen Sie. Sie wissen, glaube ich, auch, dass er schon vor einer Reihe von Jahren eine Art Sammelschrift für alle Studien über <name>Kant</name> gründete, die <hi rend="underline">Kant-Studien</hi>, die seitdem von allen bedeutenderen Forschern Deutschlands und auch Englands, Frankreichs, Amerikas, Italiens, <abbr>u. s. w.</abbr> benutzt worden ist. Die Hefte erscheinen in ungebundener Zeitfolge, doch so, dass bisher etwa vier bis fünf im Jahre herauskamen, die zusammen einen Band bilden. Das letzte Heft des siebenten Bandes erscheint noch in diesem Monat. Ich will nun durchaus nicht behaupten, dass das Heil der Welt von dem Weitererscheinen der Kantstudien abhinge; doch wer sich mit <name>Kant</name> andauernd zu beschäftigen hat, <pb/> wird gestehen müssen, diesem Unternehmen viel zu verdanken – vor Allem unbezahlbare Zeitersparniss, da das Weitverstreute hier gesammelt wird, und ausser den eigenen Artikeln diese Zeitschrift Referate bringt über <hi rend="underline">Alles</hi>, was irgendwo <name>Kant</name> betreffend erscheint, oder gesagt wird. Ich habe diese Kantstudien immer zur Hand.</p><p>Dieses Unternehmen ist nun ein echtes deutsches Unternehmen im rührend guten Sinne des Wortes. Vaihinger, ein schlichter Professor, arbeitet selber à fonds perdus; die Druck- und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-448"/>Versandkosten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-448"/> werden durch die natürlich sehr kleine Zahl der abonnirenden Universitätsbibliotheken <abbr>u. s. w.</abbr> so ziemlich gedeckt; was fehlt, gibt er aus eigener Tasche. Ohne ein kleines Honorar aber zu zahlen, ist es unmöglich, die Gelehrten zu einem solchen Unternehmen herbei zu ziehen – weil diese ja fast Alle darauf <pb/> angewiesen sind, mit ihren Arbeiten einige Pfennige zu verdienen. Dies war nun bisher dadurch möglich, dass das Blatt einen Mäcen hatte, einen <abbr>Dr.</abbr> <name>Simon</name> in Königsberg, der diese Honorare aus Liebe zur Sache zahlte. Die Summe war wohl nicht Jahraus, Jahrein, die gleiche, doch sagte mir <abbr>Prof.</abbr> Vaihinger, dass es sich um rund achthundert Mark (<abbr>M.</abbr> 800) im Jahre handele. Dieser <abbr>Dr.</abbr> <name>Simon</name> hat nun aber bedauerlicherweise infolge des Leipziger Kraches fast sein gesammtes Vermögen verloren; er hat noch die für den siebenten Band <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-449"/>eingegangene<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-449"/> Verpflichtung erfüllt, ist aber nicht im Stande, dem Blatte finanziell weiterhin beizustehen. Dass irgend ein gelehrtes Institut, eine Universitätsbibliothek oder <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-450"/>dergleichen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-450"/> die 800 Mark beisteuern könnte, ist ausgeschlossen – das weiss ich nach der Durchprüfung aller der Gesuchsbriefe für unsere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-451"/>Grundlagen-Stiftung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-451"/> sehr genau. Auch wird keine offizielle Stelle sich für einen so reines Specialunternehmen einsetzen. Es müsste eine Privatperson sein; ein <pb/> Doktor <name>Simon</name>, der sein Geld nicht in Leipzig angelegt hatte.</p><p>Nun, was meinen Sie? sollte es ganz unmöglich sein, dem braven, aufopferungsvollen Vaihinger und der kleinen Schaar, die um die Wiedererweckung <name>Kant</name>’s bemüht ist, die geringe nothwendige Unterstützung in Deutschland zu verschaffen? <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-452"/>Ein <name>Carnegie</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-452"/><name/> wäre ja dazu nicht nöthig. Und ich, als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-453"/>praktischer Engländer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-453"/>, sage sogar, eine bindende Verpflichtung wäre nicht nöthig: einstweilen wäre es ja genügend, wenn Vaihinger in die Lage versetzt würde, wenigstens für den nächsten, achten Band seine Dispositionen treffen zu können; der morgige Tag möge für sich selbst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-454"/>sorgen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-454"/></p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-443"><lem>Bedingung der beiden Damen</lem><note>nicht ermittelt; zugehörige Schreiben nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-444"><lem>Beziehungen zu derselben</lem><note>ein Kontakt Vaihingers zur <name>Familie von Siemens</name> ist nicht ermittelt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-445"><lem>Preisaufgaben</lem><note>die 1904 gegründete Kantgesellschaft schrieb ab 1905 Preisaufgaben aus, <abbr>vgl.</abbr> Kant-Studien 10 (1905), <abbr>S.</abbr> 248.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-446"><lem>meines Aufsatzes über Sie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Chamberlain vom 13.6.1902</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-447"><lem><hi rend="underline">Copie</hi></lem><note>nicht an Vaihinger, <abbr>vgl.</abbr> Chamberlain an Vaihinger vom 14.2.1904.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-448"><lem>Versandkosten</lem><rdg>Versandtkosten</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-449"><lem>eingegangene</lem><rdg>eingegange</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-450"><lem>dergleichen</lem><rdg>dgl.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-451"><lem>Grundlagen-Stiftung</lem><note>in Bezug auf die Verbreitung von Chamberlains Schrift Die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-452"><lem>Ein <name>Carnegie</name></lem><note>Anspielung auf <name>Andrew Carnegie</name> (1835–1919), nordamerikanischer Stahlindustrieller und Mäzen (Carnegie Hall, New York).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-453"><lem>praktischer Engländer</lem><note>auch Anspielung auf das landläufige Klischee</note></app><app type="philological" corresp="#ED-454"><lem>sorgen.</lem><note>darunter schließender Doppelstrich</note></app></listApp></back></text></TEI>