<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000830-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Houston Stewart Chamberlain</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>9.12.1902</date>, <note>6 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. – Priv.-Doc. Dr. Scheler | Jena. | Halle a. S., den … | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Richard Wagner Museum (Bayreuth), Chamberlain-Nachlass, Rot 196/466</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0830" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000830-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1902-12-09">9.12.1902</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118675508">Houston Stewart Chamberlain</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/117613290">Albert Leclère</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118594117">Richard Wagner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117399434">Walter Simon</name></note><note type="repository">Richard Wagner Museum (Bayreuth), Chamberlain-Nachlass, Rot 196/466</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Houston Stewart Chamberlain</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>9.12.1902</date>, <note>6 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. – Priv.-Doc. Dr. Scheler | Jena. | Halle a. S., den … | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Richard Wagner Museum (Bayreuth), Chamberlain-Nachlass, Rot 196/466</bibl></head></front><body><dateline>9.XII.02</dateline><salute>Hochgeehrter Herr!</salute><p>In Ihrem Auftrag sandte mir Ihre Verlagshandlung die Vorrede zur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-421"/>4. <abbr>Aufl.</abbr> Ihres monumentalen Werkes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-421"/>, welche ich mit großem Interesse gelesen habe. Zu dem Kapitel: „Katholisch“ und „römisch“ bildet auch der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-422"/>Artikel von <name>Leclère</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-422"/><name/> im letzten Kantheft einen interessanten Beitrag. Sie kennen vielleicht den Artikel von <name>Leclère</name> schon: aber ich sende Ihnen doch einen Separat<pb/>abdruck desselben, den Sie eventuell als Doublette beliebig verwerthen können.</p><p>Gleichzeitig sende ich Ihnen den kleinen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-423"/>Artikel über Sie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-423"/> aus dem nächsten Hefte der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-424"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-424"/>. Das Heft ist noch nicht ganz fertig, darum liegt der Separatabdruck des kleinen Artikels noch im Umschlag eines andren Heftes.</p><p>Auf dem Umschlag findet sich unter den Mitarbeitern auf der ersten Seite auch aufgeführt Professor <hi rend="underline">D</hi><hi rend="underline doublevertical-align:super"><hi rend="superscript">r</hi></hi> <hi rend="underline"><name>Simon</name></hi> in Königsberg, dessen „Unterstützung“ besonders hervorgehoben wird. Dieser Herr war bisher der Mäcen der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-425"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-425"/>. Er bezahlte einen <pb/> namhaften Jahresbeitrag, aus dem Autorenhonorare gegeben werden konnten; denn die Zahl der Abonnenten (circa 180–200) reicht gerade dazu hin, um die Druckkosten u<add>[nd]</add> A<add>[nderes]</add> zu zahlen.</p><p>Leider hat Herr Professor D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> <name>Simon</name> an dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-426"/>Krach der Leipziger Bank<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-426"/> einen großen Theil seines Vermögens verloren, und tritt nun zurück von seiner schönen Rolle eines Mäcens der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-427"/>Kantstudien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-427"/>.</p><p>So müssen die Kantstudien, um weiter erscheinen zu können, nach einem neuen Mäcen sich umsehen, der jährlich etwa 600–800 <abbr>M</abbr> opfern kann – so viel betragen die Autorenhonorare. <pb/></p><p>Ist Ihnen vielleicht irgend Jemand bekannt, der diese edle Rolle spielen will? Als Gegenleistung kann sein Name dann, wie der von <abbr>Prof.</abbr> <name>Simon</name>, auf das Titelblatt gesetzt werden (eventuell <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-428"/>kann der Name<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-428"/> auch auf der 2. Seite des Umschlages statt dessen erwähnt werden in irgend einer passenden Form). Amerikanische und englische Zeitschriften haben ähnliche Mäcene.</p><p>Es ist ja an sich eine kleine Summe, welche notwendig ist. Ich selbst habe den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-429"/>Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-429"/> seit 7 Jahren nicht nur sehr viel Zeit geopfert (natürlich ohne jedes Entgelt) sondern auch durch Anstellung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-430"/>eines eigenen Privatsecretärs<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-430"/> für dieselben mehrere tausend Mark ausgegeben. Ich <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-431"/>selbst<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-431"/> lasse mir natürlich auch kein Honorar bezahlen für meine eigenen Beiträge. Ich brauche <hi rend="underline">nur für Andre</hi> das nötige Autorenhonorar.</p><p>Hier kann also ein wohlhabender Freund der Wissenschaft eine gute Sache unterstützen, und hat dabei doch auch den Vorteil, daß eventuell, wenn er Werth darauf legt, auch sein Name mitgenannt wird.</p><p>Vielleicht ist Ihnen in Ihrem weiten Bekanntenkreis eine solche Persönlichkeit bekannt; sollte das der Fall sein, so bitte ich Sie um Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-432"/>freundliche Vermittlung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-432"/>. <pb/></p><p>Während einer längeren Augenkrankheit, deren Spuren leider noch nicht verwischt sind, ließ ich mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-433"/>Ihren <hi rend="underline"><name>R. Wagner</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-433"/> vorlesen, dessen Form und Inhalt mich sehr befriedigt und entzückt hat. Sehr Vieles in Ihren Büchern ist mir aus der Seele gesprochen. Besonders was Sie über das „mythische Denken“ sagen, erregt meine ganz besondre Aufmerksamkeit.</p><p>Von dem Artikel über Sie kann ich Ihnen nach Erscheinen des Heftes noch einige Separata senden.</p><p>Mit besondrer Hochachtung Ihr ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-421"><lem>4. <abbr>Aufl.</abbr> Ihres monumentalen Werkes</lem><note>von Chamberlain: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts. München: Bruckmann.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-422"><lem>Artikel von <name>Leclère</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Albert Leclère: Le mouvement catholique kantien en France à l’heure présente. In: Kant-Studien 7 (1902), <abbr>S.</abbr> 300–363.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-423"><lem>Artikel über Sie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Chamberlain vom 13.6.1902</note></app><app type="philological" corresp="#ED-424"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-425"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-426"><lem>Krach der Leipziger Bank</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Natorp vom 6.12.1902</note></app><app type="philological" corresp="#ED-427"><lem>Kantstudien</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-428"><lem>kann der Name</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-429"><lem>Kant-Studien</lem><rdg>KSt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-430"><lem>eines eigenen Privatsecretärs</lem><note><abbr>d. i.</abbr> <name>Fritz Medicus</name></note></app><app type="philological" corresp="#ED-431"><lem>selbst</lem><note>am Kopf des neuen Bogens Briefkopf wie oben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-432"><lem>freundliche Vermittlung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Beilage zu Chamberlain an Vaihinger vom 7.2.1903</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-433"><lem>Ihren <hi rend="underline"><name>R. Wagner</name></hi></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Chamberlain: Richard Wagner. Neue Ausgabe München: Bruckmann 1901.</note></app></listApp></back></text></TEI>