<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000824-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Wilhelm Wundt</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tambach</placeName>, <date>22.8.1902</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9 o, Nr. 6</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0824" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000824-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11863562X">Wilhelm Wundt</persName><placeName>Tambach</placeName><date when="1902-08-22">22.8.1902</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532154">Gustav Theodor Fechner</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9 o, Nr. 6</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Wilhelm Wundt</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tambach</placeName>, <date>22.8.1902</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9 o, Nr. 6</bibl></head></front><body><dateline>Tambach bei Gotha, den 22. August 1902.</dateline><salute>Lieber und verehrter Herr College!</salute><p>Empfangen Sie zunächst meinen herzlichen Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-389"/>Ihre freundlichen Glückwünsche<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-389"/>, womit ich wohl zugleich meinen Dank verbinden darf für Ihre Theilnahme an der ehrenvollen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-390"/>Tabula gratulatoria<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-390"/>, die mir in diesen Tagen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-391"/>von<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-391"/> der philos<add>[ophischen]</add> Fakultät in Halle nachgesandt worden ist, eine Ehrung, die ich um so höher zu schätzen weiß, als sie von Collegen ausgeht, die ich aufrichtig verehre und um ihrer Leistungen willen hochschätze. <pb/></p><p>Leid thut es mir freilich, daß ich mit diesem Ausdruck des Dankes Ihnen gegenüber zugleich den der aufrichtigen Theilnahme an dem Augenleiden, daß Sie betroffen, verbinden muß. Zum Trost kann ich Ihnen aber sagen, daß man – wie ich das in diesem Fall aus eigener Erfahrung weiß – mit Geduld und Gleichmuth und namentlich mit <hi rend="underline">Schonung der Augen</hi>, wozu in erster Linie Vermeidung des <hi rend="underline">Lesens</hi> gehört, schließlich in einen erträglichen Zustand gelangt, bei dem man nur der Vorsicht niemals vergessen darf. Einen längeren Aufenthalt im Dunkeln habe ich selbst niemals zugebracht, weil ich das <hi rend="underline">eine</hi>, allein von der Chorioditis ergriffene Auge bald verloren gab und mich in der That nun, seit das kranke Auge ganz außer Funktion getreten ist, wieder so ziemlich wie früher lesend und schreiben beschäftigen kann. Ich glaube aber sicher, daß man sich, wenn der Fall einen längeren Aufenthalt im Dunkeln fordert, hinter einem Vorhang vorlesen lassen kann. Wenigstens weiß ich, daß sich <name>Fechner</name> auf diese Weise längere Zeit geholfen hat.</p><p>Was <hi rend="underline">Schreibmaschinen</hi> betrifft, so rathe ich Ihnen unbedingt zu einer <hi rend="underline">amerikanischen</hi>, – sie sind theurer, aber solider und besser als die deutschen. Ich glaube, daß sich Yost und Remington ziemlich gleich stehen; ich selbst arbeite mit einer Yost-Maschine. Vielfach wird in neuerer Zeit auch die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-392"/>Hamond<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-392"/> <pb/> bevorzugt. Ich habe sie einmal probiert, fand aber die Einrichtung zu kompliziert, woran freilich meine Gewöhnung an die Yost-Maschine die Schuld tragen mag. Jedenfalls ist aber das <hi rend="underline">Prinzip</hi>, auf dem Remington und Yost beruhen, das einfachere, und ich glaube daher, daß sie besonders bei Augenleiden zu bevorzugen sind. Noch möchte ich empfehlen, daß Sie, um sich die Lage der Buchstabentasten einzuprägen, dies <hi rend="underline">nicht bloß</hi> während des Schreibens thun, weil dies für die Augen anstrengend ist, sondern daß Sie sich ein festes Phantasiebild der Tasten einprägen, das Sie der Nothwendigkeit hinzusehen möglichst enthebt.</p><p>Mit den besten Wünschen für Ihre Genesung verbleibe ich Ihr aufrichtig ergebener</p><signed>W. Wundt</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-389"><lem>Ihre freundlichen Glückwünsche</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Wundt vom 14.8.1902</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-390"><lem>Tabula gratulatoria</lem><note>zum 70. Geburtstag (16.8.1902). Nicht im Universitäts-Archiv Halle-Wittenberg dokumentiert.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-391"><lem>von</lem><note>Wort verschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-392"><lem>Hamond</lem><note>Hammond-Schreibmaschine, eine Typenradmaschine mit einem doppelt umgeschalteten gekrümmten Griffbrett, im Unterschied zu den Typenhebelmaschinen der Firmen Remington und Yost mit der gebräuchlicheren Universaltastatur; <abbr>vgl.</abbr> Otto Lueger: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften <abbr>Bd.</abbr> 7, 1909, Lemma Schreibmaschine: <ref type="link">http://www.zeno.org/nid/20006123724</ref><ref type="link"> </ref>(17.9.2021).</note></app></listApp></back></text></TEI>