<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000769-3</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Felix Krueger</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Frankfurt a. M.</placeName>, <date>6.4.1901</date>, <note>7 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 5 n, Nr. 3</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0769" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000769-3"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118724681">Felix Krueger</persName><placeName>Frankfurt a. M.</placeName><date when="1901-04-06">6.4.1901</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119142139">Oswald Külpe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118771256">Ludwig Woltmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118549340">Victor Hensen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11863562X">Wilhelm Wundt</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 5 n, Nr. 3</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Felix Krueger</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Frankfurt a. M.</placeName>, <date>6.4.1901</date>, <note>7 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 5 n, Nr. 3</bibl></head></front><body><dateline>Frankfurt <hi rend="superscript">a</hi>/M</dateline><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-53"/>6<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-53"/>/IV.01.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr Professor,</salute><p>Länger als meine Absicht gewesen war, bin ich mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-54"/>den übernommenen Rezensionen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-54"/> im Rückstand geblieben. Abgesehen von persönlichen Verhältnissen, auf die ich gleich zu sprechen komme, hatten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-55"/><name>Woltmann</name>s 3 Bücher<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-55"/> daran schuld. Sie umfassen so weite Gebiete, daß ich sie ziemlich langsam lesen und dann noch lange bedenken mußte. Den ungewöhn<pb/>lichen Umfang meiner Referate entschuldigen Sie wohl mit eben jenem umfassenden Charakter der Bücher und mit der Bedeutung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-56"/>ihres<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-56"/> Inhaltes. Auch sind mir manche Ungerechtigkeiten darüber, in Lob und Tadel, zu Ohren gekommen.</p><p>Die anderen, noch ausstehenden Besprechungen, vor allen den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-57"/>Aufsatz über <name>Wundt</name>s <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-58"/>System<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-58"/> der Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-57"/> hoffe ich bald nachliefern zu können. Was den letzten angeht, so möchte ich gern über den nächsten Zweck hinaus einige Bemerkungen zur psychologischen Kritik der <name>Kant</name>ischen Ethik geben. Herr <abbr>Prof.</abbr> <name>Külpe</name> hat mich aufgefor<pb/>dert, für die im nächsten Jahre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-59"/><name>Wundt</name>en zu überreichende Festschrift einen Beitrag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-59"/> zu liefern. Ich habe mich für die „Heterogonie der Zwecke“ (oder so ähnlich) entschlossen. Nun muß ich noch in einzelnen Punkten entscheiden, was ich in diesen, was in den für die Kantstudien bestimmten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-60"/>Aufsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-60"/> bringen soll.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-61"/>Meine akustischen Veröffentlichungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-61"/> dulden keinen langen Aufschub. Eine zweite Arbeit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-62"/>„Zur Theorie der Kombinationstöne“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-62"/> ist jetzt fertig gesetzt; eine dritte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-63"/>„Differenztöne und Konsonanz“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-63"/> muß noch in den laufenden Band der „Phil<add>[osophischen]</add> Studien“.</p><p>Haben Sie Dank, verehrter Herr <pb/> Professor, für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-64"/>die freundlichen Worte anläßlich meiner ersten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-65"/>acustica<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-65"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-64"/>. Es entspricht durchaus meinen Wünschen und Interessen, vor allem der entscheidenden Bedeutung <name>Kant</name>s für mein ganzes wissenschaftliches Denken, daß ich mit der <name>Kant</name>forschung Fühlung behalte und an Ihrer führenden Zeitschrift nach Kräften mitarbeite. Nur muß ich mit Rücksicht auf meine ethischen und auf die zeitraubenden psychologischen Arbeiten um Nachsicht bitten, wenn ich zuweilen etwas langsam bin. Neue Rezensionen möchte ich nun nicht übernehmen, ehe ich die alten geliefert habe. <pb/></p><p>Meine Habilitation für Philosophie habe ich noch auf einige Zeit hinausgeschoben. Als im Januar die zweite, vorhin erwähnte akustische Arbeit fertig war, dachte ich daran <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-66"/>in Kiel, weil mir bestimmte Aussichten eröffnet worden waren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-66"/>. Aber damals stieß ich auf unerwartete persönliche Widerstände, sodaß ich an einer anderen Universität erfolgversprechende Schritte that. Im März eröffnete sich mir jedoch die Möglichkeit, bei <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-67"/><name>Hensen</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-67"/>, dem hervorragenden physiologischen Akustiker, Physiker und Entwicklungs<pb/>theoretiker Assistent zu werden. Um meinem naturwissenschaftlichen, speziell biologischen Wissen und Können die lange ersehnte Vertiefung zu geben, entschloß ich mich, nach einigem Konflikt, mit mir selbst und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-68"/>auf dringendes Zuraten <name>Wundt</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-68"/>, diese Gelegenheit zu benutzen. Ich werde also in den nächsten beiden Semestern im Kieler <hi rend="underline">physiologischen </hi><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-69"/><hi rend="underline">Institute</hi>, Hegewischstr<add>[aße]</add> wohnen. –<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-69"/></p><p>Haben Sie die Güte, sehr geehrter Herr, Ihrer Frau Gemahlin meine gehorsame Empfehlung und Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Medicus</name> einen Gruß zu vermitteln.</p><p>In ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebener</p><signed>Felix Krueger. <pb/></signed><postscript><p><abbr>NB.</abbr> Von den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-70"/>beiliegenden Referaten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-70"/> darf ich wohl <abbr>ca.</abbr> 10 Sonderabdrucke erbitten.</p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-53"><lem>6</lem><note>Einfügung in der Zeile für gestrichen: </note><rdg>8</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-54"><lem>den übernommenen Rezensionen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Krueger an Vaihinger vom 26.5. sowie vom 17.8.1898; <abbr>vgl.</abbr> für den fraglichen Zeitraum die Rezension Kruegers zu: Baumann, Julius: Realwissenschaftliche Begründung der Moral, des Rechts und der Gotteslehre. Leipzig: Dieterich 1898. In: Kant-Studien 5 (1901), <abbr>S.</abbr> 215–216 sowie zu Veröffentlichungen <name>Ludwig Woltmann</name>s Krueger: Eine neue Sozialphilosophie auf Kantischer Basis. In: Kant-Studien 6 (1901), <abbr>S.</abbr> 284–298.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-55"><lem><name>Woltmann</name>s 3 Bücher</lem><note>Krueger bespricht im genannten Artikel folgende Veröffentlichungen Woltmanns: System des moralischen Bewusstseins mit besonderer Darlegung des Verhältnisses der kritischen Philosophie zu Darwinismus und Sozialismus. Düsseldorf, Herm. Michels Verlag. 1898. VIII u. 397 S.; Die Darwinsche Theorie und der Sozialismus. Ein Beitrag zur Naturgeschichte der menschlichen Gesellschaft. Düsseldorf 1899. Herm. Michels Verlag. IV u. 397 S.; Der historische Materialismus. Darstellung und Kritik der Marxistischen Weltanschauung. Düsseldorf 1900. Herm. Michels Verlag. VI u. 430 S.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-56"><lem>ihres</lem><note>Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>des</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-58"><lem>System</lem><note>verbessert aus: </note><rdg>Systems</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-57"><lem>Aufsatz über <name>Wundt</name>s System der Philosophie</lem><note>im fraglichen Zeitraum ist in der Zeitschrift Kant-Studien keine Rezension und kein Aufsatz Kruegers ermittelt über Wundt, Wilhelm: System der Philosophie. Leipzig: Wilhelm Engelmann 1889 oder die 2. <abbr>Aufl.</abbr> (1897).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-59"><lem>Wundten … Beitrag</lem><note> Krueger veröffentlichte nicht in: Festschrift für Wilhelm Wundt zum siebzigsten Geburtstage. 2 Teile ( = Wundt, Wilhelm (<abbr>Hg.</abbr>): Philosophische Studien 19–20 (1902)). Leipzig: W. Engelmann 1902.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-60"><lem>Aufsatz</lem><note>Wortendung verbessert aus unleserlichem Buchstaben (</note><rdg>Aufsatze</rdg><note>?)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-61"><lem>Meine akustischen Veröffentlichungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> neben den im Folgenden genannten Arbeiten Krueger: Beobachtungen an Zweiklängen. In: Philosophische Studien 16 (1900),<abbr>S.</abbr> 307–379 sowie <abbr>S.</abbr> 568–663.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-62"><lem>„Zur Theorie der Kombinationstöne“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Krueger: Zur Theorie der Combinationstöne. In: Philosophische Studien 17 (1901), <abbr>S.</abbr> 185–309.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-63"><lem>„Differenztöne und Konsonanz“</lem><note>erschien nicht in den von <name>Wundt</name> herausgegebenen Philosophischen Studien; <abbr>vgl.</abbr> Krueger: Differenztöne und Konsonanz. In: Archiv für die gesamte Psychologie 1 (1903), <ref type="link">https://archive.org/details/bub_gb_gaIhAQAAIAAJ/</ref> (20.12.2023), <abbr>S.</abbr> 205–275, sowie <abbr>ders.</abbr>: Differenztöne und Konsonanz. In: Archiv für die gesamte Psychologie 2 (1903), <ref type="link">https://archive.org/details/archivfurdiegesamtepsychologie2.1903princeton/</ref> (20.12.2023), <abbr>S.</abbr> 1–80.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-65"><lem>acustica</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-64"><lem>die freundlichen Worte anläßlich meiner ersten acustica</lem><note>etwaiges Schreiben Vaihingers nicht ermittelt; gemeinte Schriften Kruegers nicht ermittelt, sofern nicht die <abbr>o. g.</abbr> Arbeiten zu akustischen Themen gemeint sind.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-66"><lem>in Kiel, weil mir bestimmte Aussichten eröffnet worden waren</lem><note>gemeinte Aussichten nicht ermittelt; keine Vakanzen unter den Professuren in Kiel in der fraglichen Zeit.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-67"><lem><name>Hensen</name></lem><note><name>Victor Hensen</name> (1835–1924), Physiologe und Meeresbiologe, 1864 <abbr>ao. Prof.</abbr>, 1868 <abbr>o. Prof.</abbr> in Kiel, Emeritierung 1911 (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-68"><lem>auf dringendes Zuraten <name>Wundt</name>s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Wilhelm Wundt</name> an Krueger vom 3.1.1901 (Universitätsbibliothek Leipzig, Nachlass Wundt, <ref type="link">https://collections.uni-leipzig.de/item/UBLNachlassWundt_mods_00000436</ref> (3.10.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-69"><lem>Institute, … wohnen. –</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> in schwarzer Tinte: </note><rdg>/</rdg><note> (der Brief ist ebenfalls in schwarzer, davon nicht unterscheidbarer Tinte geschrieben)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-70"><lem>beiliegenden Referaten</lem><note>liegen nicht bei; meint vermutlich die Manuskripte zu den am Anfang des Briefes genannten Publikationen Kruegers in der Zeitschrift Kant-Studien.</note></app></listApp></back></text></TEI>