<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000760-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gerardus Johannes Petrus Josephus Bolland</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>26.1.1901</date>, <note>3 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger. | HALLE a. S., den | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Leiden University Library Special Collections</bibl> <bibl type="pubPlace">BOL B 1901/32</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0760" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000760-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1901-01-26">26.1.1901</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119450895">Gerardus Johannes Petrus Josephus Bolland</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116219351">Arthur Drews</name><name>Georg Andres Gabler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118607057">Friedrich Wilhelm Joseph Schelling</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118610465">Arthur Schopenhauer</name></note><note type="repository">Leiden University Library Special Collections</note><note type="repository">Leiden University Library Special Collections BOL B 1901/32</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gerardus Johannes Petrus Josephus Bolland</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>26.1.1901</date>, <note>3 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger. | HALLE a. S., den | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Leiden University Library Special Collections</bibl> <bibl type="pubPlace">BOL B 1901/32</bibl></head></front><body><dateline>26. Januar 1901.</dateline><salute>Verehrter Herr College!</salute><p>Ihr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-16"/>Brief vom 21. November<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-16"/> hat mir seiner Zeit großes Vergnügen bereitet. Die derbe Offenheit desselben erinnert mich an den von uns gemeinschaftlich verehrten <name>Schopenhauer</name>, der ja auch zuletzt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-17"/>holländischer Abstammung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-17"/> war. Die Energie, mit der Sie Ihre Lanze für <name>Hegel</name> einlegen, hat etwas wahrhaft Heroisches an sich, und alles Heroische hat für mich einen großen Reiz. Aber auch sachlich stehe ich Ihnen nicht ganz so fern, wie Sie glauben. Auch ich bin der Überzeugung, dass „Hegelstudien“ kommen werden. Den Grund für diese Überzeugung habe ich angegeben in den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-18"/>Kantstudien III <add>[1899]</add>, <abbr>S.</abbr> 179<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-18"/>. Sehr gerne werde ich Ihrer Anregung folgen und die <name>Hegel</name>sche Philosophie <pb/> stärker als bisher in den Vordergrund meines Bewusstseins treten lassen.</p><p>Aber ob es mir selbst gelingen wird, ihre Tiefen und Höhen ganz zu ermessen, bezweifle ich. Dass ich aber den Hegelstudien durchaus nicht abgeneigt bin, mögen Sie aus dem Umstand ersehen, dass in den Redactionsräumen der „Kantstudien“ <name>Hegel</name> nicht wenig gelesen wird, und zwar speciell von meinem Mitarbeiter <abbr>Dr.</abbr> <name>Medicus</name>, dessen Namen Sie schon öfters in den „Kantstudien“ begegnet sind, wenn auch in seinen bisherigen Publicationen noch nichts von diesem Hegelstudium zum Vorschein kommt.</p><p>Den Aufsatz über <name>Hegel</name> in der „Zweimonatlichen Zeitschrift“, den Sie in Ihrem Brief erwähnen, habe ich, wie Sie im nächsten Heft der K<add>[ant-]</add>St<add>[udien]</add> sehen werden, unter die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-19"/>„neue Kantlitteratur“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-19"/> aufgenommen.</p><p>Heute habe ich nun zu meiner Freude das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-20"/><name>Gabler</name>sche Werk<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-20"/> erhalten <pb/> und danke Ihnen für dieses Geschenk. Ich werde nicht verfehlen, über das Buch in den K<add>[ant-]</add>St<add>[udien]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-21"/>referiren zu lassen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-21"/>. Ich habe einstweilen als eine Vorschule zur „Vorschule“ Ihre Einleitung gelesen. Wenn einmal das Hegelstudium wieder blüht, so wird man Ihren Namen in erster Linie nennen als den Ersten, der ausrief: „Es muss auf <name>Hegel</name> zurückgegangen werden!“ wie in ähnlicher Weise <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-22"/>im Jahre 1865 <name>Liebmann</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-22"/><name/> den Ruf: „Zurück auf <name>Kant</name>!“ erhob. –</p><p>Vielleicht darf ich mir noch erlauben, Ihnen einen technischen Rat zu geben: Sie müssen Ihren Verleger veranlassen, mit einem deutschen Verleger gemeinschaftlich zu arbeiten und womöglich noch auf den Umschlag eine deutsche Firma zu bringen, damit das Buch von derselben energisch in Deutschland verbreitet werden kann.</p><p>Mit collegialem Gruße</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-16"><lem>Brief vom 21. November</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Bolland an Vaihinger vom 21.11.1900</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-17"><lem>holländischer Abstammung</lem><note>kolportiert z. B. in Paul Julius Möbius: Ueber Schopenhauer. Leipzig: Barth 1899, <abbr>S.</abbr> 10.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-18"><lem>Kantstudien III <add>[1899]</add>, <abbr>S.</abbr> 179</lem><note>dort heißt es zum Schlusse von Vaihingers Literaturbericht über einen Artikel von <name>Arthur Drews</name> (Die Bedeutung Schellings für unsere Zeit. Preussische Jahrbücher 1898) abweichend über <name>Schelling</name> (hier auf <name>Hegel</name> zu übertragen): </note><rdg>Dass auch Schelling einmal wieder zu Ehren kommt, ist ja an sich nicht unmöglich – die Welt ist rund und dreht sich. Aber dass die Erneuerung der Schellingְ’schen Spekulation nicht zum Heile der Philosophie ausschlagen würde, daran zweifeln wir nicht im geringsten.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-19"><lem>„neue Kantlitteratur“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Bolland vom 19.11.1900</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-20"><lem><name>Gabler</name>sche Werk</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Bolland an Vaihinger vom 21.11.1900. Es handelt sich vermutlich um ein Exemplar von Georg Andres Gabler: Lehrbuch der philosophischen Propädeutik als Einleitung zur Wissenschaft zu akademischen Vorlesungen und zum Selbststudium. Erlangen: Palm 1827.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-21"><lem>referiren zu lassen</lem><note>nicht nachgewiesen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-22"><lem>im Jahre 1865 <name>Liebmann</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Otto Liebmann: Kant und die Epigonen. Eine kritische Abhandlung. Stuttgart: Carl Schober 1865.</note></app></listApp></back></text></TEI>