<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000757-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>31.12.1900</date>, <note>4 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger.| HALLE a. S., den | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 1085</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0757" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000757-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1900-12-31">31.12.1900</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/104306947">Ferdinand Jagemann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116294566">Marie Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117444154">Friedrich August Wolf</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 1085</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>31.12.1900</date><anchor type="delimiter"/>, <note>4 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">Redaction der „Kantstudien“ | (Verlag von Reuther und Reichard, Berlin) | Prof. Dr. Vaihinger.| HALLE a. S., den | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 1085</bibl></head></front><body><dateline>31.XII.00.</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr Wirklicher Geheimer Oberregierungsrath!</salute><p>Gestatten Sie, daß ich zu dem bedeutsamen Zeitabschnitt, welcher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2493"/>morgen eintritt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2493"/>, Ihnen die ergebensten Glückwünsche darbringe; dieselben erstrecken sich vor Allem dahin, daß Ihre Gesundheit, über welche ich beunruhigende Nachrichten gehört habe, in dem Neuen Jahre gekräftigt und wiederhergestellt werden möge. Möchte auch die Gesundheit Ihrer verehrten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2494"/>Frau Gemahlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2494"/> in dem Neuen Jahre nichts mehr zu wünschen übrig <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2495"/>lassen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2495"/>! Freilich sind <pb/> ja leider auch die aufrichtigst gemeinten Glückwünsche factisch ohne reale Kraft, aber sie bekunden doch die Theilnahme des Wünschenden, und nähren doch immer in dem Hintergrund der Seele den Glauben, daß solcher aufrichtigen Theilnahme gleichsam eine geheime Macht zukomme.</p><p>Solche Gedanken sind auch in dem Sinne des großen Dichters, von dem ich mir gestatte, Ihnen als Neujahrsgruß ein kürzlich neuentdecktes Bild zu übersenden. Das Original der Photographie, ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2496"/>lebensgroßes Ölbild<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2496"/>, habe ich vor einiger Zeit ganz billig erworben durch Zufall, und herausgefunden, daß dasselbe höchst<pb/>wahrscheinlich dem großen Philologen Professor <hi rend="underline">Fr<add>[iedrich]</add> Aug<add>[ust]</add> <name>Wolf</name></hi> gehört hat, welcher bis 1806 hier Professor gewesen ist, und in Folge der Kriegsereignisse im Jahre 1807 nach Berlin übergesiedelt ist. Beim Umzug ist ihm das Bild wohl abhanden gekommen. Es ist ihm von <name>Goethe</name> im August 1806 geschenkt worden, als Zeichen der engen Freundschaft, welche beide Männer verband. So ist es ein Bild, das mit der Geschichte der Universität zusammenhängt. Das Bild ist von <name>Jagemann</name> 1806 gemalt, eine Doublette des Bildes hängt in der Weimarer Bibliothek. Ich habe von dem neuaufgefundenen Bild einige Photographien her<pb/>stellen lassen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2497"/>zur Privatvertheilung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2497"/>. Möchten Sie die Güte haben, die Photographie hochgeneigt anzunehmen.</p><p>Mich Ihrem gütigen Wohlwollen auch fernerhin bestens empfehlend, in steter Dankbarkeit und aufrichtiger Verehrung <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz ergebenster</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2498"/>H. Vaihinger.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2498"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2493"><lem>morgen eintritt</lem><note>Anspielung auf den nach christlicher Zeitrechnung korrekten Beginn des 20. Jahrhunderts am 1.1.1901. Der 31.12.1900 ist das Datum der Vollendung des Jahres 1900 und somit der Terminus des 19. Jahrhunderts (<abbr>vgl.</abbr> Hermann Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit. 13. <abbr>Aufl.</abbr> Hannover: Hahnsche Buchhandlung, <abbr>S.</abbr> 10).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2494"><lem>Frau Gemahlin</lem><note><name>Marie Althoff</name> (1843–1925; <abbr>NDB</abbr>)</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2495"><lem>lassen</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2496"><lem>lebensgroßes Ölbild</lem><note><abbr>vgl.</abbr> darüber Vaihinger: Ein Goethe-Porträt. In: Illustrirte Zeitung Leipzig, <abbr>Nr.</abbr> 2982 vom 23.8.1900, <abbr>S.</abbr> 290.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2497"><lem>zur Privatvertheilung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rudolf Eucken an Vaihinger vom 11.6.1900</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2498"><lem>H. Vaihinger.</lem><note>in die Akte beigebunden ist ein Zeitungsausschnitt (Druckort nicht ermittelt) mit Porträtfoto Vaihingers von E. Stoehr. Bildunterschrift: </note><rdg>Geheimrat Prof. Dr. Hans Vaihinger, der berühmte Kantforscher und Lehrer an der Universität Halle, feierte seinen 60. Geburtstag</rdg><note>. Darunter <abbr>hs.</abbr> Notiz: </note><rdg>October 1912.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>