<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000746-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Rudolf Eucken</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>22.6.1900</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 10</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0746" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000746-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</persName><placeName>Jena</placeName><date when="1900-06-22">22.6.1900</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118622110">Thomas</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 10</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Rudolf Eucken</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>22.6.1900</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 10</bibl></head></front><body><dateline>Jena <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2405"/>22/6<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2405"/></dateline><salute>Hochgeehrter und lieber Herr College!</salute><p>Wiederum habe ich Ihnen herzlichen Dank auszusprechen, und ich hätte das umgehend gethan, wenn nicht gerade diese Tage mich der Abschluß eines Abschnittes der Religionsphilosophie sehr beschäftigt hätte. Nun aber lassen Sie mich Ihnen aussprechen, wie sehr Sie mich auch durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2406"/>das <name>Kant</name>bild<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2406"/> erfreut haben, das einen eigenthümlich sympathischen Eindruck macht und wunderbar mit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2407"/>schlichten Einfalt zugleich die geistige Größe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2407"/> empfinden läßt. Wertvoll an sich <pb/> ist mir das Bild ganz besonders wertvoll als ein Ausdruck der freundschaftlichen Gesinnung, die ich nur mit aufrichtigem Dank begrüßen und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2408"/>erwiedern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2408"/> kann.</p><p>Nun mein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2409"/><name>Kant</name> und <name>Thomas</name>-Aufsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2409"/>! Als ich ihn bis nach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2410"/>Vollendung der Religionsphilosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2410"/> aufschob, dachte ich mir den Abschluß dieser näher; nun aber zieht er sich weiter hinaus und ich darf nicht übereilen, da es <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2411"/>sich hier um das Hauptwerk meines Lebens handelt.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2411"/> Aber so will ich auch das Schicksal jenes Aufsatzes nicht zu eng mit jenem Buch verknüpfen. <pb/> Da es am Ende mehr darauf ankommt, principielle Stellung zu nehmen als in das Detail einzugehen, so würde ich bei energischer Concentration die Sache, die mich innerlich so viel beschäftigt hat, wohl ohne zu großen Zeitaufwand herstellen können. So will ich sehen, Ihnen den Aufsatz noch vor Schluß der Herbstferien (Ende Oktober) zu senden; hoffentlich werden Sie, auch wenn ich ihn rasch herzustellen suche, mit ihm leidlich zufrieden sein.</p><p>Nochmals verbindlichen Dank! Auch beste Grüße an Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Medicus</name>, dessen treue Gesinnung uns Jenenser wahrhaft erfreut.</p><p>Herzlich grüßend Ihr aufrichtig ergebener</p><signed>R. Eucken.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2405"><lem>22/6</lem><note>mit Blaustift unterstrichen, darunter Jahreszahl ergänzt: </note><rdg>1900</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2406"><lem>das <name>Kant</name>bild</lem><note>gemeintes nicht ermittelt; begleitendes Schreiben Vaihingers nicht überliefert.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2407"><lem>schlichten Einfalt zugleich die geistige Größe</lem><note>Anspielung auf ein geflügeltes Wort nach Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in Malerei und Bildhauerkunst (1745/1755): edle Einfalt, stille Größe.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2408"><lem>erwiedern</lem><note><hi rend="italic"><rdg>so wörtlich</rdg></hi></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2409"><lem><name>Kant</name> und <name>Thomas</name>-Aufsatz</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Eucken an Vaihinger vom 5.3.1899</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2410"><lem>Vollendung der Religionsphilosophie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Eucken: Hauptprobleme der Religionsphilosophie der Gegenwart. Drei Vorlesungen. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1907.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2411"><lem>sich … handelt.</lem><note> mit Blaustift am linken <abbr>Rd.</abbr> angestrichen</note></app></listApp></back></text></TEI>