<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000694-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Rudolf Eucken</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>5.3.1899</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 8</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0694" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000694-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</persName><placeName>Jena</placeName><date when="1899-03-05">5.3.1899</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118739603">Friedrich Paulsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118622110">Thomas von Aquin</name><name>Friedrich August Trendelenburg</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 8</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Rudolf Eucken</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>5.3.1899</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 8</bibl></head></front><body><dateline>Jena <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2025"/>5/3 99.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2025"/></dateline><salute>Hochgeehrter Herr College!</salute><p>Empfangen Sie meinen verbindlichen Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2026"/>Ihren freundlichen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2026"/> und für die liebenswürdigen Zusendungen! Ich brauche nicht zu sagen, daß mich alles in höchstem Grade interessiert hat. Was <name>Kuno Fischer</name> anbetrifft, so versetzt mich sein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2027"/>leidenschaftlicher Angriff<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2027"/> auf’s lebhafteste zurück in die Zeit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2028"/>Polemik mit <name>Trendelenburg</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2028"/>, die ich, mit <name>Trendelenburg</name> persönlich nahe befreundet, mit großer Theilnahme miterlebte. <pb/></p><p><name>Kuno Fischer</name>’s eitle und intolerante Art, die nichts anderes als Weihrauch verlangt, ist jetzt noch mehr aller Welt bekannt geworden als sie es damals war; so wird der plumpe Angriff auf ihn selbst zurück fallen. Ihr großes Werk steht viel zu fest in der Schätzung der wissenschaftlichen Welt als daß es durch jene sophistische Rhetorik irgend geschädigt werden könnte. Mir persönlich ist jene selbstgefällige Art <name>Fischer</name>’s in hohem Grade unsympathisch; wie schade, daß mit so glänzender formaler Begabung bei ihm so wenig <pb/> innere Größe verbunden ist!</p><p>Was Ihre Anregung hinsichtlich des Themas anbetrifft, so würde ich sofort darauf eingehen, wenn ich nur etwas mehr Zeit hätte. Aber ich stecke diese Jahre sehr in der Arbeit. Von den Lebensanschauungen ist jetzt die 3. <abbr>Aufl.</abbr> im Druck (11 Bogen sind schon gedruckt). Dann kommt ein principiell tief eingreifendes Werk „Der Wahrheitsgehalt der Religion“, und für nächstes Jahr steht voraussichtlich eine 3. <abbr>Aufl.</abbr> der Grundbegriffe bevor. Dazu eine Anzahl kleinerer Arbeiten, die jetzt etwas ins Stocken gerathen waren, da <pb/> ich diesen Winter (bis 1. April) Prorector war. Aber ich hoffe, in irgendwelcher Zwischenzeit Muße zu finden, den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2029"/>Artikel „<name>Thomas von Aquin</name>o und <name>Kant</name>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2029"/> zu schreiben, in einer ruhigen, aber entschiedenen Weise und auch nicht ohne Offensive. Ich würde dann nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2030"/>auf die einzelnen Schriften eingehen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2030"/>, sondern die Gesammtart charakterisiren und ihr unsere Überzeugung kräftig entgegenhalten. Aber ich kann mich beim besten Willen nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt verpflichten, bitte Sie aber überzeugt zu sein, daß ich die Sache im Auge behalte und wenn irgend möglich in absehbarer Zeit ausführen werde. Bitte, wollen Sie auch Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Medicus</name> meinen freundl<add>[ichen]</add> Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2031"/>seinen wertvollen Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2031"/> übermitteln.</p><p>Mit bestem Gruß Ihr sehr ergebener</p><signed>R. Eucken.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2025"><lem>5/3 99.</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2026"><lem>Ihren freundlichen Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2027"><lem>leidenschaftlicher Angriff</lem><note>Vaihinger hatte sich in seinem Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft mehrfach polemisch über <name>Kuno Fischer</name> geäußert. <abbr>Vgl.</abbr> die Replik in Fischer: Immanuel Kant und seine Lehre I. Theil. Entstehung und Grundlegung der kritischen Philosophie. 4. neu bearbeitete Aufl. Heidelberg: C. Winter 1898, <abbr>S.</abbr> 329–336, hier <abbr>S.</abbr> 335: </note><rdg>Der Verfasser [Vaihinger] hat seinem Commentar den Text der Vernunftkritik der Reclam’schen Ausgabe von K. Kehrbach (1877) zu Grunde gelegt. In dieser Ausgabe zählt die Vernunftkritik 702 Seiten. Davon umfassen die beiden bisher erschienenen Bände des Commentars (in einem Umfange von 1069 Seiten und lexikonartiger Statur, die Vorworte ungerechnet) nicht mehr als 75 Seiten. Wenn der Commentar nach Analogie der beiden ersten Bände fortgeführt werden soll, so sind zu seiner Vollendung nicht zwei, sondern achtzehn Bände nöthig. Und wird die zur Vollendung gehörige Zeit nach Analogie der beiden ersten Bände geschätzt (sechszehn Jahre sind seit dem ersten Bande verflossen), so müssen neunundneunzig Jahre vergehen, bis die achtzehn noch übrigen Bände erschienen sein werden. Demnach steht zu hoffen, daß der „zum hundertjährigen Jubiläum der Vernunftkritik“ begonnene Commentar vielleicht schon zum zweihundertjährigen Jubiläum der Kritik der reinen Vernunft, im Jahre 1981 des Heils, sein Ende erreichen kann.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2028"><lem>Polemik mit <name>Trendelenburg</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Rudolf Eucken an Vaihinger vom 1.11.1892</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2029"><lem>Artikel „<name>Thomas von Aquin</name>o und <name>Kant</name>“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Eucken: Thomas v. Aquino und Kant. Ein Kampf zweier Welten. In: Kant-Studien 6 (1901), <abbr>S.</abbr> 1–18. Einen Artikel zu <name>Thomas von Aquin</name> und <name>Kant</name> zu schreiben, hatte Vaihinger zunächst <name>Friedrich Paulsen</name> vorgeschlagen, <abbr>vgl.</abbr> Paulsen an Vaihinger vom 12.5.1898.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2030"><lem>auf die einzelnen Schriften eingehen</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustiftkringel markiert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2031"><lem>seinen wertvollen Artikel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Fritz Medicus: Zwei Thomisten contra Kant. In: Kant-Studien 3 (1898/1899), <abbr>S.</abbr> 320–333.</note></app></listApp></back></text></TEI>