<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000676-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Heinrich Rickert</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>4.8.1898</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0676" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000676-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1898-08-04">4.8.1898</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119059479">Friedrich Carl Forberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117356271">Max Wundt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 1</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Heinrich Rickert</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>4.8.1898</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 1</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg</dateline><dateline>4. August 98.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr Kollege!</salute><p>Ihrer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1922"/>freundlichen Aufforderung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1922"/>, etwas über den Atheismusstreit zu schreiben, bin ich nachzukommen im Princip durchaus nicht abgeneigt. Ich habe die „Appellation“ immer für eine der lehrreichsten Schriften <name>Fichte</name>s gehalten, und glaube dem hier vertretenen Standpunkte selbst ziemlich nahe zu stehen (in meinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1923"/>„Gegenstand der Erkenntniß“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1923"/> Begriff des bejahenden Bewußtseins überhaupt). Meine Stellungnahme zu <name>Kant</name> würde dementsprechend natürlich darauf hinauskommen, daß <name>Kant</name> zwar immer an einem <pb/> transzendenten Sein festgehalten hat, daß aber die Kantischen Gedanken nur fruchtbar zu machen sind, wenn man das „Ding an sich“ gänzlich zu beseitigen sucht. Ich befinde mich für gew<add>[öhnlich]</add> nicht in Übereinstimmung mit meinem lieben und verehrten Freunde <name>Riehl</name> und möchte, weil <name>Riehl</name> Sie auf mich hingewiesen hat, dies ausdrücklich hervorheben.</p><p>Aus Ihrem Briefe geht nicht hervor, bis zu welchem Termin das Manuscript in Ihren Händen sein muß. Wenn es ins 1. Heft des 4ten Bandes kommt, so würde ich wohl noch ein Jahr Zeit haben. Allerdings erschiene dann der Artikel zu einer Zeit, in der vor hundert Jahren der ganze Atheismusstreit längst vorüber war. <name>Fichte</name> verließ, wenn ich mich nicht irre, Jena im Juni <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1924"/>1799<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1924"/>. Ich habe hier in Heidelberg kein Material, um das genau festzustellen, und kann daher momentan auch nicht nachsehen, aufgrund welcher Quelle Sie annehmen, daß die <name>Forberg</name>’schen und <name>Fichte</name>’schen Artikel im Herbst 1798 erschienen sind. Ich glaube, sie wurden schon im Anfang des Jahres gedruckt und lagen <pb/> fast ein Jahr dem Publikum vor als die Konfiskation erfolgte. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir Ihre Ansicht darüber mittheilen wollten.</p><p>In der nächsten Woche kehre ich wieder <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1925"/>nach Freiburg zurück<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1925"/>. Wenn Sie die Güte haben wollen, mir dorthin den Termin zu schreiben, bis zu dem der Artikel geschrieben sein muß, so würde ich Ihnen sofort meine definitive Entscheidung mittheilen. Es wäre mir lieb, wenn ich noch längere Zeit hätte, denn vor Beendigung des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1926"/>zweiten Theiles<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1926"/> meiner „Grenzen der naturwiss<add>[enschaftlichen]</add> Begriffsbildung“ kann ich an keine andere Arbeit gehen.</p><p>Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster</p><signed>Heinrich Rickert.</signed><postscript><p>Noch eine Bemerkung! Ich bin aufgefordert, den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1927"/><name>Fichte</name> für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1928"/>Frommannschen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1928"/> „Klassiker“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1927"/> zu übernehmen. Einen Entschluß habe ich noch nicht gefaßt. Sollte ich aber diese Monographie schreiben, so nehme ich an, daß ich den Artikel aus den Kantstudien dann zum Theil in dieses Buch wörtlich aufnehmen darf.</p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1922"><lem>freundlichen Aufforderung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Rickert vom 29.7.1898</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1923"><lem>„Gegenstand der Erkenntniß“</lem><note>Freiburg/Leipzig: Mohr (Siebeck) 1896.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1924"><lem>1799</lem><note>korrigiert aus </note><rdg>1899</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1925"><lem>nach Freiburg zurück</lem><note><name>Rickert</name> war 1896–1915 <abbr>o. Prof.</abbr> für Philosophie an der Universität Freiburg im Breisgau (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1926"><lem>zweiten Theiles</lem><note>erschien 1902</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1928"><lem>Frommannschen</lem><rdg>From̅anschen</rdg><note> (Geminationsstrich über m)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1927"><lem><name>Fichte</name> für die Frommannschen „Klassiker“</lem><note>innerhalb der Stuttgarter Verlagsreihe </note><rdg>Frommanns Klassiker der Philosophie</rdg><note> erschien erst 1927 ein Band über <name>Fichte</name>, verfasst von <name>Max Wundt</name>.</note></app></listApp></back></text></TEI>