<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000634-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Heinrich Maier</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>14.7.1897</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 8 b, Nr. 6</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0634" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000634-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116681268">Heinrich Maier</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1897-07-14">14.7.1897</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 8 b, Nr. 6</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Heinrich Maier</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>14.7.1897</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 8 b, Nr. 6</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen, den 14. Juli 1897</dateline><salute>Sehr geehrter Herr Professor!</salute><p>Auf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1520"/>Ihren letzten Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1520"/> darf ich mir wohl erlauben Folgendes zu erwidern. Es kann keine Rede davon sein, daß ich in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1521"/>meinem letzten Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1521"/> „versuchte, Ihnen die Pistole auf die Brust zu setzen“. Zur Erklärung desselben möchte ich auf folgenden Thatbestand verweisen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1522"/>Am 13. Januar d<add>[es]</add> J<add>[ahres]</add> forderten Sie mich auf, Ihnen das Manuskript meiner Habilitationsvorlesung zu überlassen, mit der Bemerkung, daß ich für eine eventuelle Bearbeitung noch Zeit habe bis zum Schluß des Semesters.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1522"/> Ich trug zunächst Bedenken, auf Ihren Wunsch einzugehen, einmal, weil ich damals von anderen Arbeiten völlig in Anspruch genommen war, sodann aber, weil ich mir bewußt war, daß mein Aufsatz, <pb/> seiner Entstehung aus einer Vorlesung entsprechend, zum Teil „nur bekanntes“ enthalten würde. Nur auf Zureden <name>Sigwart</name>s <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1523"/>entschloß ich mich, Ihnen die Arbeit in Aussicht zu stellen, und gab Ihnen als Umfang 2½ Bogen an<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1523"/>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1524"/>Sie schrieben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1524"/> mir darauf, dieser Umfang sei Ihnen gerade recht, selbst eine kleine Überschreitung gehe an. Da ich nun, durch amtliche Geschäfte (als Repetent im <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1525"/>Stift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1525"/>) abgehalten, erst spät an die Arbeit gehen konnte, bat ich Sie noch um eine kurze Frist. Auch dann mußte ich sehr angestrengt arbeiten, um fertig zu werden. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1526"/>Am 3. April gelangte meine Arbeit in Ihre Hand<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1526"/>, und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1527"/>Sie schrieben mir am 5. dess<add>[elben]</add> Mon<add>[ats]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1527"/>: ‚Ihr Manuskript habe ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1528"/>…<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1528"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1529"/>erhalten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1529"/> <hi rend="underline">und sogleich in den Satz gegeben</hi>; doch werden Sie <hi rend="underline">Correkturen wohl erst Ende dieses Monats erhalten, oder erst im Mai.</hi> Ich schiebe jetzt soeben <pb/> ein kleines Heft ein, und Ihr Aufsatz erscheint dann in dem im Juli kommenden großen Doppelheft.‘</p><p>Daß ich unter diesen Umständen durch die Mitteilung, mein Aufsatz sei (wie mir schien, auf unbestimmte Zeit) zurückgestellt, überrascht war, ist doch begreiflich. Ich gestehe, ich hatte zunächst den Eindruck, daß Ihnen nachträglich meine Arbeit nicht recht zusagte, und daß Sie den weniger verletzenden Ausweg ergriffen, sie zurückzulegen, statt sie zurückzuschicken. In erster Linie, um mich darüber zu vergewissern, bat ich Sie mir zu sagen, wann Sie den Aufsatz zu bringen gedenken. Ich glaubte, bei der geschilderten Sachlage sei diese Bitte nicht allzu unbescheiden. An sich ist es mir gleichgültig, ob meine Arbeit einen Monat früher oder später erscheint. Daß Sie dieselbe nicht <pb/> teilen wollen, darin bin ich mit Ihnen völlig einverstanden. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1530"/>Erklärung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1530"/>, die Sie für die Zurückstellung, welche mir, ich muß es wiederholen, nur <hi rend="underline">unter den geschilderten Umständen</hi> befremdlich war, geben, hätte mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1531"/>vollkommen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1531"/> befriedigt. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1532"/>Ich verstehe, daß Sie als Redakteur mit vielerlei Schwierigkeiten zu Kämpfen haben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1532"/>, und es liegt mir ferne, dieselben meinerseits steigern zu wollen. Sollte in meinen Brief ein Wort eingeflossen sein, das allzu kategorisch geklungen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1533"/>hätte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1533"/>, so würde ich das sehr bedauern. Doch glaube ich nichts gesagt zu haben, was den unfreundlichen Ton Ihres Briefes veranlaßt hätte.</p><p>Sollten Sie mit Rücksicht darauf, daß mein Aufsatz in der 1. Hälfte „nur Bekanntes“ bietet, Anstand nehmen, ihn in den „Kantstudien<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1534"/>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1534"/> zu bringen, so dürfte ich Sie wohl bitten, mir denselben ohne Schonung zurückzusenden.</p><p>Hochachtungsvoll</p><signed>Dr Maier</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1520"><lem>Ihren letzten Brief</lem><note>nicht ermittelt, aus dem Zusammenhang vermutlich Vaihingers Antwort auf Maier an Vaihinger vom 8.7.1897.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1521"><lem>meinem letzten Brief</lem><note>meint vermutlich Maier an Vaihinger vom 8.7.1897</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1522"><lem>Am 13. Januar … Schluß des Semesters.</lem><note> Schreiben Vaihingers nicht ermittelt, <abbr>vgl.</abbr> Maier an Vaihinger vom 17.1.1897 sowie zur Vorgeschichte Maier an Vaihinger vom 31.10.1896; der gemeinte Text wurde veröffentlicht als Maier, Heinrich: Die Bedeutung der Erkenntnistheorie Kants für die Philosophie der Gegenwart. In: Kant-Studien 2 ([1897]/1898), <abbr>S.</abbr> 389–418, <abbr>u.</abbr> <abbr>ders.</abbr>: Die Bedeutung der Erkenntnistheorie Kant’s für die Gegenwart. (Schluss.) In: Kant-Studien 3 ([1898]/1899), <abbr>S.</abbr> 10–40.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1523"><lem>entschloß ich mich … 2½ Bogen an</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Maier an Vaihinger vom 17.1.1897</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1524"><lem>Sie schrieben</lem><note>Schreiben Vaihingers nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1525"><lem>Stift</lem><note>meint wahrscheinlich das Evangelische Stift Tübingen, dem Maier seit 1895 als Student angehörte (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1526"><lem>Am 3. April … in Ihre Hand</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Maier an Vaihinger vom 3.4.1897</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1527"><lem>Sie schrieben mir am 5. dess. Mon.</lem><note> Schreiben Vaihingers nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1528"><lem>…</lem><note>Auslassung in der Vorlage durch vier Punkte markiert</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1529"><lem>erhalten</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>,</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1530"><lem>Erklärung</lem><rdg>Erklarung</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1531"><lem>vollkommen</lem><note>verbessert aus Ansatz: </note><rdg>vö</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1532"><lem>Ich verstehe, … Kämpfen haben</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Maier an Vaihinger vom 13.11.1897</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1533"><lem>hätte</lem><note>kann auch </note><rdg>hatte</rdg><note> heißen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1534"><lem>“</lem><note>schließendes Anführungszeichen als Semikolon ausgeführt: </note><rdg>’</rdg></app></listApp></back></text></TEI>