<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000581-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Marcus Jacob Monrad</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>30.12.1896</date>, <note>4 S., hs., Briefentwurf, </note><note>Briefkopf</note><note> </note><quote type="rdg">Prof. Dr. Vaihinger – Redaction der „Kantstudien“ – Halle a. S</quote>., <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 h, Nr. 7</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0581" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000581-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1896-12-30">30.12.1896</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117127485">Marcus Jacob Monrad</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547739">Georg Wilhelm Friedrich Hegel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1158966067">Publilius Syrus</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 h, Nr. 7</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Marcus Jacob Monrad</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>30.12.1896</date>, <note>4 S., hs., Briefentwurf, </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1144"/><note>Briefkopf</note><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1144"/><note> </note><quote type="rdg">Prof. Dr. Vaihinger – Redaction der „Kantstudien“ – Halle a. S</quote>., <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 h, Nr. 7</bibl></head></front><body><dateline>30.XII.96.</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr College!</salute><p>Es war mir im Drang der amtlichen und redactionellen Geschäfte positiv unmöglich, Ihr freundl<add>[iches]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1145"/>Schreiben vom 30.X.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1145"/> früher als heute zu beantworten, sowie Ihnen für Ihre liebenswürdige <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1146"/>Mittheilung vom 21. Nov<add>[ember]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1146"/>, betr<add>[effend]</add> die Stelle aus <name>Publilius Syrus</name> früher zu danken. Letztere Notiz werde ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1147"/>im nächsten Hefte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1147"/> bringen, das soeben im Drucke ist. Was Ihren Aufsatz betrifft, so ist allerdings richtig, daß ich in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1148"/>meinem ersten Briefe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1148"/> von der Überfülle der Arbeiten nicht <pb/> gesprochen hatte: ich schrieb den Brief von der Reise aus, wo ich mit der Sorglosigkeit des Reisenden nicht an die große Anzahl der schon in Aussicht stehenden Beiträge dachte. Ich bemerkte erst nachher, nachdem ich einen Überschlag machte zu Hause, mit Schrecken, wie viel ich in nächster Zeit unterbringen müßte. Auch mit dem jetzt im Druck befindlichen Heft habe ich wegen Überfüllung „meine liebe Noth“. Auch das Redigiren ist eine Kunst, wie das Regieren, und will erst sehr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1149"/>allmälig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1149"/> gelernt sein. Ich aber bin darin noch in dem ersten Stadium des Lernens.</p><p>Was nun Ihren Aufsatz selbst betrifft, so ist die <hi rend="underline">Form</hi> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1150"/>desselben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1150"/> <pb/> insofern originär, als mir wenigstens nicht erinnerlich ist, wenigstens in den letzten Jahren einen ähnlichen Versuch gelesen zu haben, in welchem aus dem <name>Kant</name>ischen Noumenon ein Denken an sich gemacht worden wäre. Aber dem <hi rend="underline">Inhalt</hi> nach ist das, was Sie sagen, Gemeingut des deutschen Idealismus, den Sie ja in so energischer und origineller Weise in Norwegen vertreten; speciell haben alle <name>Hegel</name>ianer der Sache nach denselben Standpunkt vertreten, und aus dem <name>Kant</name>ischen Ding an sich das reine Denken gemacht. Daß dieser Standpunkt jetzt nicht modern ist, sagen Sie selbst am Schluß Ihres Aufsatzes, was freilich kein Gegengrund gegen den Inhalt desselben ist: auch <name>Kant</name> war lange Zeit nicht mehr modern und ist doch wieder oben auf gekommen. Die Welt dreht sich, warum sollte nicht auch <name>Hegel</name>sche Philosophie wieder einmal modern werden? <pb/></p><p>Ich kann aber nur wiederholen, daß es mir nicht möglich würde, angesichts meiner vielen sonstigen Verpflichtungen, die ich früher eingegangen habe, Ihren Aufsatz <hi rend="underline">in Bälde</hi> zum Abdruck zu bringen. Auch würde ich, wie schon bemerkt, den Schluß des Aufsatzes weglassen müssen, von der schon in meinem letzten Briefe bezeichneten Stelle an. Ich kann nicht von Ihnen verlangen bei <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1151"/>Ihrem hohen Alter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1151"/>, was ich sonst verlangen müßte, beliebige Zeit zu warten, bis die Reihe an Ihren Aufsatz kommt. Deßhalb muß ich mich darauf beschränken, das Frühere zu wiederholen, <abbr>resp.</abbr> auf das früher Gesagte zu verweisen, und zeichne mit aufrichtiger Hochachtung Ihr ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1145"><lem>Schreiben vom 30.X.</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Monrad an Vaihinger vom 30.10.1896</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1146"><lem>Mittheilung vom 21. Nov.</lem><note> nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1147"><lem>im nächsten Hefte</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Varia. In: Kant-Studien 1 (1896/1897), <abbr>S.</abbr> 485–492, hier <abbr>S.</abbr> 491: </note><rdg>Quelle eines Kantischen Stammbuchblattes. – Im 1. Heft, S. 148 wurde ein Stammbuchblatt mit folgendem Kantischen Eintrag mitgeteilt: Ad poenitendum properat, cito qui judicat. Herrn Professor Dr. M. J. Monrad in Christiania verdanken wir den Nachweis der Quelle des Verses. Derselbe stammt von dem Dichter Publilius Syrus, welcher zur Zeit Cäsars in Rom Mimen zur Aufführung brachte, aus denen uns einzelne Sentenzen erhalten sind. Vgl. Publilii Syri sententiae, rec. E. Wölfflin. Lips. 1859, V. 32.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1148"><lem>meinem ersten Briefe</lem><note>nicht ermittelt, <abbr>vgl.</abbr> Monrad an Vaihinger vom 16.9.1896.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1149"><lem>allmälig</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1150"><lem>desselben</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1151"><lem>Ihrem hohen Alter</lem><note>Monrad war zum Zeitpunkt der Abfassung des Schreibens 80 <abbr>bzw.</abbr> nahezu 81 Jahre alt (<abbr>geb.</abbr> 19.1.1816).</note></app></listApp></back></text></TEI>