<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000564-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Marcus Jacob Monrad</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Lindholmen bei Stockholm</placeName>, <date>30.7.1896</date>, <note>3 S., hs.,</note> <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 9 h, Nr. 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0564" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000564-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117127485">Marcus Jacob Monrad</persName><placeName>Lindholmen bei Stockholm</placeName><date when="1896-07-30">30.7.1896</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118687018">Immanuel Hermann Fichte</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118602721">Johann Karl Friedrich Rosenkranz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119331586">Hermann Ulrici</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 9 h, Nr. 1</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Marcus Jacob Monrad</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Lindholmen bei Stockholm</placeName>, <date>30.7.1896</date>, <note>3 S., hs.,</note> <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 9 h, Nr. 1</bibl></head></front><body><dateline>Lindholmen bei Stockholm</dateline><dateline><abbr>d.</abbr> 30 Juli 1896.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr College!</salute><p>Das Unternehmen einer neuen Zeitschrift für „Kantstudien“ hat mich ungemein interessirt. Ich sehe in der Rückkehr zu <name>Kant</name> ein erfreuliches Zeichen der Zeit und ein Gegengewicht gegen die allzu sehr herrschenden Nach-realistischen und sÿnkretischen Zeitrichtungen. Ich erinnere mich sogar mit einer Art persönlicher Selbstbefriedigung, daß ich vor einem Menschenalter eine solche Rückkehr vorhergesagt habe (in einer deutsch geschriebenen Abhandlung, die ich Herrn <abbr>Prof.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1059"/><name>Rosenkranz</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1059"/><name/> in Königsberg als Beitrag zum daselbst zu errichtenden <name>Kant</name>denkmal sandte, und die er in der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1060"/>philosophischen Zeitschrift von Fichte <abbr>u.</abbr> <name>Ulrici</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1060"/><name/> Heft <hi rend="underline">XXXIII</hi> und XXXIV drucken ließ).</p><p>Beiträge zu Ihrer Zeitschrift wage ich überhaupt nicht zu versprechen. Ich habe zwar in meiner Jugend <name>Kant</name> ziemlich gründlich studirt, bin aber jetzt zu alt (im 81<hi rend="superscript"><hi rend="underline">ten </hi></hi>Jahr) um dieses Studium wirksam zu erneuern. Dennoch bin ich auf den Gedanken gekommen, einen Aufsatz über <hi rend="underline">das Ding an sich als Noumenon</hi> zu schreiben. Es ist keine „<name>Kant</name>studie“ in dem Sinne, daß es neue historisch-kritische <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1061"/>Aufschlüsse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1061"/> über die <pb/> <name>Kant</name>ische Lehre zu geben beanspruche, dazu kenne ich auch zu wenig die überreiche <name>Kant</name>literatur. Es ist nur eine metaphysisch-logische Betrachtung, die sich insofern an <name>Kant</name> anschließt, als sie aus dem Zeichen einer leeren Stelle im System einen <hi rend="underline">Begriff</hi> zu machen sucht.</p><p>Dieser Aufsatz ist bereits im Wesentlichen fertig geschrieben, und um möglicher Weise ein vergebliches Hin- und Zurücksenden zu ersparen, erlaube ich mir hierdurch vorläufig zu fragen, ob Sie in der nächsten Zukunft einem solchen Aufsatz Platz werden einräumen können? Er wird <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1062"/>wahrscheinlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1062"/> ungefähr einen Bogen oder ein wenig mehr einnehmen.</p><p>Ich sehe wohl ein, es könne Ihnen schwierig sein, von einer nicht gesehenen Arbeit etwas im Voraus zu sagen. Vielleicht ist sogar mein Name Ihnen unbekannt, indem meine wissenschaftlichen Leistungen meistens einer Ihnen wahrscheinlich sprachlich unzugänglichen Literatur angehören. Sie würden sich jedoch von meinem Standpunkt und meiner Darstellungsweise einigen Begriff machen können, falls Sie sich die Mühe geben wollten, einen Blick auf eine oder die andere von folgenden deutsch erschie<pb/>nenen Schriften zu werfen: 1) die erwähnte Abhandlung in <name>Fichte’s</name> und <name>Ulrici</name>’s Zeitschrift; 2) <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1063"/>Denkrichtungen der neueren Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1063"/>, Bonn (um 1875); 3) Zwei im letzten Jahr in der Zeitschrift für systematische Philosophie aufgenommen Aufsätze: „Ueber den psychologischen Ursprung der Kunst und Poesie“, und „Idee und Persönlichkeit.“</p><p>Jedenfalls versteht es sich von selbst, daß wenn Sie auch durch eine vorläufig günstige Zusage die Zusendung der Abhandlung veranlassen sollten, es Ihnen gleichwohl frei stehen wird, dieselbe nach Durchsicht abzulehnen; in welchem Fall ich Sie vielleicht bitten dürfte, sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1064"/>an <abbr>Prof.</abbr> <name>Natorp</name> in Marburg zu übersenden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1064"/>, der früher in seiner Zeitschrift zwei Arbeiten von mir aufnahm. Bei der jetzigen habe ich ursprünglich an die Kantstudien gedacht.</p><p>Ich halte mich zeitweilig in den Universitätsferien auf dem Lande unweit Stockholm auf, meine Adresse ist aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1065"/>wie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1065"/> immer Christiania, Norwegen.</p><p>Mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1066"/>ausgezeichneter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1066"/> Hochachtung</p><signed>M. J. Monrad</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1059"><lem><name>Rosenkranz</name></lem><rdg>Rosenkrantz</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1060"><lem>philosophischen Zeitschrift von Fichte <abbr>u.</abbr> <name>Ulrici</name></lem><note><abbr>d. i.</abbr> die Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik (1847–1918).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1061"><lem>Aufschlüsse</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1062"><lem>wahrscheinlich</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1063"><lem>Denkrichtungen der neueren Zeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Monrad: Denkrichtungen der neueren Zeit. Eine kritische Rundschau. Deutsche vom Verfasser selbst besorgte Bearbeitung. Bonn: Weber 1879 (zuerst Christiania 1874).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1064"><lem>an <abbr>Prof.</abbr> <name>Natorp</name> in Marburg zu übersenden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den schließlich in der von <name>Natorp</name> <abbr>hg.</abbr> Zeitschrift erschienenen Aufsatz von Monrad: Das Ding an sich als Noumenon. In: Archiv für systematische Philosophie 3 (1897), <abbr>S.</abbr> 129–149.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1065"><lem>wie</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1066"><lem>ausgezeichneter</lem><rdg>ausgezeichtenter</rdg></app></listApp></back></text></TEI>