<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000488-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>17.5.1895</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0488" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000488-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1895-05-17">17.5.1895</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118650130">Aristoteles</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/102761493">Carl Heinrich Schwab</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/130236136">Christian Wolff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118762745">Gustav Schwab</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117326348">Johann Christoph Schwab</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb Fichte</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118571249">Gottfried Wilhelm Leibniz</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>17.5.1895</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen, 17. Mai 1895</dateline><salute>Verehrter College</salute><p>Erlauben Sie, daß ich mich mit einer Frage an Ihre Belesenheit wende. Ich habe kürzlich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-431"/>einen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-431"/> von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-432"/><name>Johann Christoph Schwab</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-432"/> (meinem Großonkel) erworben, in dem er sich beim Adressaten für zwei Abhandlungen über den <hi rend="underline">philosophischen</hi> <hi rend="underline">Aberglauben</hi> bedankt. Er trägt das Datum 25. Dec<add>[ember]</add> 1804.</p><p>Weiter wird Bezug genommen auf Abhandlungen desselben Verfassers – es ist nicht zu ersehen, ob dieselben oder andere, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-433"/>wahrscheinlicher das letztere<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-433"/> – worin er ausführt, daß <name>Aristoteles</name> durch seine Kategorien nicht die höchsten und einfachsten Verstandesbegriffe, sondern nur die verschiedenen Classen von Prädicaten habe aufführen wollen, die der Substanz beigelegt werden können. <name>[J. C.] Schwab</name> knüpft daran die Bemerkung: „Die Meinung, daß <name>Aristoteles</name> die einfachsten Verstandesbegriffe habe angeben wollen, <pb/> rührt eigentlich von <name>Kant</name> her, und auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-434"/>ich habe sie, in meiner Preisschrift über den Fortschritt der Philosophie seit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-435"/><name>Leibniz</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-435"/> und <name>[C.] Wolff</name> auf auf seine Autorität angenommen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-434"/>, da ich doch hätte wissen sollen, wie <name>Kant</name> alles, was historisch ist, willkürlich und nach seiner jedesmaligen Absicht dreht.“ Ein <name>Kant</name>ianer war also der Adressat wohl nicht.</p><p>Dann folgt ein räthselhafter Passus:</p><p>‚Das letzte Paket, das ich Ihnen zugeschickt, werden Sie erhalten haben. Die Sache interessiert, wie Sie leicht denken können, mich und meinen Sohn (es muß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-436"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-437"/><name>Carl</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-436"/><name> Heinrich Schwab</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-437"/> gemeint sein, <abbr>geb.</abbr> 1781, Jurist, später Geheimerrath) in einem hohen Grad. Ich denke, wenn <name>[J. G.] Fichte</name> Mitglied der Academie mit 1200 <abbr>rℓ.</abbr> wird; so könnte man einem jungen talentvollen Mann wohl eine außerordentliche Professur ohne Gehalt auf einer Universität geben. Indessen weiß ich wohl, daß in dieser Welt sehr viel auf die Umstände ankommt; und ein günstiger Umstand ist es immer für mich, daß Sie und Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-438"/><hi rend="underline">Merian</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-438"/> meine Freunde <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-439"/>sind.‘<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-439"/> <pb/></p><p>Können Sie, ohne sich weiter Mühe zu geben – denn die lohnt es ja nicht – aus dem Schatze Ihrer Erinnerungen sagen, wer Abhandlungen über philosophischen Aberglauben geschrieben hat, und wo damals ein Merian Einfluß auf eine Universität haben konnte?</p><p>Wenn Sie es <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-440"/>wissen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-440"/>, so bitte ich um Mittheilung; wenn Sie es nicht wissen, so bitte ich, nicht weiter zu suchen, denn das könnte ich nicht verantworten.</p><p>Mit den Freundlichsten Grüßen <abbr>u.</abbr> besten Empfehlungen Ihrer verehrten Frau Ihr</p><signed>C Sigwart.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-431"><lem>einen Brief</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-432"><lem><name>Johann Christoph Schwab</name></lem><note><name>Johann Christoph Schwab</name> (1743–1821), Philosoph und Schriftsteller, 1778 <abbr>Prof.</abbr> für Logik und Metaphysik an der Karlsschule in Stuttgart, 1785 Geheimer Sekretär und Hofrat, 1816 Inspektor sämtlicher Lehranstalten (<abbr>DBE</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-433"><lem>wahrscheinlicher das letztere</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-435"><lem><name>Leibniz</name></lem><rdg>Leibnitz</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-434"><lem>ich habe sie … angenommen</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Schwab, Johann Christoph: Ausführliche Erörterung der von der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin für das Jahr 1791 vorgelegten Frage: „Welches sind die wirklichen Fortschritte, die die Metaphysik [!] seit Leibnitzens und Wolffens Zeiten in Deutschland gemacht hat?“ In: Königl. Preuss. Akademie der Wissenschaften (<abbr>Hg.</abbr>): Preisschriften über die Frage: Welche Fortschritte hat die Metaphysik [!] seit Leibnitzens und Wolffs Zeiten in Deutschland gemacht? Von Johann Christoph Schwab […] Karl Leonhard Reinhold […] und Johann Heinrich Abicht […]. Berlin: Friedrich Maurer 1796, <abbr>S.</abbr> 1–156 (mit einem Nachtrag, <abbr>S.</abbr> 157–170), hier <abbr>S.</abbr> 47. Digitalisat: <ref type="link">https://www.google.de/books/edition/Preisschriften_%C3%BCber_die_Frage_Welche_Fo/M1rvLcAvgCgC?hl=de&amp;gbpv=1</ref> (5.3.2024).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-436"><lem><name>Carl</name></lem><rdg>Karl</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-437"><lem><name>Carl</name><name> Heinrich Schwab</name></lem><note><name>Carl Heinrich Schwab</name> (1781–1874), Jurist und Politiker, 1831–1839 Chef des württembergischen Justizministeriums; hatte einen Bruder namens <name>Gustav Schwab</name> (1792–1850), Schriftsteller (<ref type="link">https://d-nb.info/gnd/102761493</ref> (28.2.2024); <abbr>DBE</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-438"><lem><hi rend="underline">Merian</hi></lem><note>Gemeinter nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-439"><lem>sind.‘</lem><note>Anführungszeichen oben fehlen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-440"><lem>wissen</lem><note>doppeltes </note><rdg>s</rdg><note> hier und im Folgenden mit </note><rdg>ß</rdg><note> geschrieben</note></app></listApp></back></text></TEI>