<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000477-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>17.7.1894</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0477" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000477-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1894-07-17">17.7.1894</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118733419">Lothar Meyer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11733376X">Ludwig von Schwabe</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>17.7.1894</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen, 17. Juli 1894.</dateline><salute>Verehrter Herr College</salute><p>Als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-375"/>Ihre freundlichen Zusendungen über Festprogramm <abbr>u. s. w.</abbr><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-375"/> eintrafen, überlegten wir eben, ob die Schwierigkeiten, die sich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-376"/>meiner Reise nach Halle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-376"/> entgegenstellen, zu überwinden seien. Meine hier lebende Schwester ist vor 14 Tagen von einem leichten Schlaganfall betroffen worden, von dem sie sich zwar langsam wieder erholt, der sich aber nach der Aussage des Arztes jeden Tag in schwererer Form wiederholen kann; und da meine Frau auch nicht wohl genug ist, um auf alle <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-377"/>Fälle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-377"/> auf dem Platze zu sein, so ergeben sich allerhand Bedenken, ob ich wohl weg könne. Die Mittheilungen aber waren so verlockend, daß ich trotzdem es riskieren wollte, auf die Gefahr, eben wieder rasch heimreisen zu müssen. Nun bin ich aber seit gestern von einer Kehlkopfaffection heimgesucht, die mich sonst nur gegen das Ende des Winter<pb/>semesters ab und zu befallen hat, und da ich diesen widerwärtigen Zustand nur allzu gut kenne, weiß ich, daß er für mehrere Wochen möglichste Vorsicht, strenge Diät im <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-378"/>Essen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-378"/> <abbr>u.</abbr> Trinken, <abbr>u.</abbr> möglichste Enthaltung von vielem Sprechen bedeutet, falls ich mir nicht eine dauernde Reizung der Stimmbänder zuziehen will. So verdrießlich es für mich ist, bleibt mir nichts übrig, als auf die Theilnahme am Hallenser Jubiläum zu verzichten; <abbr>u.</abbr> es ist mir besonders um Ihretwillen herzlich leid, daß Ihre Liebenswürdigkeit sich einem so unsicheren Kameraden zugewendet hat, und Sie nun am Ende durch eine Zusage, die ich besser unterlassen hätte, um einen anderen Ihnen erwünschten Gast kommen; aber ich hatte mich wirklich so auf die Aussicht gefreut, aus meinem ziemlich einförmigen Leben einmal wieder in regeren Verkehr mit alten <abbr>u.</abbr> lieben Bekannten zu kommen, daß ich die Wahrscheinlichkeit einer Störung zu gering taxierte, <pb/> und im Vertrauen, daß Sie mir auch eine nachträgliche Absage nicht übel nehmen, eben Ihre so sehr willkommene Einladung ergriff. Ich bitte Sie besonders, bei Ihrer verehrten Frau mein Fürsprecher zu sein, damit sie mich nicht für schlimmer hält als ich bin, <abbr>u.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-379"/>Ihr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-379"/> nochmals meinen <abbr>u.</abbr> meiner Tochter herzlichen Dank zu sagen.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-380"/>Ihre Zeitungen <abbr>u.</abbr> Karten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-380"/>, die ich gestern noch mit großem Interesse studiert habe, erhalten Sie nächster Tage mit bestem Danke zurück – ich habe sie noch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-381"/>unserem deputierten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-382"/>Schwabe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-382"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-381"/> gezeigt, der sich gerne orientiert hätte. Die Ausdehnung der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-383"/>Stadt, die ich noch aus eigener Anschauung kenne<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-383"/>, beträgt nicht ⅓ ihres jetzigen Umfangs.</p><p>Dem Collegen <name>[Benno] Erdmann</name> bitte ich noch besonders zu sagen, daß ich sehr bedaure, um die Gelegenheit seine persönliche Bekanntschaft zu machen, gebracht zu sein.</p><p>Mit den besten Empfehlungen auch der Meinigen <abbr>u.</abbr> herzlichen Wünschen für einen glänzenden Verlauf Ihres Festes Ihr ergebener</p><signed>C Sigwart.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-375"><lem>Ihre freundlichen Zusendungen über Festprogramm <abbr>u. s. w.</abbr></lem><note>nicht ermittelt; bezieht sich aus dem Folgenden wahrscheinlich auf die 200-Jahr-Feier der Universität Halle-Wittenberg (2.8.–4.8.1894), <abbr>vgl.</abbr> Das zweihundertjährige Jubiläum der Universität Halle-Wittenberg. Festbericht erstattet im Auftrag des Academischen Senates von dem Prorector Prof. D. W. Beyschlag. Halle (Saale): Gebauer-Schwetschke’sche Buchdruckerei 1895.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-376"><lem>meiner Reise nach Halle</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Sigwart an Vaihinger vom 23.6.1894</note></app><app type="philological" corresp="#ED-377"><lem>Fälle</lem><note>verbessert aus unleserlichem Wort</note></app><app type="philological" corresp="#ED-378"><lem>Essen</lem><note>doppeltes </note><rdg>s</rdg><note> mit </note><rdg>ß</rdg><note> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-379"><lem>Ihr</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-380"><lem>Ihre Zeitungen <abbr>u.</abbr> Karten</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-382"><lem>Schwabe</lem><note>kann auch </note><rdg>Schwaben</rdg><note> heißen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-381"><lem>unserem deputierten Schwabe</lem><note>meint wahrscheinlich <name>Ludwig von Schwabe</name> (1835–1908), klassischer Philologe, 1863 <abbr>o. Prof.</abbr>, 1865 Direktor der Universitätsbibliothek in Dorpat, 1872 <abbr>o. Prof.</abbr> in Tübingen, <abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">https://amburger.ios-regensburg.de/?id=90562</ref> (5.3.2024); besuchte gemeinsam mit dem Rektor der Universität Tübingen, <name>Lothar Meyer</name>, die 200-Jahr-Feier der Universität Halle-Wittenberg, <abbr>vgl.</abbr> Das zweihundertjährige Jubiläum der Universität Halle-Wittenberg. Festbericht erstattet im Auftrag des Academischen Senates von dem Prorector Prof. D. W. Beyschlag. Halle (Saale): Gebauer-Schwetschke’sche Buchdruckerei 1895, <abbr>S.</abbr> 30.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-383"><lem>Stadt … kenne</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Sigwart an Vaihinger vom 23.6.1894</note></app></listApp></back></text></TEI>