<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000475-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>23.6.1894</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0475" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000475-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1894-06-23">23.6.1894</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116221259">Eduard Böhmer</name><name>Oskar Grulich</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118701886">Otto Peter Conrad Hartwig</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>23.6.1894</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen, 23. Juni 1894</dateline><salute>Verehrter Herr College</salute><p>Eben wollte ich Ihnen für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-362"/>Ihre freundliche Einladung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-362"/> danken, und dabei so unbescheiden sein, anzufragen, ob Sie Ihre Gastfreundschaft auch soweit erstrecken würden, daß Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-363"/>meine Tochter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-363"/> in irgend einer Ecke noch unterbrächten, da erhalte ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-364"/>Ihren zweiten Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-364"/>, der in liebenswürdigster Weise diese Frage zum Voraus beantwortet. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-365"/>Meine Frau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-365"/>, die leider nicht mitkommen kann, da ein chronisches Leiden ihr das Reisen verbietet, würde mich allerdings nur mit schwerem Herzen allein ziehen lassen, da sie bisher immer mit dabei war und glaubt, daß es mir ohne alle weibliche Aufsicht nicht gelingen könne, und so dankt sie Ihnen und Ihrer lieben Frau ganz besonders dafür, daß Sie ihre Sorgen errathen und dafür Vorkehrung getroffen haben.</p><p>Nun kann ich Ihnen freilich eine feste Zusage, daß ich <pb/> von Ihrer Freundlichkeit Gebrauch machen werde, nicht geben. So lebhaft ich wünsche, gerade <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-366"/>Halle nach 40 Jahren wieder zu sehen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-366"/>, und alle die Erinnerungen aufzufrischen, die ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-367"/>2 ½-jähriger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-367"/> Aufenthalt in nächster Nähe, und der Verkehr mit einer freilich jetzt verschwundenen Generation hinterlaßen hat – nur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-368"/><abbr>Dr.</abbr> Böhner<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-368"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-369"/>und<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-369"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-370"/>Ihr Oberbibliothekar<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-370"/> sind soviel ich weiß noch am Leben – und so gerne ich gerade mit Ihnen ein paar Tage zusammenwäre, so genügt doch ein kleines Schwanken in meinen Kräften, um mir von einer Theilnahme abzurathen, <abbr>u.</abbr> dafür kann ich nicht stehen – auch nicht, wie es gerade meiner Frau geht. Bleibt es, wie es jetzt ist, so kann ich’s riskieren, und es wäre mir sehr leid, wenn ich verzichten müßte; aber ehrlicherweise muß ich zum Voraus bitten, mir nicht böse zu sein, wenn ich etwa später – natürlich nicht erst im letzten Augenblick – Ihnen schreiben müßte, daß ich mir eine Theilnahme nicht zumuthen darf.</p><p>Wenn Sie eine bedingte Zusage annehmen, und dadurch nicht eines sicheren Gastes verlustig gehen, so bin ich allerdings <pb/> für Ihre Einladung sehr dankbar; meine Begleiterin wäre die älteste meiner noch ledigen Töchter – ich weiß nicht, ob Sie bei Ihrem letzten Besuch hier sie gesehen haben. Aber da Sie mir schon zwei Zimmer bestimmt haben so bitte ich – wenn es erlaubt ist, in die Dispositionen der Hausfrau drein zu reden – doch wo möglich es dabei bewenden zu lassen, und unsere Occupation nicht noch weiter auszudehnen; wir haben darin sicher Platz genug, es wäre sicher für Ihre liebe Frau eine Vereinfachung ihrer gastlichen Fürsorge.</p><p>Zu den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-371"/>Aussichten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-371"/> von denen Sie schreiben, meinen herzlichsten Glückwunsch; es wäre mir eine besondere Freude, wenn ich den längst verdienten Erfolg nun auch mit feiern könnte.</p><p>Mit der Bitte, Ihre verehrte Frau unseres herzlichsten Dankes zu versichern, und in der Hoffnung eines frohen <abbr>u.</abbr> genußreichen Zusammenseins Ihr ergebener</p><signed>C Sigwart.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-362"><lem>Ihre freundliche Einladung</lem><note>etwaiges Schreiben Vaihingers nicht ermittelt; bezieht sich aus dem Folgenden vermutlich auf eine Einladung anlässlich der 200-Jahr-Feier der Universität Halle-Wittenberg (2.8.–4.8.1894), <abbr>vgl.</abbr> Das zweihundertjährige Jubiläum der Universität Halle-Wittenberg. Festbericht erstattet im Auftrag des Academischen Senates von dem Prorector Prof. D. W. Beyschlag. Halle (Saale): Gebauer-Schwetschke’sche Buchdruckerei 1895. Sigwart besuchte die Feier anscheinend nicht, <abbr>vgl.</abbr> Sigwart an Vaihinger vom 17.7.1894.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-363"><lem>meine Tochter</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-364"><lem>Ihren zweiten Brief</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-365"><lem>Meine Frau</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-366"><lem>Halle nach 40 Jahren wieder zu sehen</lem><note>Sigwart war ab 1852 Lehrer in Halle und wurde 1855 Repetent am Protestantischen Seminar Tübingen (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-367"><lem>2 ½-jähriger</lem><rdg>2½ jähriger</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-368"><lem><abbr>Dr.</abbr> Böhner</lem><note>nicht ermittelt, sofern es sich nicht um einen Schreibfehler handelt und gemeint ist: <name>Eduard Böhmer</name> (1827–1906), 1854 Promotion in Halle, 1866 <abbr>ao. Prof.</abbr>, im selben Jahr <abbr>o. Prof.</abbr>, 1872 in Straßburg, 1879 Emeritierung (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/boehmercarleduard.html</ref> (22.5.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-369"><lem>und</lem><note>davor gestrichen: </note><rdg>ist</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-370"><lem>Ihr Oberbibliothekar</lem><note>meint vermutlich <name>Otto Peter Conrad Hartwig</name> (1830–1903), Theologe, Historiker und Bibliothekar, nach Studium in Marburg, Halle und Göttingen zunächst Hauslehrer, 1857 Repetent an der theologischen Stipendiatenanstalt zu Marburg, 1860 Prediger und Lehrer an der evangelischen Gemeinde zu Messina, 1866 Gymnasiallehrer in Rintelen [!], 1867 Bibliothekssekretär, später Unterbibliothekar in Marburg, 1876 Bibliothekar, später Oberbibliothekar in Halle (<abbr>WBIS</abbr>; <abbr>NDB</abbr> abweichend: 1876–1898 Leiter der Universitätsbibliothek Halle). 1894 wurde zudem zum Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek Halle ernannt: <name>Oskar Grulich</name> (1844–1913), 1868 Gymnasiallehrer in Halle, 1875 Amanuensis an der Universitätsbibliothek Halle, 1877 Kustos, im Nebenamt 1879–1904 Bibliothekar der Kaiserlichen Leopoldinischen-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher (<abbr>WBIS</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-371"><lem>Aussichten</lem><note>Schreiben Vaihingers und gemeinte Aussichten nicht ermittelt; bezieht sich womöglich auf die Ernennung Vaihingers zum <abbr>o. Prof.</abbr> in Halle/Saale (persönliches Ordinariat unter Beibehaltung der Bezüge als <abbr>ao. Prof.</abbr>), <abbr>vgl.</abbr> den Abschnitt Chronik biographischer Daten.</note></app></listApp></back></text></TEI>