<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000469-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>15.3.1894</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0469" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000469-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1894-03-15">15.3.1894</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name>Hermann Ebbbinghaus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116200472">Friedrich Blass</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116278838">Georg Friedrich Franz Praetorius</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547380">Rudolf Haym</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117488941">Jacob Volhard</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682261">Johann Eduard Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117029858">Theodor Lindner</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>15.3.1894</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></head></front><body><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S. den 15. März 1894.</dateline><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-308"/>Hochzuverehrender<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-308"/> Herr Geheimer Ober-<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-309"/>Regierungsrath!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-309"/></salute><anchor type="delimiter"/><p>Am 1. April d<add>[es]</add> J<add>[ahres]</add> werden es gerade <hi rend="underline">10 Jahre</hi>, daß mir das Extraordinariat in Halle übertragen worden ist, wofür ich <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren stets zu Dank verpflichtet bin. <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren erinnern sich vielleicht noch, <hi rend="underline">daß ich kurz vorher </hi><hi rend="underline double">primo loco</hi><hi rend="underline"> in Kiel zum Ordinarius vorgeschlagen war</hi>, als Nachfolger von <name>B. Erdmann</name>, <hi rend="underline">daß aber das Kieler Ordinariat dem </hi><hi rend="underline double">secundo loco</hi><hi rend="underline"> vorgeschlagenen Professor <name>Glogau</name> verliehen wurde</hi>, worauf hier <hi rend="underline">mir</hi> das <hi rend="underline">hiesige Extraordinariat</hi> übertragen wurde. Es ist gewiß nicht unbescheiden, wenn ich <hi rend="underline">jetzt nach zehn Jahren</hi> den Wunsch habe, das Ordinariat, das mir damals so unmittelbar nahe lag und doch entgieng, endlich zu erreichen.</p><p>Leider bin ich in Breslau nicht unter die zu Präsentirenden aufgenommen worden, obgleich von hier aus die Herren <hi rend="underline"><name>Conrad</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Blass</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Lindner</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Volhard</name></hi>, <pb/> <hi rend="underline"><name>Prätorius</name></hi> <abbr>u. A.</abbr> – allerdings theilweise <hi rend="underline">zu spät</hi> – mich in Breslau gut empfohlen hatten. Meine hiesigen Freunde haben offen den Verdacht ausgesprochen, daß <hi rend="underline">von hier aus von Denjenigen dagegen gearbeitet</hi> worden ist, welche ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-310"/>Hauptinteresse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-310"/> daran haben, daß ich hier bleibe. Ein <hi rend="underline">Professor der Philosophie</hi> hat schon mehrfach geäußert, daß, solange ich hierbleibe, das <name>alt-Erdmann’sche</name> Ordinariat nicht wiederbesetzt werden würde; woraus sich ergibt:<hi rend="underline"> um die Wiederbesetzung des <name>alt-Erdmann’schen</name> Ordinariates dauernd zu verhindern</hi>, werde ich eben hier ewig als Extraordinarius festgehalten – <hi rend="underline">ein schlimmer Cirkel für mich.</hi></p><p>Vielleicht finden Sie, hochverehrter Herr Geheimer Ober Regierungsrath, jetzt bei Gelegenheit der Breslauer Besetzung einen Weg, um mir auf irgend eine Weise weiterzuhelfen. So viel ich vermuthe, ist <name>Ebbinghaus</name> in Breslau vorgeschlagen; vielleicht würde <hi rend="underline">er</hi> es vorziehen, lieber das vakante <name>Erdmann’sche</name> Ordinariat hier zu übernehmen. Wenn die hohe Regierung aber ebenfalls der Ansicht ist, daß für Halle nur 2 Ordinarien der Philosophie genug seien, so ließe sich dieser Plan <pb/> doch viel eher realisiren beim dereinstigen Ableben <hi rend="underline"><name>Haym</name>s</hi>, der ja vorzugsweise sich mit Litteraturgeschichte beschäftigt, indem dessen Professur sich dann in eine rein literargeschichtliche verwandeln ließe. In diesem Sinne hat sich auch <hi rend="underline"><abbr>Prof.</abbr> <name>B. Erdmann</name></hi> selbst geäußert. Damit vertrüge sich aber die Wiederbesetzung des vakanten étatmäßigen Ordinariates doch schon jetzt, und in diesem Sinne, daß dann später die <name>Haym</name>’sche Stelle verwandelt würde, ist, wie ich bestimmt weiß, <hi rend="underline">auch <abbr>Prof.</abbr> <name>B. Erdmann</name> mit der Wiederbesetzung des <name>alt-Erdmann’schen</name> Ordinariates einverstanden</hi>, das ich gewissermaßen seit bald 2 Jahren aushilfsweise besorge, das aber doch besetzt sein sollte, wenn die Universität ihr <hi rend="underline">Jubiläum</hi> feiert, bei dem sie doch <hi rend="underline">vollzählig</hi> sein müßte. Mir selbst, <hi rend="underline">dem hier in Halle Unrecht geschehen ist</hi>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-311"/>würde dieses Fest vergällt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-311"/>; und ich kann nur noch hoffen, daß <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren auch in diesem meinem Falle <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-312"/>„<hi rend="underline">die ausgleichende Gerechtigkeit</hi>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-312"/> walten lassen, welche Sie so oft in academischen Verhältnissen sonst angewendet haben.</p><p>Indem ich mich und meine Zukunft Ihrem Wohlwollen anvertraue, zeichne ich als <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren gehorsamst ergebenster</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-308"><lem>Hochzuverehrender</lem><note>über der Anrede Bleistiftnotiz von Althoffs <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg><hi rend="underline">Vaihinger.</hi> pro domo. | ∅. | Viell. persönl. Ordinariat.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-309"><lem>Regierungsrath!</lem><note>danach 4 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-310"><lem>Hauptinteresse</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-311"><lem>würde dieses Fest vergällt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Das Zweihundertjährige Jubiläum der Universität Halle-Wittenberg. Festbericht erstattet im Auftrag des academischen Senats von dem Prorector Prof. D. W. Beyschlag. Halle (Saale): Gebauer-Schwetschke’sche Buchdruckerei 1895, <abbr>S.</abbr> 14: </note><rdg>Nach Beendigung des Gottesdienstes war eine Anzahl von Universitätsangehörigen in das zum Empfangszimmer umgeschaffene Auditorium I beschieden, um unter den Auspizien des Prinzen Albrecht durch Herrn Unterstaatssekretär Dr. v. Weyrauch eine Reihe von Allerhöchsten Gnadenbeweisen zu empfangen, welche Se. Maj. der Kaiser und König zum Jubiläum auszutheilen geruht hatte</rdg><note>; darunter die Titelverleihung eines ordentlichen Professors an Vaihinger.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-312"><lem>„<hi rend="underline">die ausgleichende Gerechtigkeit</hi>“</lem><note>nach Aristoteles: Nikomachische Ethik (iustitia regulativa sive correctiva).</note></app></listApp></back></text></TEI>