<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000458-3</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Ernst Dümmler</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>14.1.1893</date>, <note>5 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0458" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000458-3"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1893-01-14">14.1.1893</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116238909">Ernst Dümmler</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118525727">Wilhelm Dilthey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117313653">Goswin Karl Uphues</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118555006">Edmund Husserl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682261">Johann Eduard Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</name></note><note type="repository">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Ernst Dümmler</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>14.1.1893</date>, <note>5 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler</bibl></head></front><body><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S. den 14.I.1893.</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr Geheimer Regirungsrath!</salute><p>Die Rathschläge, die Sie, verehrter Herr Geh. Reg. Rath in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-240"/>Ihrem gütigen Briefe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-240"/> vom 15.XII. v<add>[origen]</add> J<add>[ahres]</add> zu geben die Freundlichkeit hatten, haben insofern schon Frucht getragen, als denn in der That <hi rend="underline"><name>Uphues</name>,</hi> der in der ganzen Angelegenheit sehr treu zu mir gestanden hat, ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-241"/>Gesuch um Gehalt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-241"/> an den Minister abgesendet hat. Derselbe hat auch unterdessen von <name>Althoff</name> eine private Aufforderung erhalten, dieses sein Gesuch zu erneuern, und mit Empfehlungen von <pb/> hier aus versehen zu lassen. Aus anderer sehr guter Quelle hat derselbe im Zusammenhang damit auch erfahren, daß auch <name>Althoff</name> nicht damit einverstanden ist, daß nur <name>Husserl</name> allein von dem Tod des <name>alten Erdmann</name> Gewinn ziehen soll, daß auch <name>Uphues</name> bei dieser Gelegenheit zu festem Gehalt gelangen soll. Daß dies die eigentliche Hauptfrage, die Besetzung des Ordinariates selbst, fördern werde, glaube ich eigentlich nicht mehr; die Sache <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-242"/>wird<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-242"/> wohl auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Dazu haben auch die unrichtigen, absichtlich übertriebenen Nachrichten beigetragen, welche über meine finanzielle Stellung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-243"/>durch <name>Conrad</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-243"/> an den Minister gebracht worden sind: als ob ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-244"/>in Hülle und Fülle lebte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-244"/>. Nun haben wir zwar dank dem kleinen Vermögen meiner Frau <pb/> keine Nahrungssorgen, aber eine Aufbesserung meines blos 2500 Mark betragenden Gehaltes könnte ich sehr wohl brauchen, insbesondre um für die Vollendung des <name>Kant</name>commentars mir die nöthigen vielen deutschen und ausländischen Bücher anschaffen zu können, und eventuell einmal in Berlin oder Königsberg einige Wochen auf den dortigen Bibliotheken arbeiten zu können. Ich beabsichtige deshalb auch, jetzt um Gehaltserhöhung einzukommen; dadurch hoffe ich auch den, meiner Beförderung schädlichen Mythus von meiner glänzenden Lage zu zerstören.</p><p><name>Uphues</name> ist mit Recht sehr empört darüber, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-245"/><name>B. Erdmann</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-245"/> hier die Sache dahin drehen will, daß statt der Besoldung des Ordinariates ein neuer Extraordinarius ernannt wird, der festen Gehalt bekommen soll, während er selbst noch keinen hat; es ist Erdmanns <pb/> ausgesprochene Meinung, die 3 Extraordinarien könnten sich gegenseitig aufreiben, wenn nur das Ordinariat unbesetzt bleibe. Sind 3 Extraordinarien da, dann ist natürlich eine Besetzung des Ordinariats erst recht nicht mehr nothwendig. Dem Kollegen <name>Husserl</name> wäre ja an sich eine Beförderung sehr zu gönnen, obgleich er als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-246"/>österreichischer Unterthan<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-246"/>, der noch im österreichischen Militärverband ist, weniger gegründeten Anspruch auf Gehalt hat, als <name>Uphues</name>, ein preußischer Unterthan und älterer Mann. Aber daß er allein von der ganzen Sache Vortheil haben soll, finden wir unbillig; darum will <name>Uphues</name> um Gehalt, ich selbst um Gehaltserhöhung einkommen.</p><p>Ihre uns mehrfach bewiesene außerordentlich gütige Theilnahme ermutigte mich, Ihnen diese Mittheilungen zu machen; hat doch Ihr gütiger Rathschlag uns diesen Weg gezeigt. Für jeden ferneren Wink und jede Hilfe herzlich dankbar Ihr aufrichtig ergebenster</p><signed>H. Vaihinger. <pb/></signed><postscript><p><abbr>P. S.</abbr></p><p>Das Verhalten von <hi rend="underline"><name>Zeller</name></hi> in der ganzen Sache ist uns <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-247"/>räthselhaft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-247"/>. <name>Zeller</name> hat <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-248"/>mich früher sehr begünstigt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-248"/>, hat sich über den ersten Band meines <name>Kant</name>commentars <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-249"/>sehr lobend ausgesprochen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-249"/>; ich habe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-250"/>im October<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-250"/> demselben, wie auch <name>Dilthey</name> den II. Band meines Commentars von der Verlagshandlung übersenden lassen; <name>Zeller</name> hat mir bis jetzt nicht darauf gedankt, obgleich ich nicht annehmen kann, daß er den Band nicht erhalten haben sollte. Zu Neujahr habe ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-251"/>ihm geschrieben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-251"/>. Da er mit <name>B. Erdmann</name> hier <hi rend="underline">sehr eng</hi> liirt ist, so mag er wohl sich mir gegenüber zurückhalten. Daß er aber für die Zusendung des II Bands nicht einmal rein formell gedankt hat, hat mir sehr weh gethan.</p><signed>D<add>[er]</add> O<add>[bige]</add>.</signed></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-240"><lem>Ihrem gütigen Briefe</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-241"><lem>Gesuch um Gehalt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Dümmler vom 27.12.1892</note></app><app type="philological" corresp="#ED-242"><lem>wird</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-243"><lem>durch <name>Conrad</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Dümmler vom 27.12.1892</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-244"><lem>in Hülle und Fülle lebte</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Althoff vom 22.1.1893 und vom 12.12.1898.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-245"><lem><name>B. Erdmann</name></lem><rdg>Erdmann</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-246"><lem>österreichischer Unterthan</lem><note><name>Husserl</name> war gebürtiger Österreicher (aus Proßnitz/Prostějov, Mähren).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-247"><lem>räthselhaft</lem><rdg>rathselhaft</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-248"><lem>mich früher sehr begünstigt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Dümmler vom 27.12.1892 sowie den Briefwechsel Vaihingers mit Eduard Zeller.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-249"><lem>sehr lobend ausgesprochen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller an Vaihinger vom 17.9.1881</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-250"><lem>im October</lem><note><abbr>vgl.</abbr> darüber Vaihinger an Zeller vom 31.12.1892</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-251"><lem>ihm geschrieben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Eduard Zeller vom 31.12.1892</note></app></listApp></back></text></TEI>