<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000437-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>23.10.1892</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0437" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000437-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1892-10-23">23.10.1892</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118518887">Georg Cantor</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116257946">Carl Hermann Knoblauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116238909">Ernst Dümmler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116200472">Friedrich Blass</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547380">Rudolf Haym</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118619837">Hermann Suchier</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682261">Johann Eduard Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118989707">Julius Kühn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116825324">Karl Freiherr von Fritsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117029858">Theodor Lindner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116143169">Wilhelm Dittenberger</name><name>Wilhelm Schrader</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>23.10.1892</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></head></front><body><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-121"/>Hochzuverehrender<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-121"/> Geheimer Ober-Regierungsrath!</salute><p>Indem ich <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren für das überaus wohlwollende <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-122"/>Schreiben vom 21.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-122"/> d<add>[es]</add> M<add>[onat]</add>s meinen tiefgefühlten Dank ganz ergebenst ausspreche, bitte ich mir zugleich gütig zu gestatten, <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren über die fragliche Angelegenheit noch einige Mittheilungen machen zu dürfen.</p><p>In den Sitzungen der philosophischen Facultät hier ist, wie ich auf das bestimmteste weiß, über die ganze Angelegenheit bis jetzt noch kein einziges Wort gesprochen worden: <hi rend="underline">die Facultät als Ganzes hat sich über die Frage noch nicht im Mindesten geäußert</hi>, weil sie überhaupt in den <hi rend="underline">officiellen</hi> Zusammenkünften derselben <hi rend="underline">noch gar nicht aufgeworfen worden ist</hi>, was allerdings vielfach Verwunderung erregt hat. Wohl aber ist unter der Hand rein <hi rend="underline">privatim</hi> von gewisser Seite dafür Stimmung gemacht worden, das <name>Erdmann’sche</name> Ordinariat aufzugeben und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-123"/>dasselbe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-123"/> als durch mein Extraordinariat ersetzt zu betrachten – eine Auffassung, die aber dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-124"/>historischen Hergang bei meiner Berufung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-124"/> (1884) durchaus widerspricht. Ich darf mich hierüber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-125"/>auf Herrn Geh. Reg. Rath Dr <name>Dümmler</name> berufen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-125"/>, der mir ausdrücklich gestattet hat, ihn als Zeugen gegen jene Auffassung anführen zu dürfen. <pb/></p><p>Eine ganze Anzahl hervorragender <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-126"/>Mitglieder der Facultät<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-126"/> (<hi rend="underline"><name>Kühn</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Knoblauch</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Blaß</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Suchier</name></hi>, <hi rend="underline"><name>v. Fritsch</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Lindner</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Dittenberger</name></hi>, <hi rend="underline"><name>Cantor</name></hi>) theilen denn auch hier jene Auffassung <hi rend="underline">nicht</hi>, und halten daran fest, daß die philosophische Facultät das dritte Ordinariat der Philosophie als eine historische Eigentümlichkeit der Halle’schen Universität nicht aufgeben solle. Auch der Herr Universitätskurator, der Herr Geh. Ober-Regierungsrath <hi rend="underline"><name>Schrader</name></hi> hat mir persönlich dies als seine Ansicht mitgetheilt, da er durch seine Studien über die Geschichte der Universität ebenfalls darauf geführt worden ist, daß hier <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-127"/>in Halle seit langem immer 3 Ordinarien der Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-127"/> gewesen sind.</p><p>Neuerdings ist nun noch ein <hi rend="underline">vermittelnder</hi> Vorschlag aufgetaucht. Dieser Vorschlag knüpft an die Thatsache an, daß Herr Professor <name>Haym</name> nur die Hälfte seiner Kraft der Philosophie widmet, die andre aber der Literaturgeschichte, so daß wir jetzt hier in Halle faktisch nicht einmal zwei, sondern <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-128"/>nur 1½ Ordinarien der Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-128"/> haben. Wenn daher eines der 3 Ordinariate der Philosophie wegfallen solle, so sei es das Natürlichste, <hi rend="underline">die <name>Haym</name>’sche Stellung, welche eine Personalunion von Philosophie und Literaturgeschichte ist, künftig wegfallen zu lassen</hi>, dagegen die <name>Erdmann’sche</name> Professur <hi rend="underline">jetzt sogleich wieder zu besetzen</hi>, da die Universität ja sonst auf Jahre hinaus mit nur 1½ Philosophen auskommen müßte.</p><p>Dieser vermittelnde Vorschlag würde mir eventuell die Aussicht eröffnen, in die <name>Erdmann’sche</name> Stellung einzurücken. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-129"/>Wenn ich meine Wünsche auf diese Professur richte, so geschieht es <hi rend="underline">nicht</hi> etwa deshalb, weil ich auf eine Gehaltserhöhung reflectire, deren ich jetzt nicht bedarf, sondern es geschieht ausschließlich darum, <hi rend="underline">weil ich gerade in dieser Stellung den <name>Kant</name>commentar am besten vollenden könnte.</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-129"/> Jener Wunsch, Ordinarius zu werden, ist insofern verzeihlich, als ich schon <hi rend="underline">zweimal</hi> in Preußen zum Ordinarius vorgeschlagen war (in <hi rend="underline">Königsberg</hi> und in <hi rend="underline">Kiel</hi>) ganz abgesehen von den <hi rend="underline">drei</hi> anderen derartigen Vorschlägen in <hi rend="underline">Graz</hi>, <hi rend="underline">Basel</hi>, und <hi rend="underline">Erlangen</hi>.</p><p><abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren haben mir hochgeneigtest eine persönliche Unterredung in dieser Sache gestattet. Ich werde mir die Freiheit nehmen, zu diesem Zweck <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren am nächsten dies academicus, <hi rend="underline">Sonnabend den 29. October</hi> meine ganz ergebenste Aufwartung zu machen.</p><p>Mit dem Ausdruck der tiefsten Dankbarkeit für das mir erwiesene gütige Wohlwollen zeichne ich <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren verehrungsvoll ergebenster</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-130"/>D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> H. Vaihinger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-130"/></signed><signed>a .o. Professor a. d. Universität Halle</signed><dateline>Halle a/S. den 23. Oct<add>[ober]</add> 1892.</dateline></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-121"><lem>Hochzuverehrender</lem><note>über der Anrede Bleistiftnotiz von Althoffs <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg><hi rend="underline">Vaihinger:</hi> pro domo. ∅ | <hi rend="underline">23. Okt[ober] 1892.</hi></rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-122"><lem>Schreiben vom 21.</lem><note>nicht überliefert, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Althoff vom 20.10.1892.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-123"><lem>dasselbe</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-124"><lem>historischen Hergang bei meiner Berufung</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-125"><lem>auf Herrn Geh. Reg. Rath Dr <name>Dümmler</name> berufen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Ernst Dümmler vom 11.10.1892</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-126"><lem>Mitglieder der Facultät</lem><note><abbr>vgl.</abbr> zu den Genannten <ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/index1871.html</ref> (21.8.2024).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-127"><lem>in Halle seit langem immer 3 Ordinarien der Philosophie</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-128"><lem>nur 1½ Ordinarien der Philosophie</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-129"><lem>Wenn … <hi rend="underline">könnte.</hi></lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-130"><lem>D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> H. Vaihinger</lem><note>davor für Devotionsstrich 4 Zeilen frei gelassen</note></app></listApp></back></text></TEI>