<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000435-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Ernst Dümmler</persName>, <placeName type="sent">Oberhof</placeName>, <date>11.10.1892</date>, <note>8 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0435" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000435-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Oberhof</placeName><date when="1892-10-11">11.10.1892</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116238909">Ernst Dümmler</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118731432">Anton Marty</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116575956">Carl Robert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118933299">Carl Stumpf</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118733281">Eduard Meyer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117651478">Ernst Dorn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116238909">Ernst Dümmler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/135931436">Ferdinand Walter</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118515063">Franz Brentano</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116200472">Friedrich Blass</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116587938">Georg Gerland</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/108224001X">Gustaf Droysen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118547380">Rudolf Haym</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118825003">Hermann Ebbinghaus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118619837">Hermann Suchier</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117488941">Jacob Volhard</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682261">Johann Eduard Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118989707">Julius Kühn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117131156">Julius Walter</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116825324">Karl Freiherr von Fritsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118668056">Konrad Burdach</name><name>streichen!</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119142139">Oswald Külpe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118701886">Otto Peter Conrad Hartwig</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11619202X">Richard Pischel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117057436">Theodor Lipps</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116143169">Wilhelm Dittenberger</name><name>Wilhelm Schrader</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</name></note><note type="repository">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Ernst Dümmler</persName>, <placeName type="sent">Oberhof</placeName>, <date>11.10.1892</date>, <note>8 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, NL Dümmler</bibl></head></front><body><dateline>Oberhof in Thüringen</dateline><dateline>11. October 1892</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr Geh. Regirungsrath!</salute><p>Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-92"/>freundlichen Zeilen vom 23. September<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-92"/> sind mir von Halle aus nach Stuttgart nachgesendet worden, woselbst ich meine Mutter besuchte; von da aus kam ich über Straßburg hieher, woselbst ich für die Strapazen des kommenden Winters noch einige Kräfte sammeln möchte. Der kommende Winter wird mir nicht nur vielerlei Anstrengungen, sondern auch wol mancherlei Aufregung bringen: denn ich glaube, daß die Frage der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-93"/>Wiederbesetzung der <name>Erdmann’schen</name> Professur<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-93"/> nicht wird totgeschwiegen werden können. Die theilnehmende Art und Weise, in der Sie, hochzuverehrender Herr Geh. Reg. Rath in Ihrem <pb/> freundlichen Briefe an mich diese Angelegenheit berührt haben, ermuthigt mich, Sie in derselben um Ihren bewährten Rath zu bitten, der mir nie nothwendiger und erwünschter war, als gerade jetzt.</p><p>Zunächst das <hi rend="underline">Historische</hi>. Nachdem Herr <abbr>Prof.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-94"/><name>Eduard</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-94"/><name> Erdmann</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-95"/>gestorben war<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-95"/>, glaubte zunächst Jedermann, daß die Stelle wiederbesetzt werden würde. Auch der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-96"/>junge <abbr>Prof.</abbr> <name>Benno Erdmann</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-96"/><name/> nahm zunächst diese Stellung ein, und sprach sich auch gelegentlich gegen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-97"/><abbr>Prof.</abbr> <name>Walter</name> aus Königsberg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-97"/> aus, welcher bei seiner Anwesenheit gelegentlich des Begräbnisses des <name>alten Erdmann</name>s Andeutungen hatte fallen lassen, daß er gerne der Nachfolger <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-98"/>seines Oheims<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-98"/> werden möchte. Aber noch war <abbr>Prof.</abbr> <name>Benno Erdmann</name> <hi rend="underline">für</hi> die Wiederbesetzung der Stelle. Nun aber setzte – was ich natürlich alles erst später erfahren habe – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-99"/><name>Haym</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-99"/><name/> seine Thätigkeit <pb/> ein; er gieng persönlich bei mehreren Collegen herum und brachte folgende Version auf: die Stelle des <name>alten Erdmann</name> sei schon als besetzt zu betrachten, denn <hi rend="underline">meine</hi> Berufung als Extraordinarius habe den Sinn gehabt und sei damals zu dem Zwecke erfolgt, die <name>absterbende Erdmann</name>’sche Professur zu ersetzen. Für diese höchst merkwürdige Version gewann <name>Haym</name> nun auch den <name>jüngeren Erdmann</name>, was natürlich um so leichter war, als ja das <hi rend="underline">Interesse</hi> diese Auffassung unterstützte. <name>Haym</name> und der <name>jüngere Erdmann</name>, die sich sonst feindlich gegenüberstanden, haben sich in diesem Punkte freundschaftlich geeinigt; auch haben sie sich dahin verabredet, in der Facultät die ganze Angelegenheit todtzuschweigen. In der Facultät ist denn auch bisher die ganze Angelegenheit gar nicht zur Sprache gekommen. <pb/> Um dieselbe Zeit war <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-100"/><hi rend="underline"><name>Schrader</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-100"/><hi rend="underline"><name/></hi> in Berlin, und brachte von da die Nachricht, daß die Regirung entschlossen sei, zunächst auch nichts zu thun. Da <name>Schrader</name> und <name>Haym</name> eng befreundet sind, ist der Zusammenhang der Sache durchsichtig.</p><p>Etwa 4–6 Wochen nach dem Tod des <name>alten Erdmann</name> war dies alles fertig; um jene Zeit sprach ich einmal mit dem <name>jüngeren Erdmann</name>, mit dem ich von alter Zeit her <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-101"/>eigentlich befreundet<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-101"/> bin und der mich einst in Kiel als Ordinarius I vorgeschlagen hatte, offen und ausführlich über die Sachlage; auf diese Weise erfuhr und errieth ich den Zusammenhang. Ich sprach dann auch mit <name>Haym</name> darüber, und danach hatten sich also beide geeinigt, die Sache bis auf weiteres ruhen zu lassen; aber wenn <name>Haym</name> in einigen Jahren älter würde, so würde man an einen Ersatz denken und da sollte ich, wie mir beide versicherten, unbedingt mit auf die Liste der vorzuschlagenden Ordinarien kommen. <pb/></p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-102"/>Diese<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-102"/> Versprechungen für später haben für mich indessen wenig Werth; wenn ich so lange noch Extraordinarius bleiben soll, so gehen mir andere Berufungschancen verloren, <abbr>z. B.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-103"/>nach Tübingen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-103"/>, wohin ich nur kommen kann, wenn ich eben schon Ordinarius bin. Außerdem würde dann in einigen Jahren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-104"/><name>Haym</name> doch in erster Linie für <name>Windelband</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-104"/> stimmen und ich säße wieder da.</p><p>Ich habe nun mit mehreren Ordinarien in Halle gesprochen, welche weder der Partei <name>Haym</name> (<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-105"/><name>Volhard</name>, <name>Droysen</name>, <name>Burdach</name>) noch der Partei <name>Erdmann</name> (<name>Meyer</name>, <name>Pischel</name>, <name>Dorn</name>) angehören, so mit <name>Dittenberger</name>, <name>Suchier</name>, v<add>[on]</add> <name>Fritsch</name>, <name>Kühn</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-105"/><name/>: diese haben sich alle in den stärksten Ausdrücken <hi rend="underline">gegen</hi> das Verfahren <name>Haym</name>-Erdmann ausgesprochen und <hi rend="underline">für</hi> die Wiederbesetzung der <name>Erdmann’schen</name> Stelle, aber keiner wollte vorgehen.</p><p>Nun habe ich in den Ferien eine Zusammenstellung gemacht, die ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-106"/>Ihnen beizulegen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-106"/> mir gestatte, aus der unweigerlich <pb/> hervorgeht, daß die <name>Haym</name>’sche Auffassung ganz unmöglich ist; denn es gab seit 70 Jahren hier stets mindestens 3 Ordinarien der Philosophie und die Facultät kann im Jahr 1884 unmöglich meine Ernennung zum Extraordinarius so aufgefaßt haben, als sollte ich Erdmann ersetzen: gab es doch früher einmal, wie aus der Tabelle hervorgeht, sogar einmal 3 Extraordinarien neben 3 Ordinarien.</p><p>Diese Tabelle habe ich in den Ferien <hi rend="underline"><name>Suchier</name></hi> und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-107"/><hi rend="underline"><name>Hartwig</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-107"/><hi rend="underline"><name/></hi> gezeigt, und beide waren darin einstimmig, daß angesichts dieser Tabelle die Frage der Wiederbesetzung der <name>Erdmann’schen</name> Stelle unmöglich länger todtgeschwiegen werden kann, ja <name>Suchier</name> hat mir versprochen, die Sache in der Facultät zur Sprache zu bringen.</p><p>Ich glaube aber auch noch den <name>jüngeren Erdmann</name> selbst für die Sache zu gewinnen: ich habe ihm die Tabelle noch nicht gezeigt, und er wird wol nicht umhin können, darauf hin die Sache in Anregung zu bringen. <pb/></p><p>Ein sehr günstiges Moment für mich ist nun der Umstand, daß gerade in diesen Tagen der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-108"/><hi rend="underline">II. Band meines <name>Kant</name>commentars</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-108"/> erscheint. Ich erwarte nur noch die Freiexemplare, und, nachdem ich dieselben vertheilt haben werde, natürlich in erster Linie an <name>Haym</name> und an <name>Erdmann</name>, will ich mit meiner <hi rend="underline">Tabelle</hi> vorrücken – dies ist mein strategischer Plan.</p><p>In Bezug auf diese ganze Angelegenheit erlaube ich mir nun, Sie um Ihren bewährten Rath zu bitten, wie ich die Sache am geschicktesten angreife. Insbesondre würde möchte ich Sie in Bezug auf folgende Punkte um Ihren Beirath ersuchen:</p><p>Zunächst <hi rend="underline">äußerlich</hi>: ist es zweckmäßig, die Tabelle in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-109"/><hi rend="underline">autographirter</hi> Form<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-109"/> zu verbreiten? Davon hat mir Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-110"/><abbr>Prof.</abbr> <hi rend="underline"><name>Gerland</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-110"/><hi rend="underline"><name/></hi>, den ich in Straßburg gesprochen habe, entschieden abgerathen; er meinte, das mache einen unangenehmen Eindruck; ich solle nur <hi rend="underline">geschriebene</hi> Exemplare benützen; ich lege Ihnen einstweilen zur Probe ein autographirtes Exemplar bei, deren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-111"/>ich sehr viele habe.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-111"/> <pb/></p><p>Ferner: ist es zweckmäßig, wenn ich an <hi rend="underline"><name>Althoff</name></hi> (dem ich natürlich mein Buch sende) <hi rend="underline">selbst</hi> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-112"/>eine solche Tabelle sende<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-112"/>? Ich glaube, daß ich es thun kann; sonst würde vielleicht Geh. Reg. Rath <name>Hartwig</name>, der mir in dieser Sache sehr wohl will, ihm ein Exemplar zusenden.</p><p>Würden Sie vielleicht Gelegenheit haben, <name>Althoff</name> selbst einmal zu sagen, daß die <name>Haym</name>’sche Auffassung, die <name>Erdmann’sche</name> Stelle sei durch mich als besetzt zu betrachten, historisch ganz unrichtig ist? Denn dazu würde doch damals die philos<add>[ophische]</add> Facultät sich nicht verstanden haben, freiwillig eine etatmäßige Professur der Philosophie aufzugeben; Sie haben ja den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-113"/>Verhandlungen der Facultät damals<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-113"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-114"/>angewohnt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-114"/>, Sie müßten darüber also die beste Auskunft geben können.</p><p>Entschuldigen Sie, hochverehrter Herr Geh. Reg. Rath die Freiheit, die ich mir mit diesem Schreiben genommen habe; Ihre mir bisher bewiesene Güte ermuthigt mich dazu. Durch eine gütige Antwort (nach <hi rend="underline">Halle</hi>, wohin ich morgen zurückkehre) würden Sie sehr beglücken Ihren dankbar ergebenen</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-92"><lem>freundlichen Zeilen vom 23. September</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-93"><lem>Wiederbesetzung der <name>Erdmann’schen</name> Professur</lem><note><name>Johann Eduard Erdmann</name> war am 12.6.1892 verstorben. Eine ministerielle Aufforderung, Vorschläge zur Nachfolge zu unterbreiten, erging am 4.11.1892. Diese Aufforderung überweist Universitätskurator <name>Wilhelm Schrader</name> am 8.11.1892 an die Philosophische Fakultät der Universität Halle-Wittenberg, die nach Beratung vom 14.11.1892 den Bescheid erteilte (Konzept in der Akte Universitätsarchiv Halle-Wittenberg Rep. 21, <abbr>Nr.</abbr> 53), </note><rdg>daß sie auf die Erhaltung des […] erledigten Ordinariates für Philosophie zwar den größten Werth legt, daß sie jedoch […] die sofortige Neubesetzung derselben nicht zu empfehlen vermag. Denn ein Bedürfniß dazu liegt im gegenwärtigen Zeitpunkt […] deshalb nicht vor, weil neben beiden dermaligen Ordinarien des Fachs zwei außerordentliche Professoren alle Hauptfächer der Philosophie mit Einschluß der Pädagogik, sowie die wichtigsten Nebenfächer in Vorlesungen und Uebungen reichlich u. mannigfaltig vertreten. Durch das Ableben des in den letzten Jahren bereits von den Vorlesungen zurückgetretenen Prof. Ed[uard] Erdmann hat dieser Lehrbestand, der sich bisher als ausreichend durchaus bewährt hat, keine Veränderung erfahren.</rdg><note> – Die Kommissionssitzung zur Nachfolge <name>Rudolf Haym</name>s (<abbr>gest.</abbr> 27.8.1901) vom 27.11.1901 ergab den Vorschlag (durch <name>Riehl</name> und Vaihinger, in derselben Akte), die Stelle mit einem Psychologen zu besetzen: 1. <name>Hermann Ebbinghaus</name> oder <name>Theodor Lipps</name>, 2. <name>Oswald Külpe</name>. Im Protokoll von Dekan <name>Gustaf Droysen</name> heißt es unter Punkt 2): </note><rdg>Die zweite Frage, die der Commission zur Besprechung überwiesen ist, ob aus Anlaß dieser Berufung die Facultät sich für eine Verbesserung der Stellung einiger Kollegen verwenden soll, wird in Abwesenheit des Coll. Vaihinger verhandelt. Die Commission beschließt nach längerer Berathung, jedes weitere Eingehen auf diese Frage zu unterlassen.</rdg><note> Im Entwurf des Vorschlages zur Wiederbesetzung (zu einer Berufung kam es nicht) heißt es <abbr>u. a.</abbr>: </note><rdg>Bei diesen ihren Vorschlägen ließ sich die Facultät von der grundsätzlichen Erwägung leiten, daß die zunehmende Bedeutung der <hi rend="underline">Psychologie</hi> innerhalb der philosophischen Disciplinen die Vertretung dieser Wissenschaft durch einen ihr vorzugsweise angehörigen Fachmann auch an der hiesigen Universitæt mehr und mehr als Bedürfnis erscheinen läßt; daß aber auch ein Bedürfnis nach Ergänzung des philosophischen Unterrichts an derselben <hi rend="underline">einzig und allein</hi> in diese Richtung zu finden ist.</rdg><note> Den letzten Halbsatz hat Vaihinger mit schwarzer Tinte am linken Rd. angestrichen und daneben geschrieben: </note><rdg>Diesen Passus kann ich nicht anerkennen: denn eine Ergänzung des philosophischen Unterrichts <hi rend="underline">könnte</hi> man auch nach anderen Richtungen hier wünschenswerth finden, z. B. nach der Richtung der Geschichte der griechischen Philosophie [</rdg><note>danach gestrichen: </note><rdg>oder z. B. der Aesthetik]. Letztere ist seit Jahren hier nicht gelesen worden und keiner der hiesigen Fachmänner ist Specialist auf diesem Gebiet.</rdg><note> Diesem Zusatz schlossen sich lediglich <name>Friedrich Blass</name>, <name>Hermann Suchier</name> und <name>Karl Freiherr von Fritsch</name> gegen 22 Gegenstimmen an, darunter <name>Riehl</name> und <name>Carl Robert</name>; sodass der Halbsatz mit einem Bleistiftvermerk von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit </note><rdg>bleibt.</rdg><note> gekennzeichnet wurde. – Vaihinger wurde erst 1894 zum <abbr>o. Prof.</abbr> (persönliches Ordinariat, unter Beibehaltung der Bezüge eines Extraordinarius) anlässlich des 200jährigen Universitätsjubiläums ernannt.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-94"><lem><name>Eduard</name></lem><rdg>Ed.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-95"><lem>gestorben war</lem><note>am 12.6.1892, <abbr>s. o.</abbr> – Bereits am 27.11.1886 hatte sich <name>Carl Stumpf</name> aus Halle an <name>Franz Brentano</name> mit Gedankenspielen gewandt, <name>Anton Marty</name> in Halle anzubringen. Vieldeutig schreibt Stumpf: </note><rdg>Dass ich gerade jetzt davon <hi rend="underline">spreche</hi>, dazu veranlasst Martys Brief; aber seit längerer Zeit legen mir gerade die hiesigen Verhältnisse nahe, daran zu <hi rend="underline">denken</hi>: Erdmann über 81 und gebrechlich, wird kaum mehr lange leben, und dann fragt Lichi [</rdg><note>so in der Ausgabe –Transkriptionsfehler für: sich’s; <abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">http://www.franzbrentano.org/letters/web/?q=189</ref> (20.8.2024)</note><rdg>], wen vorschlagen. Vaihinger spannt natürlich darauf und das Ministerium ist ihm gewogen. Die Wahl ist im deutschen Reiche schwer genug, sodass mir der unangenehme Mensch beinah nicht schlimmer als jeder andere der Fachgenossen erscheinen würde </rdg><note>(Margret Kaiser-el-Safti [<abbr>Hg.</abbr>]: Franz Brentano–Carl Stumpf: Briefwechsel 1867–1917. Unter Mitarbeit von Thomas Binder. Frankfurt <abbr>a. M.</abbr>: Peter Lang 2015, <abbr>S.</abbr> 266). Stumpfs Reserven gegenüber Vaihinger lassen sich einem weiteren Schreiben an Brentano aus Halle vom 1.10.1889 entnehmen: </note><rdg>Professor Brunnenmeister […] hat bei mir Psychologie gehört und interessiert sich für Philosophie sehr. […] Überhaupt zweifle ich, ob seine Begabung mit seinen Interessen Schritt hält, ist er doch nach meinem Kolleg noch zu Vaihinger gegangen, um in die Geheimnisse des heiligen Kant eingeweiht zu werden </rdg><note>(<abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 287).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-96"><lem>junge <abbr>Prof.</abbr> <name>Benno Erdmann</name></lem><note>seit 1890 <abbr>o. Prof.</abbr> an der Universität Halle-Wittenberg.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-97"><lem><abbr>Prof.</abbr> <name>Walter</name> aus Königsberg</lem><note><name>Julius Walter</name> (1841–1922), seit 1875 <abbr>ao. Prof.</abbr> in Königsberg (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-98"><lem>seines Oheims</lem><note>Der Vater von <name>Julius Walter</name>, <name>Ferdinand Walter</name> (1801–1869), war der Onkel mütterlicherseits von <name>Johann Eduard Erdmann</name> (<abbr>NDB</abbr>, <abbr>WBIS</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-99"><lem><name>Haym</name></lem><note><name>Rudolf Haym</name> (1821–1901), seit 1868 <abbr>o. Prof.</abbr> für deutsche Literatur in Halle, 1873/1874 Rektor (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/haymrudolf.html</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-100"><lem><hi rend="underline"><name>Schrader</name></hi></lem><note>der Pädagoge <abbr>u.</abbr> Politiker <name>Wilhelm Schrader</name> (1817–1907), seit 1883 Kurator der Universität Halle-Wittenberg (<abbr>WBIS</abbr>; Magdeburger Biographisches Lexikon: <ref type="link">https://mbl.ub.ovgu.de/Biografien/0125.htm</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-101"><lem>eigentlich befreundet</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Schreiben <name>Benno Erdmann</name>s an Vaihinger.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-102"><lem>Diese</lem><note>am Kopf des neuen Bogens Nummerierung </note><rdg>2</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-103"><lem>nach Tübingen</lem><note>Näheres nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-104"><lem><name>Haym</name> doch in erster Linie für <name>Windelband</name></lem><note>der genaue Charakter der Beziehungen <name>Haym</name>s zu <name>Wilhelm Windelband</name> kann nicht angegeben werden, da die Korrespondenz verschollen ist (<abbr>vgl.</abbr> Hans Rosenberg (<abbr>Hg.</abbr>): Ausgewählter Briefwechsel Rudolf Hayms, Berlin/Leipzig 1930, <abbr>S.</abbr> 1: </note><rdg>Wie eingehende Nachforschungen ergeben haben, müssen die Briefe Hayms an […] W. Windelband als verloren angesehen werden</rdg><note> – folglich ein Verlust aus der Zeit vor 1945; Windelbands Nachlass ist nicht überliefert).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-105"><lem>Volhard … Kühn</lem><note> Professoren an der Universität Halle-Wittenberg: <name>Jacob Volhard</name> (1834–1910), Chemiker, seit 1882; <name>Gustaf Droysen</name> (1838–1908), Historiker, seit 1872; <name>Conrad Burdach</name> (1859–1936), 1887–1894 <abbr>ao. Prof.</abbr>, danach<abbr> o. Prof.</abbr> für deutsche Sprache und Literatur; <name>Eduard Meyer</name> (1855–1930), Historiker (alte Geschichte), seit 1889; <name>Richard Pischel</name> (1849–1908), seit 1885 <abbr>o. Prof.</abbr> für Sanskrit und vergleichende Sprachforschung; <name>Ernst Dorn</name> (1848–1916), Mathematiker, seit 1885; <name>Wilhelm Dittenberger</name> (1840–1906), klassischer Philologe, seit 1874; <name>Hermann Suchier</name> (1848–1914), Romanist, seit 1876; <name>Karl von Fritsch</name> (1836–1906), Geologe, 1873 <abbr>ao. Prof.</abbr>, 1875 <abbr>o. Prof.</abbr>; <name>Julius Kühn</name> (1825–1910), seit 1862 <abbr>o. Prof.</abbr> für Landwirtschaft (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-106"><lem>Ihnen beizulegen</lem><note>liegt nicht bei; <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Eduard Zeller vom 31.12.1892.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-107"><lem><hi rend="underline"><name>Hartwig</name></hi></lem><note><abbr>d. i.</abbr> vermutlich der Historiker <name>Otto Hartwig</name> (1830–1903), 1876–1898 Direktor der Universitätsbibliothek in Halle (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-108"><lem><hi rend="underline">II. Band meines <name>Kant</name>commentars</hi></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft. Zum hundertjährigen Jubiläum derselben. <abbr>Bd.</abbr> 2. Stuttgart, Berlin, Leipzig: Union/Deutsche Verlagsgesellschaft 1892 (1. <abbr>Bd.</abbr> 1881/1882).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-109"><lem><hi rend="underline">autographirter</hi> Form</lem><note>Autographie: Verfahren zur Vervielfältigung mittels Umdruck.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-110"><lem><abbr>Prof.</abbr> <hi rend="underline"><name>Gerland</name></hi></lem><note>der Geograph und Geophysiker <name>Georg Gerland</name> (1833–1919), seit 1875 <abbr>o. Prof.</abbr> in Straßburg (<abbr>NDB</abbr>), Korrespondenzpartner Vaihingers.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-111"><lem>ich sehr viele habe.</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-112"><lem>eine solche Tabelle sende</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Althoff vom 20.10.1892</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-113"><lem>Verhandlungen der Facultät damals</lem><note><name>Dümmler</name> hatte 1866–1888 in Halle gelehrt, bevor er in Berlin die Leitung der Monumenta Germaniae Historica übernahm (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/duemmlerernst.html</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-114"><lem>angewohnt</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>