<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000419-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Otto Caspari</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>1.1.1890</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 g</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0419" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000419-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11646805X">Otto Caspari</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1890-01-01">1.1.1890</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118933299">Carl Stumpf</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117313653">Goswin Karl Uphues</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11646805X">Otto Caspari</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 g</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Otto Caspari</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>1.1.1890</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 g</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg <abbr>d.</abbr> 1 Januar 90.</dateline><dateline><hi rend="underline">Vertraulich!</hi></dateline><salute>Lieber Herr College!</salute><p>Wie mir aus Berlin mitgetheilt wurde, haben Sie sich gleichfalls um die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2805"/>durch <name>Stumpf</name> erledigte Stellung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2805"/> beworben, und Sie nehmen es mir gewiß nicht übel, wenn ich so offen bin Ihnen mitzutheilen, daß auch ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2806"/>gern dorthin gekommen wäre<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2806"/>. Ich war mit <name>Stumpf</name> in Correspondenz getreten, und hatte ihm meine traurige Lage geschildert: daß ich noch heute nach beinahe 25jähriger Lehrthätigkeit <hi rend="underline">kein Gehalt beziehe</hi>, an meinem Hause und in anderen Angelegenheiten mein kleines Vermögen beinahe eingebüßt habe, und deshalb beinahe der Verzweiflung nahe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2807"/>wäre.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2807"/> <pb/> Da begreifen Sie wohl, wie sich das so gestalten kann und verstehen es daß ich mich wie man zu sagen pflegt um die Stellung bewarb. Wenn es mir auch noch vielleicht nicht gelang das gewünschte Ziel dort zu erreichen, so ist es mein sehnlichster Wunsch, daß es <hi rend="underline">Ihnen</hi> wenigstens gelingt diese Stellung zu gewinnen. Knüpft sich für mich daran doch wenigstens <hi rend="underline">die Hoffnung</hi>, daß ich mich <hi rend="underline">um Ihre Stellung</hi> dort <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2808"/>in Halle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2808"/> bemühen darf. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2809"/><name>Uphues</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2809"/> ist zwar auch noch in Halle, und mag recht ebenso denken; aber lieber Herr College, denken Sie nur, daß ich in unserem Fach schon beinahe 25 Jahre arbeite und viel geschrieben habe, heute aber noch <hi rend="underline">nicht</hi> das <pb/> geringste Gehalt beziehe, auch keine Hoffnung habe, daß mich <name>Fischer</name> (ein sehr eigenthümlicher Mann) irgendwie zu etwas bringt oder vorschlägt. Im Gegentheil, wo er Einfluß hat wird er immer nur mich bekämpfen. –</p><p>Nehmen Sie mir, lieber Herr College, meine Offenheit nicht übel, wenn ich nochmals darauf zurückkomme, daß ich in meiner Lage nur eben dies berücksichtigen muß, eine, wenn auch noch so kleine Stellung mit Gehalt zu gewinnen. Und so klammere ich mich denn in allen Wirrnissen noch an die Hoffnung, daß es mir wenigstens, als geborener <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2811"/>Kämpfer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2811"/>, gelingen könnte, durch Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2812"/>wache<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2812"/> Mithilfe und Beistand, den Posten zu erlangen, den Sie bisher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2813"/>in Halle ausfüllten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2813"/>. Mag auch das Gehalt <pb/> noch so gering sein, das mit Ihrer bisherigen Stellung verbunden war, ich bin in einer so sehr verzweifelten Lage, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2814"/>daß ich mich auf diese vollständig zufriedenstellen muß.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2814"/></p><p>So habe ich mich denn mit Alle dem Gesagten mich Ihnen so offen hingegeben, daß Sie vielleicht mir zürnen, aber was thut man nicht alles in einer Art von Verzweiflung; und so habe ich denn nur die sehr freundliche Bitte, daß Sie mir diese Offenheit nicht verübeln, sondern im Gegentheil als ein Vertrauen aufnehmen, mit dem ich mich Ihnen ganz anheim gebe.</p><p>Sehr würden Sie mich erfreuen, wenn Sie mir über alle Vorgänge in Halle einige Nachrichten zukommen ließen, und sich gegebenen Falles meiner dortigen Lage erinnerten. –</p><p>Mit vielen herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für Sie zum Jahreswechsel, Ihr ergebener</p><signed>O. Caspari.<anchor type="delimiter"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2805"><lem>durch <name>Stumpf</name> erledigte Stellung</lem><note><name>Carl Stumpf</name> war 1889 aus Halle nach München gewechselt (<abbr>BEdPh</abbr>), sein Nachfolger in Halle wurde <name>Benno Erdmann</name>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2806"><lem>gern dorthin gekommen wäre</lem><note><name>Caspari</name> hat sich vergeblich um auswärtige Anstellungen oder wenigstens die Besoldung seiner prekären Heidelberger Stellung als <abbr>ao. Prof.</abbr> bemüht. 1895 wurde er des Amtes enthoben, <abbr>vgl.</abbr> Ludwig Busse an Vaihinger vom 6.11.1895.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2807"><lem>wäre.</lem><note>darunter Kustode: </note><rdg>Da</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2808"><lem>in Halle</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2809"><lem><name>Uphues</name></lem><note><anchor type="delimiter"/><name>Goswin Karl Uphues</name> (1841–1916), zunächst katholischer Geistlicher, Erzieher und Lehrer. 1875 Promotion an der theologischen und philosophischen Akademie Münster. 1876 vom Dienst suspendiert, Übersiedelung in die Schweiz. 1882 an einer Privatschule in Halle tätig, 1884 für Philosophie habilitiert. 1890 <abbr>ao. Prof.</abbr> in Halle, ab 1895 besoldet, 1914 emeritiert (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/uphuesgoswinkarl.html</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2811"><lem>Kämpfer</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2812"><lem>wache</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2813"><lem>in Halle ausfüllten</lem><note>Vaihinger war 1884–1894 <abbr>ao. Prof.</abbr>, seit 1894 persönlicher Ordinarius in Halle.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2814"><lem>daß ich mich auf diese vollständig zufriedenstellen muß.</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>