<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000418-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Moriz Carrière</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">München</placeName>, <date>22.10.1889</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 e, Nr. 20</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0418" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000418-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119355841">Moriz Carrière</persName><placeName>München</placeName><date when="1889-10-22">22.10.1889</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118505696">Francis Bacon</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11851136X">Otto von Bismarck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118522841">Oliver Cromwell</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11872780X">Theodor Lessing</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119355841">Moriz Carrière</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117743445">Wilhelm Shakespeare</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 e, Nr. 20</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Moriz Carrière</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">München</placeName>, <date>22.10.1889</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 e, Nr. 20</bibl></head></front><body><salute>Verehrter Herr College!</salute><p>Hier meine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2793"/>Lebensbilder<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2793"/>, Zusammenstellung dessen was mir neben dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2794"/>Kunstbuch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2794"/> von biographischen Aufsätzen aufbewahrenswerth dünkt; manches wird Ihnen bekannt, manches neu sein. Es steckt auch ein Stück Selbstbiographie darin, wie in Bettina und der Kunst-Academie. Auch die Faust<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2795"/>idee<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2795"/>, die uns zu Anfang des Jahrs viel Spaß machte, finden Sie wieder.</p><p>Können Sie mit einer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2796"/>Besprechung in <pb/> grünen Heften<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2796"/> ankommen? Da wäre der <name>Cromwell</name> und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2797"/>die<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2797"/> in der Vorrede angedeutete Beziehung auf <name>Bismarck</name> zu beachten, – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2798"/>auch das etwa ein Deutsches Wochenblatt.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2798"/> Auch der Hinweis auf den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2799"/>literarischen Scherz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2799"/> wird gut sein, da ja noch neulich erst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2800"/>in der Nation<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2800"/> wie früher <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2801"/>in der Kreuzzeitung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2801"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2802"/>die <name>Bacon</name>ianer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2802"/> sich äußern.</p><p>Ich aber bedarf der Hilfe von Freunden, da die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2803"/>Philosophie der Reformationszeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2803"/> nicht besonders geht, und ich Brock<pb/>haus die Lebensbilder gab, Honorar erst zahlbar wenn er auf den Kosten ist! Sie sind der 11<hi rend="superscript">te</hi> Band der Gesammelten Werke, auch so ausgegeben, aber nur in kleiner Zahl, – ich wollte das sollte Haupttitel sein, denn als Ergänzung zu den Büchern seh’ ich es an.</p><p>Werden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2804"/>Sie vorrücken<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2804"/>? Ich hoffe und wünsche es.</p><p>Leben Sie wohl!</p><p>Ihr ergebenster</p><signed>M Càrriere</signed><dateline>München</dateline><dateline>22/X 1889</dateline></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2793"><lem>Lebensbilder</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carrière: Lebensbilder. Leipzig: Brockhaus 1890; Vorwort datiert auf Sommer 1889.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2794"><lem>Kunstbuch</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carrière: Die Kunst im Zusammenhang der Kulturentwickelung und die Ideale der Menschheit. 5 <abbr>Bde.</abbr> Leipzig: Brockhaus 1863–1874; insgesamt 3 <abbr>Aufl.</abbr></note></app><app type="philological" corresp="#ED-2795"><lem>idee</lem><note>Lesung des Wortteils unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2796"><lem>Besprechung in grünen Heften</lem><note> (Zeitschrift Die Grenzboten), nicht ermittelt.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2797"><lem>die</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2798"><lem>auch das etwa ein Deutsches Wochenblatt.</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2799"><lem>Lebensbilder … literarischen Scherz</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Carrière, Lebensbilder (1890). Inhalt <abbr>u. a.</abbr>: Oliver Cromwell der Zuchtmeister zur Freiheit, <abbr>S.</abbr> 1–106. Bettina von Arnim, <abbr>S.</abbr> 226–275. Wer ist der Faustdichter? <abbr>S.</abbr> 429–444. Dreißig Jahre an der Akademie der Künste zu München, <abbr>S.</abbr> 445–470. Aus dem Vorwort, <abbr>S.</abbr> V–VI: </note><rdg>Ich habe seit fünfzig Jahren manches in Zeitschriften veröffentlicht. Die meisten Aufsätze waren Studien und Vorarbeiten für meine Bücher und sind in diesen verwerthet worden. […] Wenn ich diesen Schilderungen von Zeitgenossen ein Charaktergemälde Cromwell’s voranstellte, so geschah es weil ich selber nach der Aufregung und den Enttäuschungen der Bewegungsjahre von 1848 und 1849 an seinen Briefen und Reden aus körperlicher und geistiger Verstimmung mich gesund gelesen, und weil seit dem Erscheinen meiner Schrift eine gerechtere Würdigung des großen Staatsmannes Raum gewonnen hat. Wenn ich damals den Ruf nach einem Cromwell für Deutschland erhob, so ist ja der weissagende Wunsch überraschend in Erfüllung gegangen, und hat mir die Geschichte Bismarcks durch den Hinblick auf England ein eigenthümliches Licht gewonnen. […] Endlich ein literarischer Scherz [</rdg><note>Faustdichter</note><rdg>], welcher durch das Aufsehen das er machte, wie durch die sonderbare Aufnahme die er fand, mir ein Bild des gegenwärtigen literarischen Lebens gewährte.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2800"><lem>in der Nation</lem><note>vgl. z. B. J. V. Widmann: „Shakespeare“ und „Shakspere“. In: Die Nation. Wochenschrift für Politik, Volkswirthschaft und Litteratur, Nr. 15 vom 12.1.1889, S. 228–231 (<ref type="link">https://archive.org/details/bub_gb_9pMZAAAAYAAJ/page/227/mode/2up</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2801"><lem>in der Kreuzzeitung</lem><note>Neue Preußische Zeitung; Artikel nicht ermittelt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2802"><lem>die <name>Bacon</name>ianer</lem><note>meint diejenigen, die <name>Shakespeare</name>s Werke <name>Francis Bacon</name> zuschreiben; wie <name>Carrière</name> (allerdings scherzhaft) die Verfasserschaft von <name>Goethe</name>s Faust <name>Lessing</name> unterschob <abbr>bzw.</abbr> <name>Goethe</name> als Plagiator darstellte.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2803"><lem>Philosophie der Reformationszeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carrière: Die philosophische Weltanschauung der Reformationszeit in ihren Beziehungen zur Gegenwart. 2., vermehrte <abbr>Aufl.</abbr> 2 <abbr>Bde.</abbr> Leipzig: Brockhaus 1887 (Gesammelte Werke von Moriz Carriere <abbr>Bd.</abbr> 10/11).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2804"><lem>Sie vorrücken</lem><note>meint: in der akademischen Laufbahn.</note></app></listApp></back></text></TEI>