<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000411-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard von Hartmann</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>18.3.1889</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Nachlass Eduard von Hartmann</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0411" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000411-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1889-03-18">18.3.1889</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118546252">Eduard von Hartmann</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118566342">Karl Christian Friedrich Krause</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118574574">Hermann Lotze</name></note><note type="repository">Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Nachlass Eduard von Hartmann</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard von Hartmann</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>18.3.1889</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Nachlass Eduard von Hartmann</bibl></head></front><body><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S.</dateline><dateline>18.III.89.</dateline><salute>Verehrtester Herr!</salute><p>Nach mehrtägiger Abwesenheit früher zurückgekehrt, finde ich Ihren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2760"/>liebenswürdigen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2760"/>, sowie Ihr freundliches Geschenk vor, und beeile mich, Ihnen für beides meinen ergebensten Dank auszusprechen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2761"/>Ich war auch in <hi rend="underline">Berlin</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2761"/> und mußte leider hören, daß meine Aussichten auf Avancement gleich Null sind, so lange ich <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2762"/>mein <name>Kant</name>werk<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2762"/> nicht fortsetze, so daß ich genöthigt sein werde, all meine Zeit und Kraft (welche letztere durch Neurasthenie sehr reducirt ist) auf den Commentar in Zukunft zu concentriren, da ich hier doch nicht ewig so bleiben kann und will. So kann ich auch nicht mit Sicherheit versprechen, über Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2763"/>Schrift über <name>Lotze</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2763"/><name/> in allernächster Zeit mich öffentlich zu äußern. Doch werde ich die Sache im Auge behalten. <pb/></p><p>Ich stimme ganz mit Ihnen darin überein, daß <name>Lotze</name> bisher in Deutschland sehr überschätzt worden ist. Unter allen neueren Philosophen ist mir <name>Lotze</name> der am Wenigsten Sympathische. Ich möchte glauben, daß <name>Lotze</name> auch aus <name><hi rend="underline">[Karl Christian Friedrich] Krause</hi></name> vieles entnommen hat: wenigstens findet sich bei ihm derselbe widerwärtige optimistische Pan<hi rend="underline">en</hi>theismus vor. Schwankend wie seine inhaltlichen Anschauungen ist auch sein Stil, den als Muster zu preisen aber vielfach Mode ist oder gewesen ist! <pb/> Zu einem wirklichen Philosophen fehlte <name>Lotze</name> gerade die Hauptsache: der moralische Muth, mit den aus der Kinderzeit stammenden Gefühlsvorstellungen rücksichtslos zu brechen; seine schließliche Schwärmerei entbehrt aller Mannhaftigkeit. Der Trotz macht den Philosophen.</p><p>Trotz alles Redens hat daher <name>Lotze</name> eine tiefere Wirkung nicht ausgeübt, und sollte er sie doch ausüben, so wäre dies ein schlimmes Zeichen für die Philosophie.</p><p>Mit wiederholtem Danke Ihr ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2760"><lem>liebenswürdigen Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2761"><lem>Ich war auch in <hi rend="underline">Berlin</hi></lem><note><abbr>u. U.</abbr> mit Vorsprache bei <name>Friedrich Theodor Althoff</name>, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Ernst Dümmler vom 4.3.1889 sowie an Althoff vom 19.3.1889.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2762"><lem>mein <name>Kant</name>werk</lem><note>Vaihinger: Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2763"><lem>Schrift über <name>Lotze</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Eduard von Hartmann: Lotze’s Philosophie. Leipzig: Friedrich 1888. Keine Besprechung von Vaihinger ermittelt.</note></app></listApp></back></text></TEI>