<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000409-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Jakob Frohschammer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>7.2.1889</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek München, 4°Cod.ms. 917m (412,3)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0409" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000409-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1889-02-07">7.2.1889</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118693840">Jakob Frohschammer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116897732">Adolf Hinrichsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118679872">Friedrich Dittes</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118693840">Jakob Frohschammer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119355841">Moriz Carrière</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek München, 4°Cod.ms. 917m (412,3)</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Jakob Frohschammer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>7.2.1889</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek München, 4°Cod.ms. 917m (412,3)</bibl></head></front><body><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S.</dateline><dateline>7.II.89.</dateline><salute>Verehrter Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2735"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2735"/></salute><p>Indem ich mir erlaube, Ihnen die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2736"/>beiliegende Schrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2736"/> ergebenst zu übersenden, glaube ich im Allgemeinen mich Ihrer Zustimmung zu meinen Ausführungen versichert halten zu dürfen. In Bezug auf den Gedanken der Recapitulation der Kulturstufen der Menschheit durch den Einzelnen in dessen Erziehung und Bildung konnte ich mich auch auf wichtige <pb/> Stellen von Ihnen berufen, in denen Sie denselben Gedanken ausgesprochen haben (<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2738"/>Seite 29 in der Anmerkung <abbr>Nr.</abbr> 14<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2738"/>).</p><p>Die Anwendung dieses Gedankens zur Rechtfertigung des Gymnasialprincips wird, wie ich hoffe, sich Ihrer Beistimmung erfreuen dürfen, da Sie ja doch wohl auch für die Erhaltung der klassischen Bildung eintreten.</p><p>Im Einzelnen wird Vieles gewiß Bedenken erregen können, ich selbst verkenne am wenigsten, daß mancher Punkt sehr angreifbar ist. <pb/></p><p>Daß Professor <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2739"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2740"/><name>Carrière</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2739"/><name/> in der Münchener „Allgemeinen Zeitung“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2740"/> (Beilage zu <abbr>Nr.</abbr> 9 von 9. Januar) sich in einem größeren Artikel durchaus für meine Auffassung ausgesprochen hat, wird Ihnen wohl bekannt sein. Der Artikel führte den Titel: „Die Entwicklung des Menschen und der Menschheit.“</p><p>Sollten Sie, verehrtester Herr Professor, mit meinen Ausführungen, wenn auch nur theilweise, einverstanden sein, so würden Sie mich sehr verbinden, um die Sache der Erhaltung der klassischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2741"/>Bildung zu fördern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2741"/>, wenn <pb/> Sie sich vielleicht dazu entschließen könnten, im <hi rend="underline">Pädagogium</hi>, dessen Mitarbeiter Sie sind, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2742"/>auf meine Schrift kritisch einzugehen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2742"/>, und Ihre Stellung zu den von mir gegebenen Ausführungen vielleicht eingehender zu entwickeln. –</p><p>Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2743"/>Autobiographie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2743"/> (herausgegeben von <name>Hinrichsen</name>) habe ich mit ebensoviel Interesse und Theilnahme gelesen, und wünsche, daß es Ihnen noch lange vergönnt sein möge, für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2744"/>„Freiheit der Wissenschaft“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2744"/> zu kämpfen.</p><p>In vollkommener Hochachtung Ihr ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2735"><lem>Professor!</lem><note>danach 2 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2736"><lem>beiliegende Schrift</lem><note>dem Zusammenhang nach Vaihinger: Naturforschung und Schule. Eine Zurückweisung der Angriffe Preyers auf das Gymnasium vom Standpunkte der Entwicklungslehre. Ein Vortrag in der dritten allgemeinen Sitzung der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln am 22. September 1888 gehalten. Köln/Leipzig: Albert Ahn 1889.<anchor type="delimiter"/> <abbr>Vgl.</abbr> dort <abbr>S.</abbr> 29, <abbr>Anm.</abbr> 14:</note><rdg> (Zu S. 10.) Bei Schelling ist das Prinzip direkt und indirekt mannigfach ausgesprochen und von ihm aus auch auf seine Schüler übergegangen: so auf Wagner, Blasche, bes. auf Graser („Divinitat“ I, 18 ff.); hieher ist auch der allerdings sehr phantastische Fr. Rohmer zu rechnen („Wissenschaft vom Menschen“ II, 255 ff., „Wissenschaft und Leben“ III, 159 ff.). Auch die ganze Krausesche philosophisch-pädagogische Richtung, aus welcher wieder Fröbel hervorgegangen ist, hat das Prinzip deutlich ausgesprochen. Als ein Ausläufer dieser Richtung ist auch Frohschamer [!] zu erwähnen: „Die Genesis der Menschheit“, München, Ackermann, 1873, dazu dessen Artikel „Der Fortschritt“ in Dittes’ „Pädagogium“ 1887, X, S. 1 ff. Vgl. auch desselben „Organisation und Kultur der menschlichen Gesellschaft“ 1885, S. 277, 337, 349, 392, 416.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2738"><lem>Seite 29 in der Anmerkung <abbr>Nr.</abbr> 14</lem><note><abbr>vgl.</abbr> vorstehenden Kommentar</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2739"><lem><name>Carrière</name></lem><rdg>Carriere</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2740"><lem><name>Carrière</name><name/> in der Münchener „Allgemeinen Zeitung“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Moritz Carrière: Die Entwicklung des Menschen und der Menschheit. In: Beilage zur Allgemeinen Zeitung, <abbr>Nr.</abbr> 9 vom 9.1.1889, <abbr>S.</abbr> 121–122 (<ref type="link">https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/presentation/v2/bsb00085519/canvas/149/view</ref> (20.8.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2741"><lem>Bildung zu fördern</lem><rdg>Bildung fördern</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2742"><lem>auf meine Schrift kritisch einzugehen</lem><note>die Rede ist von der Zeitschrift Paedagogium. Monatsschrift für Erziehung und Unterricht (1878/1879–1896), deren <abbr>Hg.</abbr> <name>Friedrich Dittes</name> war. <name>Frohschammer</name> veröffentlichte darin regelmäßig, allerdings erschien dort keine Besprechung der Schrift Vaihingers.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2743"><lem>Autobiographie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Frohschammer: Eine Autobiographie. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Adolf Hinrichsen. Berlin 1888 (Deutsche Denker und ihre Geistesschöpfungen <abbr>Bd.</abbr> 2/3).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2744"><lem>„Freiheit der Wissenschaft“</lem><note>Anspielung auf die Streitschriften Frohschammers: Ueber die Freiheit der Wissenschaft. München: Lentner (Stahl) 1861; Die Historisch-politischen Blätter und die Freiheit der Wissenschaft. München: Lentner (Stahl) 1861; Das Recht der eigenen Ueberzeugung. Leipzig: Fues (Reisland) 1869.</note></app></listApp></back></text></TEI>