<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000402-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>20.12.1888</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0402" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000402-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1888-12-20">20.12.1888</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118523813">Charles Darwin</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118538918">Gottfried Gervinus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118596411">William Thierry Preyer</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>20.12.1888</date><anchor type="delimiter"/>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></head></front><body><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S. 20.XII.88.</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr Geheimer Regierungsrath &amp; <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2675"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2675"/></salute><p>Nicht ohne einiges Zagen nehme ich mir die Freiheit, Ihnen Verehrtester Herr GeheimeRath, ein Exemplar meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2676"/>Kölner Rede gegen <name>Preyer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2676"/><name/> zu übersenden.</p><p>Wenn ich auch natürlich weiß, daß Sie im Allgemeinen den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2677"/>Kampf gegen <name>Preyer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2677"/> billigen, so bin ich doch nicht dessen sicher, ob Sie nun gerade die von mir vertretene Kampfform billigen werden. <pb/> Es wird wohl vielfach Anstoß erregen, daß ich mich so rückhaltlos auf den Standpunkt des <name>Darwin</name>ismus und der Physiologischen Psychologie stelle, und auch wer damit übereinstimmt, wird doch noch der Übertragung des biogenetischen Grundgesetzes auf die geistige Entwicklung mannigfache Bedenken entgegenbringen. Wenn ich nun auch nicht weiß, wie Sie, hochverehrter Herr GeheimeRath, darüber denken, so glaube ich doch, daß Sie den Gedanken des allgemeinen Parallelismus der individuellen und der generellen Entwicklung nicht unsympathisch aufnehmen werden, umsomehr, als <name>Gervinus</name>, dem Sie ja in Ihren <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2678"/>„Vorträgen und Abhandlungen“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2678"/> ein so schönes Denkmal gesetzt haben, denselben so schön und scharf vertreten hat, wie ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2679"/><abbr>S.</abbr> 38, 42, 43<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2679"/> nachgewiesen habe.</p><p>Daß ich mit der biologisch-culturhistorischen Begründung der Nothwendigkeit des klassischen Unterrichts den üblichen Gesichtspunkt der formalen Bildung nicht verdrängen will, habe ich ausdrücklich gesagt <abbr>S.</abbr> 51, woselbst ich mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2680"/>auf Sie berufen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2680"/> konnte.</p><p>Es wäre mir von höchstem Werthe und eine große Ehre, wenn ich, hochverehrter Herr GeheimeRath, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2681"/>von Ihnen erfahren dürfte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2681"/>, was Sie von dem Grundprincip meines Vortrages und seiner Haltbarkeit denken? Ist der Gedanke der <pb/> suczessiven Hindurchführung des Individuums durch die Kulturstufen der Menschheit (der europäischen Kultur-Menschheit) ein haltbarer? Ist dann ferner die Begründung dieses Gedankens auf das biogenetische Gesetz zulässig?</p><p>Auf alle Fälle glaube ich, daß die neuen Waffen, welche ich den Vertretern des Gymnasialprincips in meinem Vortrag darbiete, nicht ohne Weiteres zu verschmähen sind, angesichts der drohenden Gefahr, welche noch immer über unseren Gymnasien und damit über unserer ganzen geistigen Bildung schwebt.</p><p>In herzlicher Verehrung Ihr ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2675"><lem>Professor!</lem><note>danach 2 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2676"><lem>Kölner Rede gegen <name>Preyer</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Druckfassung: Vaihinger: Naturforschung und Schule. Eine Zurückweisung der Angriffe Preyers auf das Gymnasium vom Standpunkte der Entwicklungslehre. Ein Vortrag in der dritten allgemeinen Sitzung der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln am 22. September 1888 gehalten. Köln/Leipzig: Albert Ahn 1889.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2677"><lem>Kampf gegen <name>Preyer</name></lem><note><abbr>bzw.</abbr> dessen Schrift: Naturforschung und Schule. Stuttgart: Speemann 1887. – <name>William Thierry Preyer</name> (1842–1897), Physiologe, war von 1869–1888 <abbr>o. Prof.</abbr> an der Universität Jena (<abbr>ADB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2678"><lem>„Vorträgen und Abhandlungen“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller: Drei deutsche Gelehrte: 3. Georg Gottfried Gervinus (Worte an seinem Grabe in Heidelberg den 20. März 1871 gesprochen). In <abbr>ders.</abbr>: Vorträge und Abhandlungen. Zweite Sammlung. Leipzig: Fues (Reisland) 1877, <abbr>S.</abbr> 372–379.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2679"><lem><abbr>S.</abbr> 38, 42, 43</lem><note>Vaihinger zitiert in seiner Rede gegen <name>Preyer</name> aus Gervinus: Historische Schriften <abbr>Bd.</abbr> 7, Karlsruhe 1838.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2680"><lem>auf Sie berufen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in Vaihingers Rede gegen Preyer <abbr>S.</abbr> 51: </note><rdg>Man vergleiche hierzu die vortrefflichen Bemerkungen gegen Preyer von E. Zeller in seinem Essay: „Über die Bedeutung der Sprache und des Sprachunterrichts für das geistige Leben“ im Märzheft der „Deutschen Rundschau“ von 1884, wiederabgedruckt in Zellers „Vorträgen und Abhandlungen“, zweite Sammlung 1884, bes. S. 147 ff.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2681"><lem>von Ihnen erfahren dürfte</lem><note>etwaiges Schreiben Zellers nicht ermittelt</note></app></listApp></back></text></TEI>