<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000389-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>7.1.1888</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0389" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000389-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1888-01-07">7.1.1888</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/115698698">Albrecht Wagner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118933299">Carl Stumpf</name></note><note type="repository">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Theodor Althoff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>7.1.1888</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</bibl></head></front><body><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2576"/>Hochzuverehrender<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2576"/> Herr Geheimer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2577"/>Regierungsrath!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2577"/></salute><p>Meine innige Dankbarkeit für Ihre große Güte, durch welche ich vor bald vier Jahren hieher nach Halle berufen worden bin, glaubte ich bisher Ihnen nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2578"/>besser<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2578"/> beweisen zu können, als indem ich Sie, dessen Zeit und Kraft so ungemein in Anspruch genommen werden, mündlich und schriftlich möglichst wenig belästige.</p><p>Wenn ich nun doch, nach vier Jahren, es wage, mich <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren mit einer Bitte ergebenst zu nahen, so glaube ich dies genügend motiviren zu können.</p><p>Als <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren mich hieher zu berufen die Gewogenheit hatten, bewilligten Sie mir einen Gehalt von 2500 Mark. Dazu treten nun (außer dem üblichen Wohnungszuschuß) in den ersten drei Jahren meines hiesigen Aufenthaltes noch die Einnahmen, welche ich als Mitglied <pb/> der Prüfungscommission bezog, und welche, Alles in Allem genommen, nahezu 500 Mark betrugen.</p><p>Seitdem nun aber statt meiner Herr Professor <name>Stumpf</name> in die Prüfungscommission aufgenommen worden ist, ist diese, für meine Verhältnisse nicht unbeträchtliche, Einnahme, auf welche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2579"/>ich von Anfang verwiesen worden war und gerechnet hatte, weggefallen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2579"/></p><p>Ich würde es nun, trotzdem ich keine anderen Einnahmequellen habe, nicht wagen, Sie mit einer Bitte um Aufbesserung meines Gehaltes vielleicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2580"/>auf dreitausend Mark<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2580"/> zu belästigen, wenn ich nicht durch den erwähnten Ausfall meiner Einnahmen daran gehindert würde, meine Gesundheit so zu pflegen, wie es meine durch die hiesige Luft etwas angegriffene Constitution erfordert. So ist <abbr>z. B.</abbr> ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2581"/>mehrwöchiger Aufenthalt an der See<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2581"/>, der mir dringend <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2582"/>jährlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2582"/> angeraten ist, mit meinen jetzigen Einnahmeverhältnissen fast nicht zu vereinigen. Und doch liegt es gewiß im Interesse der Sache, daß ich in den Stand gesetzt werde, das große, seit Jahren aufgehäufte <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2583"/>Material für die Fortsetzung meines <name>Kant</name>werkes zu verarbeiten.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2583"/></p><p>An das Beste aber, an die Gründung einer Familie, kann ich bei meinen jetzigen Einnahmen schon gar nicht denken. Die Collegiengelder sind hier, wo so viele arme Studirende sind, so niedrig und es wird so viel gestundet, daß ich daraus auch nur einige hundert Mark beziehe. Wie die Verhältnisse in dieser Beziehung hier liegen, ist ja <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz bekannt und es spielt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2584"/>dieser Umstand ja bei Berufungen hieher, wie <abbr>z. B.</abbr> bei der Berufung des Herrn <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2585"/>Professor <name>Wagner</name> aus Göttingen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2585"/>, eine bedeutende Rolle in der Bemessung des Gehaltes.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2584"/></p><p>Indem ich nun <abbr>Ew. </abbr>Hochwohlgeboren meine Bitte zu gütiger Erwägung und Berücksichtigung vertrauensvoll anheimstelle, ergreife ich die Gelegenheit, den Gefühlen der Dankbarkeit und Verehrung Ausdruck zu geben, die ich Ihnen gegenüber stets hegen werde.</p><p><abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren verehrungsvoll ergebenster</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2586"/>H. Vaihinger.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2586"/></signed><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S. den 7. Januar 1888.</dateline></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2576"><lem>Hochzuverehrender</lem><note>darüber mit Bleistift Zeichen </note><rdg>∅</rdg><note> und Notiz von Althoffs <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>Gehaltserhöhung gewünscht. | Abwinken.</rdg><note> Unter Anrede: </note><rdg>Literar. Arbeiten seit 4 Jahren?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2577"><lem>Regierungsrath!</lem><note>danach 3 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2578"><lem>besser</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2579"><lem>ich … weggefallen.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen, daneben: </note><rdg>!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2580"><lem>auf dreitausend Mark</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2581"><lem>mehrwöchiger Aufenthalt an der See</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2582"><lem>jährlich</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2583"><lem>Material … verarbeiten.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2585"><lem>Professor <name>Wagner</name> aus Göttingen</lem><note><name>Albrecht Wagner</name> (1850–1909), Anglist, 1885 <abbr>ao. Prof.</abbr> in Göttingen, 1887 Lehrstuhlvertretung in Halle, 1889 dort <abbr>o. Prof.</abbr> (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/wagneralbrecht.html</ref> (19.8.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2584"><lem>dieser … Gehaltes.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2586"><lem>H. Vaihinger.</lem><note>davor 4 Zeilen frei gelassen</note></app></listApp></back></text></TEI>