<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000339-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>13.7.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0339" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000339-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1884-07-13">13.7.1884</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118717162">Arnold Geulincx</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/138219885">Karl Ferdinand Friedrich Müller</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118571249">Gottfried Wilhelm Leibniz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117057436">Theodor Lipps</name><name>streichen!</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118616692">Rudolf Stammler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118933299">Carl Stumpf</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119331586">Hermann Ulrici</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>13.7.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></head></front><body><dateline>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S den 13.VII.84.</dateline><salute>Hohzuverehrender Herr Geheime Rath, verehrtester Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2181"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2181"/></salute><p>Genehmigen Sie den Ausdruck des ergebensten Dankes für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2182"/>Ihre beiden letzten gütigen Sendungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2182"/>, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2183"/>Abhandlung über <name>Geulincx</name> und <name>Leibniz</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2183"/> und den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2184"/>dritten Band der „Vorträge und Abhandlungen“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2184"/>. Indem die erstere ein vielfach behandeltes Problem definitiv löst, ist sie zugleich ein Zeugniß jener vorbildlichen Methode, durch welche Sie Ihr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2185"/>Werk über die griechische Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2185"/> <hi rend="underline">so</hi> geschaffen haben, daß <pb/> es nur mit der Erinnerung der Menschheit an die griechische Philosophie selbst untergehen kann.</p><p>Was aber das klassische Alterthum der Menschheit sei, dies schon so oft Erörterte haben Sie doch in so neuen Wendungen und mit solcher Energie in <abbr>Nr.</abbr> VI Ihres neuen Bandes der Vorträge gesagt, daß man demselben schon aus diesem Grunde die weiteste Verbreitung wünschen muß. Welcher Ursache die verschiedene Vorbereitung der Studirenden auf die Universität sei, welche Übelstände der pädagogische Dualismus der Zeit gerade auf den Universitäten mit sich bringt, das haben Sie in <abbr>Nr.</abbr> V angedeutet. Jeder academische Lehrer hat Gelegenheit genug, das zu constatiren; auch bei den Prüfungsarbeiten der Candidaten merkt <pb/> man das schmerzlich. Auch Realschulabiturienten machen unter Umständen gute Arbeiten, aber <hi rend="underline">so</hi> schlecht, wie sie von Realschulabiturienten geliefert werden, erhält <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2186"/>man sie <hi rend="underline">doch</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2186"/> niemals von Gymnasialabiturienten.</p><p>Mit ganz besonderem Interesse habe ich mich, soweit es mir meine während dieses Semesters besonders durch die Examina sehr beschränkte Zeit erlaubt, in die Abhandlung über die Realität der Außenwelt hineingearbeitet. Die verschiedenen Seiten des schwierigen Problems sind nunmehr mit solcher Dialektik auseinandergesetzt, daß für jede fernere Behandlung des Gegenstands der formale Boden geschaffen ist, auf dem man sich zu bewegen hat – und ich glaube, daß auch material Ihre Beantwortung diejenige ist, <pb/> auf welche man doch definitiv wird hinauskommen müssen.</p><p>Für <name>Ulrici</name> scheint <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2187"/><name>Stumpf</name> berufen zu werden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2187"/>; darauf lässt die Ernennung von <name>Lipps</name> zum E<add>[xtra]</add>O<add>[rdinarius]</add> in Bonn schließen, und vor Allem der Umstand, daß (wie üblich) der hiesige acad<add>[emische]</add> Senat von der Regirung wegen der kathol<add>[ischen]</add> Confession <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2188"/>von <name>Stumpf</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2188"/><name/> interpellirt worden ist: der Senat hatte nichts einzuwenden.</p><p>Daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2189"/><name>Müller</name>, mein Conpromotionale<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2189"/>, hieher kommt, freut mich herzlich.</p><p>Gestatten Sie, hochzuverehrender Herr GeheimeRath, den Ausdruck wiederholten Dankes für Ihre gütigen Sendungen nebst der Versicherung herzlicher Verehrung, mit der ich zeichne <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2181"><lem>Professor!</lem><note>danach 3 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2182"><lem>Ihre beiden letzten gütigen Sendungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller an Vaihinger vom 6.6.1884, etwaige Begleitschreiben zu den Sendungen sind nicht überliefert.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2183"><lem>Abhandlung über <name>Geulincx</name> und <name>Leibniz</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller: Über die erste Ausgabe von Geulincx’ Ethic und Leibniz’ Verhältniss zu Geulincx’ Occasionalismus. In: Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 2. Halbband. Juni bis December. Berlin: Königliche Akademie/Dümmler 1884, <abbr>S.</abbr> 673–695 (auch separat erschienen).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2184"><lem>dritten Band der „Vorträge und Abhandlungen“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller: Vorträge und Abhandlungen. Dritte Sammlung. Leipzig: Fues (Reisland) 1884. Vorwort: Berlin, 31. Mai 1884. Inhalt: I. Die Lehre des Aristoteles von der Ewigkeit der Welt (1878.1884); II. Ueber die griechischen Vorgänger Darwin's (1878); III. Eine heidnische Apokalypse (1882); IV. Ueber den wissenschaftlichen Unterricht bei den Griechen (1878); V. Ueber akademisches Lehren und Lernen (1879); VI. Ueber die Bedeutung der Sprache und des Sprachunterrichts für das geistige Leben (1884); VII. Ueber das Kantische Moralprincip und den Gegensatz formaler und materialer Moralprincipien (1879); VIII. Ueber Begriff und Begründung der sittlichen Gesetze (1882); IX. Ueber die Gründe unseres Glaubens an die Realität der Aussenwelt (1884). 2. und 3. Sammlung 1877/1884 in Vaihingers Privatbibliothek enthalten (<abbr>vgl.</abbr> das Verzeichnis: <ref type="link">https://chssl.lib.hit-u.ac.jp/images/2020/02/Catalog_Hitotsubashi_Soda.pdf</ref> (9.8.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2185"><lem>Werk über die griechische Philosophie</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller: Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung (zuerst 1844–1852).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2186"><lem>man sie <hi rend="underline">doch</hi></lem><rdg>man <hi rend="underline">doch</hi></rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2187"><lem><name>Stumpf</name> berufen zu werden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 27.6.1884 sowie noch am 17.12.1885 <name>Rudolf Stammler</name> aus Halle an <name>Paul Natorp</name>: </note><rdg>Ob ich hier helfen könnte, Dich eventuell gleich hierher zu bringen, wage ich nicht zu hoffen; es käme darauf an […] ob ich mit Stumpf näher bekannt würde; ich fürchte eben nur, daß er an eigenen Kandidaten nicht Mangel leidet; Freund Vaihinger dürfte freilich schwerlich dabei sein</rdg><note> (Holzhey: Cohen und Natorp <abbr>Bd.</abbr> 2, <abbr>S.</abbr> 162).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2188"><lem>von <name>Stumpf</name></lem><note>Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>derselbe</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2189"><lem><name>Müller</name>, mein Conpromotionale</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 27.6.1884. <name>Karl Ferdinand Friedrich Müller</name> und Vaihinger waren Studienkollegen (und Repetenten) am Tübinger Stift und wurden dort 1874 gemeinsam gradutiert, wie das Wort Conpromotionale aussagt.</note></app></listApp></back></text></TEI>