<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000332-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Bartholomäus von Carneri</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>11.5.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-178311</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0332" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000332-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1884-05-11">11.5.1884</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119027690">Bartholomäus von Carneri</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116764694">Friedrich Goltz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-178311</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Bartholomäus von Carneri</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>11.5.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-178311</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2130"/>Halle <hi rend="superscript">a</hi>/S.</dateline><dateline>Friedrichstr 2</dateline><dateline>11.V.84.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2130"/></dateline><salute>Hochverehrter Herr!</salute><p>Sie werden sehr erstaunt sein, einen Brief von mir aus Halle zu erhalten: ich bin hierher berufen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2131"/>(als Extraordinarius, mit auskömmlichem Gehalt) und bin also nun königlich Preußischer Professor.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2131"/> Die Sache hat sich außerordentlich rasch gemacht. Ich bin zum Ersatz für <name>Glogau</name> hieher gekommen, welcher nach Kiel als Ordinarius berufen ist: (an Stelle des <name>B. Erdmann</name>, der nach Breslau versetzt ist).</p><p>Auch ich war übrigens <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2132"/>in Kiel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2132"/> <pb/> vorgeschlagen, und zwar vor <name>Glogau</name>; dieser war secundo loco, ich aber primo loco vorgeschlagen. Aus verschiedenen persönlichen Gründen hat die Regierung <name>Glogau</name> für Kiel vorgezogen und mir nunmehr dessen Stelle übertragen.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2133"/>Ich habe Straßburg aber doch sehr ungern verlassen; ich war 7 Jahre daselbst. Da knüpften sich gar manche enge freundschaftliche Beziehungen. Ich habe mir daselbst unter den älteren Männern Freunde fürs Leben erworben. So war mir der Abschied nicht leicht.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2133"/></p><p>Hier fand ich allgemein eine sehr liebenswürdige Aufnahme, und habe mich sehr rasch eingelebt und zurechtgefunden. <pb/></p><p>Ich sende Ihnen zugleich meine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2134"/>neueste Arbeit über <name>Kant</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2134"/><name/>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2135"/>Dieselbe ist den traditionellen Auffassungen gegenüber sehr radical.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2135"/> Gerne, sehr gerne würde ich daher Ihre Ansichten über die neue Darstellung und Beurtheilung <name>Kant</name>s von Ihnen entgegennehmen, Ihre Anmerkungen oder auch Einwände. Ganz besonders würde mich es freuen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2136"/>wenn Sie Ihre Gedanken über das Thema, im Anschluß an meine Abhandlung, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2137"/>in einem Kosmos-Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2137"/> niederlegen würden; dann würden auch Andere den Vortheil davon haben, nicht nur ich allein. Hoffentlich läßt Ihnen jetzt Ihre parlamentarische Stellung noch Zeit genug<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2136"/> für philosophische Production. Ich habe Ihnen <pb/> noch für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2138"/>die Zusendung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2138"/> Ihrer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2139"/>letzten schneidigen Budgetrede<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2139"/> zu danken; ich habe dieselbe <abbr>Prof.</abbr> <name>Goltz</name> mitgetheilt, der sich viel mehr als ich für die Politik interessirt: ich für meinen Theil, wohl bewußt meiner Grenzen, enthalte mich jeglicher politischen Thätigkeit; ich habe zwar für meine Person eine scharf ausgeprägte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2140"/>von den üblichen Parteiprogrammen ziemlich abweichende<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2140"/> politische Meinung, habe mir es aber zum Princip gemacht, mich niemals an politischen Parteikämpfen zu betheiligen – natürlich, außer wo es für jeden Bürger des Staates Ehrensache wird.</p><p>In der Hoffnung baldiger Nachricht von Ihnen Ihr herzlich ergebener</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2130"><lem>Halle … 84.</lem><note> links daneben Berechnung (?)von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift: </note><rdg>164/86/87/164</rdg><note> (untereinander geschrieben)</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2131"><lem>(als … Professor.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2132"><lem>in Kiel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Briefwechsel Vaihingers mit Eduard Zeller von Februar und März 1884.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2133"><lem>Ich … leicht.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2134"><lem>neueste Arbeit über <name>Kant</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Carneri vom 15.1.1884</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2135"><lem>Dieselbe … radical.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2137"><lem>in einem Kosmos-Artikel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carneri an Vaihinger vom 15.5.1884</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2136"><lem>wenn …genug</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2138"><lem>die Zusendung</lem><note>angekündigt in Carneri an Vaihinger vom 20.2.1884</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2139"><lem>letzten schneidigen Budgetrede</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carneri an Vaihinger vom 20.2.1884 sowie Neue Freie Presse, <abbr>Nr.</abbr> 7036 vom 29.3.1884, Morgenblatt, <abbr>S.</abbr> 4.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2140"><lem>von den üblichen Parteiprogrammen ziemlich abweichende</lem><note>Einfügung zwischen den Zeilen</note></app></listApp></back></text></TEI>