<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000329-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>29.4.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0329" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000329-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1884-04-29">29.4.1884</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118509616">George Berkeley</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>29.4.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></head></front><body><dateline>Halle a/S den 29.IV.84.</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr GeheimeRath und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2102"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2102"/></salute><p>Bei meinem jüngsten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2103"/>Besuche bei Ihnen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2103"/> vergaß ich an <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren die ganz ergebenste Bitte zu richten, Sie möchten etwa Ihnen aufstoßende Bedenken und Einwände gegen meine Auffassung <name>Kant</name>s in meinem Aufsatze gütigst mir nicht vorenthalten, sondern mir im Interesse der Sache wohlwollend mittheilen. Natürlich wird ja meine Auffassung auch die Behandlung in meinem Commentar <pb/> in der Folgezeit beeinflussen, und daher muß es mir von höchstem Werthe sein, Urtheile über meine neue Auffassung von so maßgebender Seite entgegenzunehmen und zu verwerthen.</p><p>Das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2104"/>Festbuch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2104"/> wird ja wohl nun in Ihren Händen sein. Wenn ich mir erlauben darf, noch einmal von der <hi rend="underline">Genesis</hi> meiner neuen Auffassung zu sprechen, so möchte ich auf folgende Punkte hauptsächlich aufmerksam machen: auf die <hi rend="underline"><abbr>S.</abbr> 107 <abbr>ff</abbr></hi> und <hi rend="underline"><abbr>S.</abbr> 126 <abbr>ff</abbr></hi> dargestellte Doppelseitigkeit der <name>Berkeley</name>’schen Lehre. So einfach die Sache erscheint, so kann ich mich doch nicht erinnern, anderwärts diese Darstellung gefunden zu haben. Und wenigstens <pb/> persönlich brachte diese Auffassung neues Licht, wie mir überhaupt <name>Kant</name> in der historischen Beleuchtung durchsichtiger erschien. (auch <abbr>S.</abbr> 139.)</p><p>Dann stellte sich mir der Unterschied der beiden Auflagen in der <abbr>S.</abbr> <hi rend="underline">129 <abbr>ff</abbr></hi> geschilderten Weise neu dar. Dies brachte mich darauf, <name>Fischer</name>s Darstellung beizustimmen.</p><p>Nach dieser Distinction kam mir ungesucht – eines Abends – der Gedankengang, den ich <abbr>S.</abbr> 140 <abbr>ff</abbr> dargestellt habe: die Erkenntniß, daß die neue Darstellung in der 2. Aufl<add>[age]</add> nicht, wie <name>Fischer</name> meint, ein <hi rend="underline">Abfall</hi> sei (und wie ich früher selbst gemeint hatte) sondern die eigentliche <hi rend="underline">Consequenz</hi> aus <name>Kant</name>s Prämissen. <pb/></p><p>Erst während des Druckes schob ich endlich den Abschnitt <abbr>S.</abbr> <hi rend="underline">154–159</hi> über das Opus Posthumum ein.</p><p>Meine Auffassung wird vielleicht mannigfachem Widerspruch begegnen. Ich werde jegliche Belehrung dankbarst annehmen. Mir ist es rein nur um die Sache zu thun.</p><p>In der angenehmen Hoffnung auf die gütige Erfüllung meiner Bitte zeichnet in herzlicher Verehrung <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed><postscript><p>Ihrer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2105"/>Frau Gemahlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2105"/> bitte ich mich noch besonders angelegentlich zu empfehlen.</p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2102"><lem>Professor!</lem><note>danach 3 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2103"><lem>Besuche bei Ihnen</lem><note>Termin nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2104"><lem>Festbuch</lem><note>Strassburger Abhandlungen zur Philosophie. Eduard Zeller zu seinem siebenzigsten Geburtstage. Freiburg i. Br./Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1884, darin Vaihinger: Zu Kants Widerlegung des Idealismus, <abbr>S.</abbr> 85–164.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2105"><lem>Frau Gemahlin</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 7.4.1884</note></app></listApp></back></text></TEI>