<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000311-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>11.2.1884</date>, <note>7 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0311" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000311-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1884-02-11">11.2.1884</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/104197072">Carl Ledderhose</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>11.2.1884</date>, <note>7 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></head></front><body><dateline>Straßburg 11. Febr<add>[uar]</add> 1884.</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr GeheimeRath, verehrtester Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1985"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1985"/></salute><p>Genehmigen <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren den Ausdruck des herzlichsten und tiefsten Dankes für die gütige und wohlwollende Art und Weise, in der Sie sich meiner Angelegenheit annehmen. Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1986"/>mir gütigst gemachten Mittheilungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1986"/> sind nun freilich sehr unangenehmer Natur für mich; ich hatte doch diesmal gedacht, nach so vielen Stürmen und Enttäuschungen endlich in einen ruhigen Hafen einlaufen zu dürfen.</p><p>Besonders bedauerlich ist dabei das Mißverständniß des Herrn Geh<add>[eimen]</add> Rath <name>Althoff</name>, daß ich hier in günstiger Situation mich befinde und einen Gehalt von 2000 <abbr>M.</abbr> beziehe. Ich habe, erstaunt über diese Mittheilung, soeben mit dem Herrn Curator <name>Ledderhose</name> hier Rücksprache genommen, der dieser Tage in Berlin war, und wie er mir soeben mittheilte, <pb/> mit Herrn Geh<add>[eimen]</add> Rath <name>Althoff</name> auch über meinen Fall gesprochen hat. Herr <name>Ledderhose</name> war um so mehr erstaunt hierüber, als er Herrn A<add>[lthoff]</add> genau mitgetheilt habe, daß ich <hi rend="underline">keinen festen Gehalt</hi> habe; und das ich <hi rend="underline">Remunerationen bis</hi> zu 1500 <abbr>M.</abbr> pro Jahr beziehe und daß diese Remuneration aus dem <hi rend="underline">Privatdozentenfonds</hi> bezahlt werden. Herr L<add>[edderhose]</add> kann sich das Mißverständniß des Herrn Geh<add>[eimen]</add> Rath A<add>[lthoff]</add> nur so erklären, daß Letzterer meinen Fall mit dem Fall eines <hi rend="underline">anderen</hi> hiesigen Extraordinarius verwechselt, welcher allerdings 2000 <abbr>M.</abbr> Gehalt bezieht. Ich erlaube mir noch zum Überfluß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1987"/>zwei Beilagen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1987"/> mitzusenden, (um deren <hi rend="underline">gelegentliche</hi> Retournierung ich <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ergebenst ersuche) aus dem diese Facta documentarisch hervorgehen; daß diese Remunerationen dazu noch aus dem Privatdozentenfonds <pb/> fließen, ist mir schon lange bekannt und auch heute von Herrn <name>Ledderhose</name> ausdrücklich bestätigt worden; er fügte noch hinzu, daß eben aus diesem Grunde diese Summe von 1500 Mark <hi rend="underline">nicht überschritten</hi> werden könne, weil diese Summe auch in Preußen das Maximum dessen sei, was dem Einzelnen aus diesem Fonds gereicht werden könne.</p><p>Meine Stellung ist somit hier so ungünstig wie möglich. Daß sie eines Mannes in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1988"/>meinem Alter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1988"/> unwürdig ist, davon will ich gar nicht reden.</p><p>Ich bemerke dazu noch, daß nach der ausdrücklichen Versicherung des Herrn Curators diese meine Stellung auch in den folgenden nächsten Jahren <hi rend="underline">nicht</hi> zu ändern ist; daß ich also allen Grund habe, eine baldige Änderung meiner Verhältnisse zu wünschen. <pb/></p><p>Daß die theologische Facultät <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1989"/>in Kiel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1989"/> gegen meine philosophische Richtung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1990"/>Einwände macht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1990"/>, ist mir deshalb erstaunlich, weil die theolog<add>[ische]</add> Facultät <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1991"/>in Basel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1991"/>, wo ich von vor einem Jahre vorgeschlagen war, sich mir gegenüber freundlich stellte; und doch ist die Baseler Fakultät nicht freisinniger als die Kieler. Ich glaube versichern zu dürfen, daß, was das <hi rend="underline">persönliche</hi> Verhältnis betrifft, der meinerseits auszuübende kollegiale <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1992"/>Takt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1992"/> jedem unliebsamen Mißverständniß vorbeugen dürfte, und was die <hi rend="underline">sachliche</hi> Stellung betrifft, so schließt schon meine allgemeine, staatliche und politische Überzeugung es ein, daß ich es für falsch halten würde, den Mitgliedern und Studenten der theologischen Facultät durch unnöthige Angriffe als feindselige Haltung Anstoß zu geben. Ich habe auch hier mit Professoren und Studierenden der Theologie freundschaftlichen Verkehr und habe es, meiner <pb/> ganzen Natur nach, nie schwer gefunden, auf der Basis gegenseitiger Achtung und discreter Reserve auf freundlichem Fuße mit den Theologen zu leben. In dieser Hinsicht glaube ich also die Bedenken gegen mich für nicht gegründet halten zu dürfen, und bezweifle, ob irgend ein Anderer von denjenigen, welche in Betracht kommen mögen, mehr Garantien für ein tactvolles Verhalten bietet. Auch ist ja meine systematische Stellung im Wesentlichen mit der von Herrn Professor <name>B. Erdmann</name> identisch. –</p><p>Ich will mit diesen beiden Berichtigungen – meine hiesige pecuniäre Stellung und die Bedenken der Theologen betreffend – nicht den höheren Rücksichten und Gesichtspunkten der Regirung meine persönlichen Wünsche gegenüberstellen; es ist <hi rend="underline">überhaupt</hi> in meinem Interesse jene beiden <pb/> Punkte in das richtige Licht zu rücken. Es ist mir sehr erfreulich und sehr tröstlich, daß an maaßgebender Stelle überhaupt meiner mit Wohlwollen gedacht wird und daß bei den Combinationen für die Zukunft auch meine Person in einer mich sehr ehrenden Weise berücksichtigt wird. Ich kann für dieses Zeichen gütigen Wohlwollens nicht dankbar genug sein. Aber ob ich es so leicht wieder so günstig treffen werde, daß mich eine Facultät primo loco einstimmig vorschlägt? Ob bei einer eventuellen Vacanz nicht andere Personen, andere Rücksichten, die sich jetzt noch gar nicht vorsehen lassen, geltend gemacht werden können? Ob nicht <pb/> gerade die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1993"/>Vakanz in Halle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1993"/> selbst Gelegenheit bietet, jetzt zu gleicher Zeit alle Wünsche und alle Ansprüche zu befriedigen? ich meine – <hi rend="underline">Wünsche</hi> von <hi rend="underline">meiner</hi> Seite, Ansprüche von anderer Seite.</p><p>Möchten Sie, hochzuverehrender Herr Geheime Rath, Gelegenheit nehmen, diese Gesichtspunkte nach Ihrem eigenen Ermessen geltend zu machen; und genehmigen Sie den Ausdruck meines tiefsten Dankes für den erneuten Beweis Ihres gütigen Wohlwollens und Ihrer theilnehmenden Fürsorge für mich.</p><p>In dankbarster Verehrung <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1985"><lem>Professor!</lem><note>danach 3 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1986"><lem>mir gütigst gemachten Mittheilungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller an Vaihinger vom 8.2.1884</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1987"><lem>zwei Beilagen</lem><note>liegen dem Schreiben nicht bei</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1988"><lem>meinem Alter</lem><note>Vaihinger war zum Zeitpunkt der Abfassung des vorliegenden Schreibens 31 Jahre alt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1989"><lem>in Kiel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1990"><lem>Einwände macht</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 14.2.1884</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1991"><lem>in Basel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 13.6.1883</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1992"><lem>Takt</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1993"><lem>Vakanz in Halle</lem><note>nach <name>Glogau</name>s Berufung nach Kiel, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884.</note></app></listApp></back></text></TEI>