<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000308-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>6.2.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0308" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000308-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1884-02-06">6.2.1884</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116549718">August Krohn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116678666">Emil Heitz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118644890">Friedrich Theodor Althoff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117300187">Gustav Ferdinand Thaulow</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116977051">Gustav Hermann Zeller</name><name>Heinrich Hoseus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118706748">Heinrich Julius Holtzmann</name><name>Julius Hamm</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116851236">Karl Ledderhose</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117300187">Gustav Thaulow</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>6.2.1884</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></head></front><body><dateline>Straßburg i/E den 6. Febr<add>[uar]</add> 1884</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr GeheimeRath, Verehrtester Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1966"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1966"/></salute><p>Nachdem die für <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren anstrengenden Tage der Feier Ihres <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1967"/>siebenzigsten Geburtsfestes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1967"/> und die ersten Eindrücke des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1968"/>tragischen Verlustes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1968"/>, den Sie zu gleicher Zeit erlitten haben, vorüber sind, wage ich es, mich ergebenst an <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren zu wenden und um Ihre gütige Intervention an maaßgebendem <pb/> Orte zu Gunsten meiner Bewerbung um das erledigte Ordinariat in Kiel vertrauensvollst und vertraulichst zu bitten.</p><p>Herr Professor <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1969"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1970"/><name>Benno Erdmann</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1969"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1970"/>, dessen Berufung nach Breslau mir sowohl um der Sache als um seine Person willen große Freude gemacht hat, und dem ich für sein erfolgreiches Eintreten für mich zu herzlichstem Danke verpflichtet bin, hat mir mitgetheilt, daß die philosophische Fakultät in Kiel mich an erster Stelle einstimmig zu seinem Nachfolger vorgeschlagen habe.</p><p>Wenn ich nun auch die angenehme Hoffnung hegen darf, daß die hohe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1971"/>Kgl.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1971"/> Regirung auf diesen Vorschlag eingehen und ihm die Sanction erteilen werde, so weiß <pb/> ich doch nicht, ob nicht höheren Ortes vielleicht andere Intentionen sich geltend machen könnten, und in dieser Ungewißheit glaube ich das Wagnis unternehmen zu dürfen, <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren meine ergebenste Bitte vorzutragen.</p><p>Nicht sich vordrängender Ehrgeiz, sondern meine hiesige Situation macht mir eine Änderung sehr wünschenswerth: der Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1972"/>Curator<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1972"/> unserer Universität hat mir gegenüber diesen Wunsch selbst schon mehrfach in ebenso freundlicher als bestimmter Form ausgesprochen, da er keine Mittel findet, um mir einen regelmäßigen Gehalt zu bieten: denn nach dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1973"/>Wortlaut meines Decretes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1973"/> bin ich auf „Remuneration nach Maaßgabe der verfügbaren Mittel“ angewiesen. Vielleicht herrscht an maaß<pb/>gebendem Orte über diesen Punkt eine irrthümliche Auffassung, die ein mir ungünstiges Resultat herbeiführen könnte.</p><p>Es kommt dann auch noch hinzu, daß die unerquicklichen literarischen und persönlichen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1974"/>Fehden zwischen den beiden hiesigen Ordinarien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1974"/> meine eigene Lage zu einer peinlichen machen und eine Entfaltung der Kraft zu befördern nicht geeignet sind.</p><p>Gestatten Sie mir noch die Nachricht hinzuzufügen, daß die von uns geplante <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1975"/>Festschrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1975"/> Ihnen bald wird zugesendet werden können: der Druck derselben hat schon begonnen.</p><p>Indem ich meine Bitte <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren vertrauensvoll ans Herz lege, drücke ich zugleich die Wünsche zu dem schönen Feste Ihres 70. Geburtstages, die mir die innigste und dankbarste Pietät Ihnen gegenüber eingibt, in herzlichster Weise noch besonders aus, und zeichne in tiefster Verehrung <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1966"><lem>Professor!</lem><note>danach 3 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1967"><lem>siebenzigsten Geburtsfestes</lem><note>am 22. Januar 1884</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1968"><lem>tragischen Verlustes</lem><note>am 21. Januar 1884 war gestorben: <name>Gustav Hermann Zeller </name>(1812–1884), zuletzt Präsident der wüttembergischen Katasterkommission, ein Bruder <name>Eduard Zeller</name>s (<abbr>vgl.</abbr> Zeller an Vaihinger vom 8.2.1884 sowie die genealogischen Angaben in <ref type="link">https://merkel-zeller.de/getperson.php?personID=I16842&amp;tree=Merkel-Zeller</ref>; 7.6.2021).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1969"><lem><name>Benno Erdmann</name></lem><note>1884 waren an der Universität Kiel durch die Berufung <name>Benno Erdmann</name>s nach Breslau und den Tod <name>Gustav Thaulow</name>s zwei ordentliche Professuren freigeworden, für die <name>Friedrich Theodor Althoff</name> geignete Nachfolger suchte. Vaihinger war als Nachfolger für Benno Erdmann in Kiel im Gespräch. <name>Eduard Zeller</name> warb bei Althoff für Vaihinger, <name>Windelband</name> und <name>Otto Liebmann</name> votierten für <name>Gustav Glogau</name>. Glogau wurden gegen den Protest Erdmanns und der philosophischen Fakultät der Universität Kiel berufen, als Nachfolger <name>Thaulow</name>s rückte der Kieler <abbr>ao. Prof.</abbr> <name>August Krohn</name> nach (Ulrich Jahnke: Promotor des Fortschritts!? Friedrich Althoff und die deutsche Universitätspsychologie. In: Bernhard vom Brocke (<abbr>Hg.</abbr>): Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftspolitik im Industriezeitalter. Das „System Althoff“ in historischer Perspektive. Hildesheim: Lax 1991, <abbr>S.</abbr> 319). Vaihinger ging 1884 als <abbr>ao. Prof.</abbr> nach Halle und wurde dort 1894 <abbr>o. Prof.</abbr> (<abbr>BEdPh</abbr>, <abbr>NDB</abbr>). Es ist für das „System Althoff“ bezeichnend, daß Vaihinger im Oktober 1893 ein umfangreiches Dossier über die Dozenten der Philosophie in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sortiert nach </note><rdg>Richtungen</rdg><note>, für <name>Althoff</name> anfertigte (abgedruckt in: Reinhardt Pester (<abbr>Hg.</abbr>): Hermann Lotze Briefe und Dokumente. Mit einem Vorwort <abbr>v.</abbr> E. W. Orth. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 2003, <abbr>S.</abbr> 723–733).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1970"><lem><name>Benno Erdmann</name></lem><rdg>Erdmann</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1971"><lem>Kgl.</lem><note>aufzulösen: Königliche</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1972"><lem>Curator</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Friedrich Paulsen: Die deutschen Universitäten und das Universitätsstudium. Berlin: A. Asher &amp; Co. 1902, <abbr>S.</abbr> 93: </note><rdg>Die Universitäten sind […] unmittelbar dem Ministerium unterstellt. Doch findet sich in Preussen die Einrichtung, dass an den Provinzialuniversitäten ein Kurator als ortsanwesender Vertreter der Zentralinstanz bestellt ist; seine Aufgabe ist, die allgemeine Staatsaufsicht zu üben und für das Gedeihen und die Leistungsfähigkeit der Anstalt in jeder Richtung Sorge zu tragen. Der Verkehr der Universität mit dem Ministerium geht durch seine Hand. </rdg><note>Für Straßburg fungierten 1872–1.8.1887: <name>Carl Ledderhose</name>, von dem hier die Rede ist (lebte <abbr>ca.</abbr> 1821–1899, † 1. oder 2.1.1899 (78jährig)), 1880–1887 gleichzeitig Unterstaatssekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen (Meldung des Todes in Hochschul-Nachrichten (Paul von Salvisberg), <abbr>Nr.</abbr> 4 von Januar 1899, <abbr>S.</abbr> 89); 1888–1895: <name>Heinrich Hoseus</name>/Hosëus (1841–28.4.1897), Unterstaatssekretär für Kultus und Justiz; ab Februar 1895: <name>Julius Hamm</name> (24.4.1839–27.4.1908), Ministerialrat (Kuratorialakten Universität Straßburg <abbr>ADBR</abbr> Strasbourg; <abbr>WBIS</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1973"><lem>Wortlaut meines Decretes</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Erwähnung dieser Verfügung in Karl Ledderhose an Vaihinger vom 7.6.1883 (Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1974"><lem>Fehden zwischen den beiden hiesigen Ordinarien</lem><note>gemeint sind <name>Ernst Laas</name> und <name>Wilhelm Windelband</name>. Der Fakultätsvorschlag zur Besetzung der Nachfolge <name>Otto Liebmann</name>s an der Universität Straßburg, vermutlich von <name>Ernst Laas</name> und Otto Liebmann vor dem 24.5.1882 verfasst, hatte zwar durchaus positiv über Windelband geurteilt (Archives Departementales du Bas-Rhin (<abbr>ADBR</abbr>) Strasbourg, 62 AL 3 (Dekanat Georg Gerland 1882/83), <abbr>Nr.</abbr> 38, Anlage 1), jedoch war <name>Alois Riehl</name> der Favorit der beiden Gutachter. <name>Windelband</name> trat seine Stellung in einem vergifteten Klima an, wie eine Reihe von Eingaben zur Organisation der Arbeit am Straßburger philosophischen Seminar an vorgesetzte Stellen unterstreichen (<abbr>vgl.</abbr> Bohr/Hartung: Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband. Hamburg: Meiner 2020). <name>Laas</name> hatte weder vor, den Direktorenposten des Philosophischen Seminars mit <name>Windelband</name> zu teilen noch den jüngeren Kollegen ohne weiteres in die Prüfungskommission für das Lehramt aufzunehmen. In diese Zeit fällt das Erscheinen von Windelband: Präludien. Aufsätze und Reden zur Einleitung in die Philosophie. Freiburg <abbr>i. B.</abbr>/Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1884, prompt beantwortet von einem polemischen Angriff durch Laas, der einzigen Äußerung über ein Werk <name>Windelband</name>s, dem dieser eine öffentliche Entgegnung widmete. <name>Laas</name> eröffnete den Schlagabtausch mit seinem Artikel: Ueber teleologischen Kriticismus. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 8 (1884), <abbr>S.</abbr> 1–17, <name>Windelband</name> reagierte mit der Replik: Ueber den teleologischen Kriticismus. Zur Abwehr. In: Philosophische Monatshefte 20 (1884), Heft 2/3, <abbr>S.</abbr> 161–169. Die mehr oder weniger öffentlichen Auseinandersetzungen endeten erst mit dem Tod von <name>Ernst Laas</name> am 25.7.1885.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1975"><lem>Festschrift</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Strassburger Abhandlungen zur Philosophie. Eduard Zeller zu seinem siebenzigsten Geburtstage. Freiburg <abbr>i. Br.</abbr>/Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1884. Inhalt: <name>Emil Heitz</name>: Der Philosoph Damascius; <name>Heinrich Julius Holtzmann</name>: Die Gütergemeinschaft der Apostelgeschichte; <name>Ernst Laas</name>: Einige Bemerkungen zur Transcendentalphilosophie. Vaihinger: Zu Kants Widerlegung des Idealismus; <name>Wilhelm Windelband</name>: Beiträge zur Lehre vom negativen Urtheil; <name>Theobald Ziegler</name>: Abälards Ethica. Ein Beitrag zur Geschichte der Ethik.</note></app></listApp></back></text></TEI>