<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000280-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Benno Erdmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Kiel</placeName>, <date>9.6.1883</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 9</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0280" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000280-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</persName><placeName>Kiel</placeName><date when="1883-06-09">9.6.1883</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/119061457">Hermann Diels</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/142563692">Friedrich Grillo</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118737449">Friedrich Max Müller</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117562408">Jürgen Bona Meyer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117300187">Gustav Thaulow</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117420603">Johannes Witte</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 9</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Benno Erdmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Kiel</placeName>, <date>9.6.1883</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 9</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1718"/>Kiel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1718"/> <abbr>d.</abbr> 9/6 83</dateline><salute>Sehr geehrter Herr <abbr>Dr.</abbr>,</salute><p>Verzeihen Sie, dass ich Ihnen erst heut für Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1719"/>freundliche Recension meiner Arbeiten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1719"/> meinen aufrichtigen Dank sage. Ich weiß Ihre Parteinahme um so mehr zu schätzen, als sie Ihnen selbst energische Gegner schafft. Dass sie mir ein erfreulicher Beweis für die Richtigkeit des von mir eingeschlagenen Weges ist, darf ich Ihnen nicht erst ausführlich begründen.</p><p>Ich hätte längst geschrieben, hätte ich Ihnen zu berichten gehabt, was auf die Wendung Ihrer in der Tat sehr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1720"/>unerfreulich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1720"/> gewordenen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1721"/>Lage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1721"/> von Einfluss hätte sein können. Ich bin jedoch hinsichtlich Breslaus um nichts klüger als zur Zeit <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1722"/>meines letzten Briefs<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1722"/>. Noch ist nichts geschehen. Weshalb man wartet, ist mir nicht klar.</p><p>Unsere Vorschläge für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1723"/>Neubesetzung der <name>Thaulow</name>schen Stelle<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1723"/> sind an das Curatorium abgegangen. Da wir durch einen einstimmig uns gegebenen Auftrag der Facultät in der Commission gebunden waren, mussten wir wie das auch die Lage der hiesigen Verhältnisse forderte, von jedem Versuch Sie in die Liste zu bringen Abstand nehmen, obgleich nicht blos ich für Ihre Anstellung hier Sympathien hege.</p><p>Sollte die Bresl<add>[auer]</add> Frage sich noch in diesem Semester in dem erwarteten Sinne entscheiden gebe ich Ihnen Nachricht. Mein Plan, in diesem Fall auf Sie als einen der ersten hinzuweisen ist unverändert.</p><p>Ich arbeite jetzt an einer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1724"/>dritten Auflage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1724"/> der Kr<add>[itik]</add> d<add>[er]</add> r<add>[einen]</add> V<add>[ernunft]</add>, in der ich was mir bisher besserungsbedürftig er<pb/>schienen ist, anbringen werde. Das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1725"/>Verzeichnis <name>Grillo</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1725"/> sehe ich durch. Falls Sie auf Mängel aufmerksam geworden sind, deren Verbesserung Sie empfehlen können – Ihre Vorschläge zum Anschluss an die Notiz über <name>Grillo</name> habe ich noch zu prüfen, Ihren einzelnen Bedenken im Com<add>[mentar]</add> kann ich mich nicht anschließen –, werde ich Ihnen sehr dankbar sein. Falls Sie den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1726"/>Aufsatz <name>Witte</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1726"/> in dem neuesten Heft der Ph<add>[ilosophischen]</add> M<add>[onatshefte]</add> über <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1727"/><add>[…]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1727"/><add/> gelesen haben, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1728"/>wollen Sie mir sagen, ob etwas sachlich Überlegenswertes darinsteht?<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1728"/> Ich bleibe meinem Vorsatz vorläufig nichts von diesen Sachen zu lesen getreu.</p><p>Hat <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1729"/><name>Max Müller</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1729"/> in seiner Übersetzung, die ich nicht gesehen habe, seine Bevorzugung der ersten Auflage näher motiviert? Hat er überhaupt bei derselben auf meine Ausgabe Rücksicht genommen? Ich erlaube mir diese Fragen, weil ich weiß, dass Sie das Buch für die D<add>[eutsche]</add> L<add>[itteraturzeitung]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1730"/>recensirt haben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1730"/>. <pb/></p><p>Sehr überraschend ist mir die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1731"/>Parteinahme <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1732"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1733"/><name>Jürgen Bona Meyer</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1732"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1731"/> für mich gewesen, zu dem ich in keiner Beziehung stand.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1733"/> Dass sie mit der entgegengesetzten Parteinahme <name>Witte</name>s in Zusammenhang steht, ist mir evident. Leider ein neuer Beitrag für die beschämende Tatsache, dass die sachliche Überzeugung in wissenschaftlichen Fragen bei uns in beispiellosem, widrigem Maße mit persönlichen Bedürfnissen durchflochten ist.</p><p>Wie unsere Vorschläge ausgefallen sind, wissen Sie vielleicht schon. So viel glaube ich von mir aus Neues sagen zu dürfen, dass wir in erster Linie versucht haben <name>Diels</name> und <name>Eucken</name> zu gewinnen. Beide haben jedoch wie ich erwarten durfte abgelehnt.</p><p>Mit freundlichsten Grüßen und Wünschen Ihr ganz ergebener</p><signed>B Erdmann</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1718"><lem>Kiel</lem><note>am Kopf der <abbr>S.</abbr> mit Bleistift von Vaihingers <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>Bitte um gütige Rücksendung zur Beantwortung. H. V.</rdg><note>; darunter von anderer <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>Mit bestem Dank zurück. El.</rdg><note> (nicht aufgelöst: Ernst Laas?)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1719"><lem>freundliche Recension meiner Arbeiten</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihingers Rezension: Erdmann, Benno, Nachträge aus Kants Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants Nachlass herausgegeben. Kiel, Lipsius und Tischer. 1881. (59 S.). – – Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben. I. Band, 1. Heft: Reflexionen zur Anthropologie. Fues’s Verlag (R. Reisland), 1882 (222 S.). In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 7 (1883), <abbr>S.</abbr> 208–213.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1720"><lem>unerfreulich</lem><note>danach Fußnotenzeichen und -text mit Bleistift von Vaihingers <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>E[rdmann] weiß von der neuen Wendung noch nichts.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1721"><lem>Lage</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1722"><lem>meines letzten Briefs</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 21.4.1883</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1723"><lem>Neubesetzung der <name>Thaulow</name>schen Stelle</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Erdmann an Vaihinger vom 16.3.1883</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1724"><lem>dritten Auflage</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Immanuel Kant’s Kritik der reinen Vernunft. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Benno Erdmann. 3., mehrfach verbesserte Stereotypausgabe Hamburg: Voss 1884.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1725"><lem>Verzeichnis <name>Grillo</name>s</lem><note>Friedrich Grillo, über Druckfehler in Kants Werken, <abbr>vgl.</abbr> zum Nachweis Vaihinger: Notiz, den Kant-Text betreffend. In: Philosophische Monatshefte 17 (1881), Litteraturbericht, <abbr>S.</abbr> 298–299.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1726"><lem>Aufsatz <name>Witte</name>s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Johann Heinrich Witte: Die angebliche „Blattversetzung in Kant’s Prolegomena“. Eine Kritik der Vaihinger’schen Hypothese. In: Philosophische Monatshefte 19 (1883), <abbr>S.</abbr> 145–174.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1727"><lem><add>[…]</add></lem><note>an dieser Stelle zwei mit den Anfangsbuchstaben abgekürzte Worte; unleserlich und nur bedingt mit dem Aufsatztitel Wittes in Einklang zu bringen. Lesung <abbr>u. U.</abbr>: K[ants] Pro[legomena].</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1728"><lem>wollen … darinsteht?</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1729"><lem><name>Max Müller</name></lem><rdg>M. Müller</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1730"><lem>recensirt haben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: J. Kant’s Critique of pure reason in commemoration of the centenary of its first publication translated into English by Fr. Max Müller. With an historical introduction by L. Noiré. London, Macmillan and Co., 1991. I Bd. LXII u. 511, II Bd. XXXI u. 735 S. gr. 8°. Sh. 32. In: Deutsche Litteraturzeitung 3 (1882), Nr. 32 vom 12.8.1882, Sp. 1147–1149.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1732"><lem><name>Jürgen Bona Meyer</name>s</lem><rdg>J. B. Meyers</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1731"><lem>Parteinahme <name>Jürgen Bona Meyer</name>s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den über Philosophie erstatteten Bericht von <name>Jürgen Bona Meyer</name> vom April 1882 in: Vierteljahresberichte über die gesammten Wissenschaften und Künste, über Handel, Landwirthschaft, Industrie und Erfindungen. Unter Mitwirkung von hervorragenden Gelehrten und Fachmännern <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Richard Fleischer. <abbr>Bd.</abbr> 1 Berlin: Hempel 1882, <abbr>S.</abbr> 175–197, hier 180. Dort auch prinzipielle Zustimmung zu Vaihingers Commentar.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1733"><lem>J. B. Meyers … stand.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</note></app></listApp></back></text></TEI>