<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000260-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Hermann Siebeck</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Basel</placeName>, <date>24.4.1883</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 a</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0260" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000260-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11733829X">Hermann Siebeck</persName><placeName>Basel</placeName><date when="1883-04-24">24.4.1883</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116236493">Adolf Bolliger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117195596">August Stadler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118788175">Johannes Rehmke</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117420603">Johannes Witte</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 a</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Hermann Siebeck</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Basel</placeName>, <date>24.4.1883</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 a</bibl></head></front><body><dateline>Basel <abbr>d.</abbr> 24.4.83.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr College,</salute><p>Die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1598"/>Angelegenheit der „Blattversetzung“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1598"/> ist für Ihre hiesigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1599"/>Aspecten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1599"/> durchaus ohne Bedeutung, weil hier kein Mensch außer mir davon Notiz nimmt und sie an meinen Intentionen in keinem Falle etwas ändert. Von Herrn <name>Witte</name> ist mir eine Abhandlung aus der altpreuß<add>[ischen]</add> Monatsschrift über <name>K. Fischer</name>s <name>Kant</name> zugegangen; gelesen habe ich sie noch nicht.</p><p>Überhaupt kann Ihnen W<add>[itte]</add> hier keinesfalls schaden. Die Gefahr liegt ganz woanders, in dem Umstande nämlich, daß außer den Vorschlägen des Fachmanns der Behörde auch noch von andern Seiten Namen genannt werden. Über <pb/> diese werde ich dann zwar auch gehört, aber die Behörde, die alles <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1600"/>ad referendum<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1600"/> nimmt, macht schließlich doch eben was sie will. Ihr persönlicher Concurrent ist jetzt allem Anschein nach – <name>Rehmke</name>. Auch von <name>Stadler</name> ist die Rede gewesen. Ich selbst habe weder den Einen noch den Andern vorgeschlagen sondern gerathen, wenn von <name>Glogau</name> abgesehen wird, Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1601"/>einstweilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1601"/> zum Extraordinarius f<add>[ür]</add> Philosophie und <name>Bolliger</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1602"/>desgleichen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1602"/> f<add>[ür]</add> Pädagogik zu machen. Dieser Vorschlag ist so auf hiesige Verhältnisse, Bedürfnisse und Stimmungen gegründet, daß ich doch schließlich auf sein Durchdringen hoffe, falls nicht etwa die Entscheidung schon in anderem Sinne gefallen ist. Lange kann es nicht mehr dauern. Jedenfalls ist es gut, daß Sie die Recension des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1603"/>Anti-Kant<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1603"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1604"/>noch zurückhalten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1604"/>.</p><p>Vorstehende Mittheilungen mache ich Ihnen durchaus <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1605"/><hi rend="underline">sub sigillo.</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1605"/></p><p>Für Ihre Zusendungen freundlichen Dank; es ist mir lieb, sie <pb/> zu haben, da ich gelegentlich diese Sachen doch einmal im Zusammenhange nacharbeiten muß.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1606"/>Den Wallace<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1606"/> habe ich mit Erfolg studirt und werde ihn berücksichtigen. Ich schicke Ihnen diese Sachen mit bestem Danke bei dieser Gelegenheit zurück.</p><p>Ich bin etwas pressirt und bitte Sie die Eile dieser Zeilen gütigst zu entschuldigen. Wollen Sie gelegentlich Herrn <abbr>Prof.</abbr> <name>Laas</name> einen schönen Gruß von mir sagen, wie Sie selbst grüßt Ihr freundschaftlich ergebener</p><signed>H. Siebeck.</signed><postscript><p>Den Ausdruck <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1607"/>„<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1608"/>fanatisch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1608"/> derb“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1607"/> rathe ich Ihnen in Ihrem Interesse auf <hi rend="underline">jeden</hi> Fall zu streichen.</p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1598"><lem>Angelegenheit der „Blattversetzung“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Eine Blattversetzung in Kant’s Prolegomena. In: Philosophische Monatshefte 15 (1879), <abbr>S.</abbr> 321–332 [<abbr>dass.</abbr>, Zweiter Artikel.([Historische Nachwirkungen.) In: Philosophische Monatshefte 15 (1879), <abbr>S.</abbr> 513–532] sowie die sich anschließende Polemik: Johannes Heinrich Witte: Die angebliche „Blattversetzung in Kant’s Prolegomena“. Eine Kritik der Vaihinger’schen Hypothese. In: Philosophische Monatshefte 19 (1883), <abbr>S.</abbr> 145–174; Vaihinger: Eine angebliche Widerlegung der „Blattversetzung“ in Kant’s Prolegomena. In: Philosophische Monatshefte 19 (1883), <abbr>S.</abbr> 401–416; Witte: Prof. H. Vaihinger und seine Polemik. Ein weiterer Beweis der Unhaltbarkeit der von Prof. Vaihinger aufgestellten Hypothese einer „Blattversetzung“ in Kant’s „Prolegomena“, zugleich ein Beitrag zum Verständnis der Aufgabe von Kant’s Prolegomena und deren methodischer Lösung. In: Philosophische Monatshefte 19 (1883), <abbr>S.</abbr> 597–614.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1599"><lem>Aspecten</lem><note>hier im Sinne von: Aussichten (auf die Zukunft), <abbr>vgl.</abbr> Pierer’s Universal-Lexikon <abbr>Bd.</abbr> 1 1857, <abbr>S.</abbr> 825 (<ref type="link">http://www.zeno.org/Pierer-1857/K/pierer-1857-001-0825</ref> (7.8.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1600"><lem>ad referendum</lem><note><abbr>lat.</abbr> (Amtssprache) zur Berichterstattung</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1601"><lem>einstweilen</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1602"><lem>desgleichen</lem><rdg>dsgl.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1603"><lem>Anti-Kant</lem><note>mit Bleistift unterstrichen, darüber Fußnotenzeichen, <abbr>s. u.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1604"><lem>noch zurückhalten</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 17.4.1883</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1605"><lem><hi rend="underline">sub sigillo.</hi></lem><note><abbr>lat.</abbr> unter dem Siegel (der Verschwiegenheit)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1606"><lem>Den Wallace</lem><note>meint vermutlich: William Wallace: Kant. Edinburgh/London: Blackwood and Sons 1882 (Philosophical Classics for English Readers).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1608"><lem>fanatisch</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1607"><lem>„fanatisch derb“</lem><note>mit Bleistift unterstrichen, darüber Fußnotenzeichen, darunter mit Bleistift von Vaihingers <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>bezieht sich auf eine Recension des Bolliger’schen Anti-Kant, welche ich Anfang Januar geschrieben habe, die ich aber, da sie noch nicht gedruckt ist, mit Rücksicht auf obige Verhältniße von der Redaction zurückverlangte.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>