<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000259-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Benno Erdmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Kiel</placeName>, <date>21.4.1883</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 8</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0259" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000259-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</persName><placeName>Kiel</placeName><date when="1883-04-21">21.4.1883</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/119061457">Hermann Diels</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101568355">Jacob Freudenthal</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117420603">Johannes Witte</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 8</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Benno Erdmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Kiel</placeName>, <date>21.4.1883</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 8</bibl></head></front><body><dateline>Kiel <abbr>d.</abbr> 21/4 83.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr <abbr>Dr.</abbr>,</salute><p>Ich habe bis heut mit der Beantwortung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1589"/>Ihres freundlichen Schreibens<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1589"/> gezögert, weil ich erst schreiben wollte, wenn ich Bestimmteres wüsste. Es unterliegt für mich keinem Zweifel, dass ich falls ich noch hier fortkommen sollte an Sie als einen der ersten denken werde, den ich als Nachfolger empfehlen könnte. Anders lag die Sache von vornherein bei der jetzigen Vacanz. Unser erster Gesichtspunkt musste sein, an solche Philosophen zu denken, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1590"/>durch ihr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1590"/> Studiengebiet und ihre Lehrtätigkeit ein Compliment zu mir bildeten, so dass eine möglichst vollständige Vertretung des <pb/> Gesammtgebietes erreicht würde, während andernfalls bei der Kleinheit der Universität trotz des regen philosophischen Interesse, das jetzt unter unseren Studierenden herrscht, doch nur eine unliebsame Häufung des Gleichartigen zu erwarten gewesen wäre. Diese Ansicht ist in der Facultät denn auch einstimmig zum Ausdruck gelangt. So werden wir vor allem an solche Vertreter denken, deren hauptsächliches Studiengebiet durch die griechische Philosophie gegeben ist. Ich habe in meinen Vorlesungen und Übungen mich stets bemüht, zur Geltung zu bringen, was mir durch die naturwissenschaftlichen Methoden und Ergebnisse an Material zugeführt und an Problemen gestellt ist, und muss mich auch im Interesse meiner Studien freuen, dass es mir möglich werden wird, mehr als bisher mich in meinen ursprünglichen Studien<pb/>kreisen heimisch zu machen. Wen wir vorschlagen werden, steht noch dahin. Dass <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1591"/><name>Freudenthal</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1591"/>, den ich persönlich sehr hoch schätze, als einer der ersten in Betracht kommen wird, davon bin ich überzeugt.</p><p>Von Breslau weiß ich noch nichts Definitives. Die nächsten Monate müssen ein solches ja bringen. Ich bitte Sie deshalb freundlichst nach wie vor, die Sache möglichst mit Schweigen zu bedecken. Denn ich darf überzeugt sein, dass <name>Fischer</name> die Hoffnung meine Berufung zu hintertreiben <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1592"/>erst aufgeben wird<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1592"/>, wenn er vor der vollendeten Tatsache steht. Und ich habe nicht den Wunsch, meine Person durch Angriffe, für die ich nur Schweigen habe, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1593"/>von<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1593"/> Unkundigen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1594"/>verunglimpft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1594"/> zu hören.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1595"/><name>Witte</name>s Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1595"/> kenne ich nicht. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1596"/>Er<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1596"/> hat mir nichts gesendet. Lesen werde ich sie erst, wenn ich Anlass habe auf die Sache einzugehen. Was Sie über <name>Zeller</name> und <name>Diels</name> gehört haben <pb/> beruht, ich glaube zweifellos, auf Irrtum, sowol was <name>Zeller</name>s Absicht als <name>Diels</name>’ Aussicht betrifft, das letztere einfach <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1597"/>deshalb nicht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1597"/>, weil <name>Diels</name> nicht die Absicht hat überhaupt einen philosophischen Lehrstuhl aufzunehmen.</p><p><name>Witte</name> ist übrigens auch für Sie doch kein ernster Gegner. Er hat sich durch alles was er geschrieben hat für jeden Sachverständigen genügend charakterisiert.</p><p>Haben Sie in Basel keine Aussicht? In der Hoffnung, dass Ihr Geschick sich recht bald wie Sie wünschen wende bleibe ich Ihr ganz ergebener</p><signed>B Erdmann</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1589"><lem>Ihres freundlichen Schreibens</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1590"><lem>durch ihr</lem><note>korrigiert aus: </note><rdg>mit Ihrem</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1591"><lem><name>Freudenthal</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 14.2.1884</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1592"><lem>erst aufgeben wird</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift von Vaihingers <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>H. G.</rdg><note> (nicht aufgelöst)</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1593"><lem>von</lem><note>Einfügung über der Zeile; kann auch </note><rdg>vor</rdg><note> heißen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1594"><lem>verunglimpft</lem><rdg>verunglimpt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1595"><lem><name>Witte</name>s Artikel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 9.6.1883</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1596"><lem>Er</lem><note>Lesung unsicher, verschrieben <abbr>bzw.</abbr> aus anders lautendem Wortanfang korrigiert</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1597"><lem>deshalb nicht</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>