<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000238-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Hottingen/Zürich</placeName>, <date>2.2.1883</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 17</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0238" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000238-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116389311">Richard Avenarius</persName><placeName>Hottingen/Zürich</placeName><date when="1883-02-02">2.2.1883</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117748773">Johann Karl Kappeler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 17</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Hottingen/Zürich</placeName>, <date>2.2.1883</date><anchor type="delimiter"/>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 17</bibl></head></front><body><salute>Lieber Herr Kollege!</salute><p>Für heute nur ein paar freundschaftl<add>[iche]</add> Worte! Ich glaube annehmen zu dürfen, dass Sie geneigt sein würden, der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1332"/>Nachfolger <name>Glogau</name>’s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1332"/> am hiesigen Polytechnikum zu werden. So sehr ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1333"/>nun<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1333"/> überzeugt bin, dass <hi rend="underline">das</hi> kein Platz für <hi rend="underline">Sie</hi> ist, so <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1334"/>wol<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1334"/> begreife ich auch, dass Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1335"/>vorläufig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1335"/> die Hauptsache ist, überhaupt nur einen <hi rend="underline">Platz</hi> für Sich zu finden. Leider stehe ich nun aber zur maßgebenden Behörde am Polytech<add>[nikum]</add> in gar keiner Verbindung, wie Sie solche für Ihre Wünsche brauchen könnten. Ich kann daher nichts tun, als Ihnen, wie Anderen auch, den Rat <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1336"/>geben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1336"/>, sich – was hier nicht gegen den Brauch ist – direkt beim „Präsidenten des eidgenöss<add>[ischen]</add> Schulrates“ Herrn C <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1337"/><name>Kappeler</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1337"/><name/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1338"/>(Zürich)<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1338"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1339"/>um<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1339"/> die Professur, die aber eigentlich noch gar nicht definitiv gegründet ist, (Gl<add>[ogau]</add> war nur „provisorisch“ angestellt), zu <hi rend="underline">bewerben</hi>; wenn Sie wollen, unter Berufung auf mich. Freilich kann ich Ihnen nicht verhehlen, dass Sie möglicherweise nicht der Einzige sein werden, der sich auf mich berufen würde. Die Zahl der Aspiranten ist <pb/> erschreckend gross <abbr>u.</abbr> verschiedene Schweizer sind darunter. – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1340"/>Öffentlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1340"/> ausgeschrieben zur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1341"/>allgem<add>[einen]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1341"/> Bewerbung ist die Stelle, soviel ich weiss, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1342"/>auch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1342"/> noch nicht; Sie können sich ja bei K<add>[appeler]</add> damit introduciren, dass Sie das eben auch nicht wüssten.</p><p>Sollte, wie ich allerdings fürchte, es mit dem Polytechn<add>[ikum]</add> nichts werden, so dürfen Sie nicht allzu verstimmt werden. Vielleicht fällt Ihnen doch noch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1343"/>Graz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1343"/> zu – <abbr>u.</abbr> vielleicht können auch doch noch einmal mit mir selbst Veränderungen eintreten, die mich in Stand setzen, <hi rend="underline">hier</hi> für Sie ein gutes Wort einzulegen. <hi rend="underline">Bis jetzt weiss ich freilich von solchen Veränderungen nichts</hi> – <abbr>u.</abbr> dürfte Ihnen auch nicht allzuviel Hoffnung machen, <hi rend="underline">wenn</hi> ich etwas wüsste. Aber gern helfen möchte ich Ihnen doch! Schreiben Sie mir doch gelegentlich, <hi rend="underline">worüber</hi> Sie schon <abbr>u.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1344"/><hi rend="underline">mit welchem Erfolg</hi> faktisch <hi rend="underline">gelesen</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1344"/> haben; Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1345"/><name>Kant</name>-Seminare<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1345"/> würden nicht recht in’s Gewicht fallen.</p><p>Und nun verzeihen Sie, wenn ich vertraulicher, <pb/> als ich wohl dürfte, über Möglichkeiten gesprochen, die noch gar nicht einmal als solche recht zu bezeichnen sind. –</p><p>Für mich möchte ich noch eine Bitte hinzufügen. Es wäre mir recht erwünscht, wenn ich in einem der nächsten Hefte – am liebsten schon im 2.<hi rend="superscript">t</hi> – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1346"/>von Ihnen eine Arbeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1346"/> veröffentlichen könnte, die nicht der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1347"/><name>Kant</name>ph.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1347"/> angehörte – etwa etwas Psychologisches oder Erkenntnisstheoretisches? Wollen Sie mir etwas schicken?</p><p>Und dann noch Eines: wenn <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1348"/>Herr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1348"/> Kollege <name>Windelband</name> seinen 3. Band heraus hat, müssen Sie Sich entschliessen, über das ganze Werk bei mir zu resümieren. Sie haben <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1349"/>darüber schon in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1350"/>anderen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1350"/> Zeitungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1349"/> geschrieben, nun lassen Sie die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1351"/><hi rend="underline">Vierteljahrsschrift</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1351"/><hi rend="underline"/> an die Reihe kommen.</p><p>Mit besten Grüssen Ihr ergebenster</p><signed>R. Avenarius</signed><dateline>Hottingen <hi rend="superscript">b</hi>/Zürich, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1352"/>2. Febr<add>[uar]</add> 83.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1352"/></dateline></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1332"><lem>Nachfolger <name>Glogau</name>’s</lem><note><name>Gustav Glogau</name> (1844–1895) hatte sich 1878 am Polytechnikum Zürich habilitiert, wurde dort 1882 <abbr>Prof.</abbr> und ging 1883 als <abbr>ao. Prof.</abbr> nach Halle, 1884 <abbr>o. Prof.</abbr> in Kiel. Vaihinger wurde 1884 <name>Glogau</name>s Hallenser Nachfolger (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1333"><lem>nun</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1334"><lem>wol</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1335"><lem>vorläufig</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1336"><lem>geben</lem><note>davor gestrichen: </note><rdg>zu</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1337"><lem><name>Kappeler</name></lem><note><name>Johann Karl Kappeler</name> (1816–1888), Jurist, nach Studium in Zürich, Heidelberg und Berlin 1839 Thurgauer Anwaltspatent, 1843–1857 Thurgauer Kantonsrat (1850–1852 <abbr>u.</abbr> 1856–1857 Präsident), 1850–1857 Präsident des Thurgauer Obergerichts, 1848–1881 Ständerat (1851–1852, 1854–1855, 1872, 1881 Präsident), 1854–1857 Mitglied des Bundesgerichts, 1857–1888 Präsident des eidgenössischen Schulrats und damit Vorsteher des Polytechnikums in Zürich (Historisches Lexikon der Schweiz).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1338"><lem>(Zürich)</lem><note>danach mindestens zwei Wörter unleserlich gestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1339"><lem>um</lem><note>Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>am</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1340"><lem>Öffentlich</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1341"><lem>allgem.</lem><note> Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>öffentlichen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1342"><lem>auch</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1343"><lem>Graz</lem><note>zur Nachfolge von <name>Alois Riehl</name> (<abbr>BEdPh</abbr>), <abbr>vgl.</abbr> Bartholomäus von Carneris Schreiben an Vaihinger von November 1882 bis November 1883.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1344"><lem><hi rend="underline">mit welchem Erfolg</hi> faktisch <hi rend="underline">gelesen</hi></lem><note>an Vorlesungen hatte Vaihinger in Straßburg bis dahin gehalten: <abbr>SS</abbr> 1877: Logik (<abbr>vgl.</abbr> Philosophische Monatshefte 13 (1877), <abbr>S.</abbr> 249; im Straßburger Vorlesungsverzeichnis nicht aufgeführt); <abbr>WS</abbr> 1877/78: Die Hauptsysteme der älteren und neueren Philosophie; <abbr>WS</abbr> 1880/81: Geschichte der Philosophie im XIX. Jahrhundert (von Kant bis zur Gegenwart); <abbr>WS</abbr> 1881/82: Geschichte der neueren Philosophie (Cartesius bis zur Gegenwart); <abbr>WS</abbr> 1882/83: Allgemeine Geschichte der Philosophie. <abbr>Vgl.</abbr> <ref type="link">https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328882334/date.item</ref> (6.8.2024); die dort reproduzierten Exemplare der Straßburger Vorlesungsverzeichnisse aus der Bibliothèque Nationale et Universitaire de Strasbourg befanden sich zuvor im Bestand der Kaiserlichen Universitätskasse und weisen mittels <abbr>hs.</abbr> Einträge die eingenommenen Hörergelder für die gebührenpflichtigen Vorlesungen nach.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1345"><lem><name>Kant</name>-Seminare</lem><note>im <abbr>WS</abbr> 1878/1879, <abbr>SS</abbr> 1879, <abbr>WS</abbr> 1879/1880, <abbr>SS</abbr> 1880, 1881, 1882, <abbr>WS</abbr> 1882/1883.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1346"><lem>von Ihnen eine Arbeit</lem><note>Vaihinger hat keine Arbeit der angedeuteten Richtung in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie veröffentlicht.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1347"><lem><name>Kant</name>ph.</lem><note>aufzulösen entweder nach </note><rdg>Kantphilologie</rdg><note> oder nach </note><rdg>Kantphilosophie</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1348"><lem>Herr</lem><rdg>Hr.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1350"><lem>anderen</lem><rdg>andere</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1349"><lem>darüber schon in anderen Zeitungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihingers Besprechungen: Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften, dargestellt von Dr. W. Windelband, ord. Prof. der Philosophie an der Universität Freiburg i. B. Erster Band. Von der Renaissance bis Kant. Zweiter Band. Von Kant bis Hegel und Herbart. Leipzig, Breitkopf und Härtel. 1878 und 1880. In: Deutsche Rundschau, <abbr>Bd.</abbr> 27 von April-Mai-Juni 1881, <abbr>S.</abbr> 309–311; sowie: Wilhelm Windelband, Die Geschichte der neueren Philosophie in ihrem Zusammenhange mit der allgemeinen Cultur und den besonderen Wissenschaften. Erster Band: Von der Renaissance bis Kant. Zweiter Band: Von Kant bis Hegel und Herbart. Leipzig, Breitkopf und Härtel. 1878–1880. In: Im neuen Reich 11 (1881), <abbr>Bd.</abbr> 1 von Januar–Juni, <abbr>S.</abbr> 187–189. Einen dritten Band hat Windelband nicht erscheinen lassen.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1351"><lem><hi rend="underline">Vierteljahrsschrift</hi></lem><note><hi rend="underline"><rdg>Vjschr.</rdg></hi></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1352"><lem>2. Febr<add>[uar]</add> 83.</lem><note>die Datierung </note><rdg>2.3.1883</rdg><note> in den 1966 vorgelegten Briefregesten trifft nicht zu, <abbr>vgl.</abbr>: Der Nachlass des Philosophen Hans Vaihinger. Alphabetisches Verzeichnis der Briefe von A–M. Vorgelegt von Gunhild Meier und Leonore Schmidt (Staatsbibliothek Bremen). Bremen 1966. Für die Online-Ausgabe: Bremen: Staats- und Universitätsbibliothek 2016 (<ref type="link">https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:46:1-7219</ref> (6.8.2024)).</note></app></listApp></back></text></TEI>