<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000218-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>22.11.1882</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0218" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000218-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1882-11-22">22.11.1882</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118636383">Eduard Zeller</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116587938">Georg Gerland</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116666781">Gustav Glogau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Eduard Zeller</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>22.11.1882</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</ref></head></front><body><dateline>Straßburg i/E 22 Nov<add>[ember]</add> 1882</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1134"/>Geheimerath!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1134"/></salute><p>Zu meinen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1135"/>gestrigen Ausführungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1135"/> erlaube ich mir ganz ergebenst nachzutragen, daß unterdessen aus Halle bestimmtere Nachrichten hier eingelaufen sind. Herr Professor <name>Gerland</name> hat die Mittheilung erhalten, daß ich nun doch nach <name>Glogau</name> in zweiter Linie in Vorschlag gebracht worden bin. Es sei zugleich der Wunsch ausgesprochen worden, <pb/> daß der neue Extraordinarius auch die griechische Philosophie cultivire. Wenn ich mir erlauben darf, von mir selbst zu reden, so würde ich dieser Forderung immerhin Genüge zu leisten vermögen, wie ich glaube. Mit griechischer Philosophie habe ich mich von jeher mit großer Vorliebe beschäftigt. Schon als Student habe ich sämtliche fünf Bände <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1136"/>Ihres großen monumentalen Werkes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1136"/> von A bis Z ausgezogen, ein Auszug, der mir noch heute zur Übersicht sehr dienlich ist. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1137"/>Im Seminar<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1137"/> behandelte ich hier mehrfach platonische Dialoge, bes<add>[onders]</add> den Theätet und die Politeia; zu monographischen Arbeiten über dieselben <pb/> habe ich Material genug gesammelt. Ich habe mir außerdem eine ganze Reihe von Themata zur Bearbeitung (eventuell für Dissertationen) vorgemerkt, beständig Stoff dazu zusammengetragen, auch einige <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1138"/>Arbeiten angefangen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1138"/>, so über den neuerdings viel und theilweise unrichtig besprochenen Begriff der <span type="el">φύσις</span>. Und gegenwärtig behandle ich (zum zweiten Male) Geschichte der griechischen Philosophie ausführlich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1139"/>im Colleg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1139"/>. An der Ausführung jener Arbeiten hat mich die Concentration gehindert, die mir bei meinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1140"/><name>Kant</name>werke<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1140"/> bis zu dessen Vollendung als unerläßliche strenge Pflicht erscheint. Ich erhalte mich aber natürlich immer auf dem Laufenden. <pb/></p><p>Durch den Vorschlag in Halle öffnet sich nun die Möglichkeit für mich, durch eine definitive Stellung der unangenehmen Nothwendigkeit einer Umhabilitierung zu entgehen, deren Folgen sich nicht voraussehen lassen und welche für einen 31jährigen Mann nach einer Wirksamkeit von 12 Semestern keine leichte Sache ist. Sollten Sie, hochzuverehrender Herr Geheimerath, Ihre hochvermögende Fürsprache für mich geltend zu machen in der Lage sein, so bitte ich Sie von Herzen, Ihr freundliches Wohlwollen und Ihre gütige Theilnahme für mich auch dieses Mal zu bethätigen.</p><p>Genehmigen Sie, hochzuverehrender Herr Geheimerath, den wiederholten Ausdruck der innigsten Dankbarkeit, der tiefsten Verehrung von <abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren aufrichtig ergebenstem</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1134"><lem>Geheimerath!</lem><note>danach 4 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1135"><lem>gestrigen Ausführungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vahinger an Zeller vom 21.11.1882</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1136"><lem>Ihres großen monumentalen Werkes</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeller: Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung (zuerst 1844–1852).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1137"><lem>Im Seminar</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Liste von Vaihingers Lehrveranstaltungen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1138"><lem>Arbeiten angefangen</lem><note>nicht nachgewiesen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1139"><lem>im Colleg</lem><note>laut den Vorlesungsverzeichnissen hatte Vaihinger an der Universität Straßburg gehalten bzw. angeboten: <abbr>SS</abbr> 1877 </note><rdg>Im philosophischen Seminar: Platons Theaetet;</rdg><note> <abbr>WS</abbr> 1877/78 </note><rdg>Im philosophischen Seminar: Ausgewählte Abschnitte aus Plato’s Republik</rdg><note>; <abbr>WS</abbr> 1882/83 </note><rdg>Allgemeine Geschichte der Philosophie. Im philosophischen Seminar: Erklärung von Kant’s „Kritik der reinen Vernunft“.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1140"><lem><name>Kant</name>werke</lem><note>gemeint ist Vaihingers Commentar zur Kritik der reinen Vernunft, 2 <abbr>Bde.</abbr> 1881/1882 <abbr>u.</abbr> 1892.</note></app></listApp></back></text></TEI>