<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000196-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>21.6.1882</date>, <note>7 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0196" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000196-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118614258">Christoph Sigwart</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1882-06-21">21.6.1882</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/130236136">Christian Wolff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118554735">David Hume</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Christoph Sigwart</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>21.6.1882</date>, <note>7 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 6 b</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen, 21. Juni 1882</dateline><salute>Verehrter Herr Doctor,</salute><p>Meinen besten Dank für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-879"/>freundliche Uebersendung der Fortsetzung Ihres Commentars<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-879"/>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-880"/>Ich habe schon den ersten Theil desselben mit dem größten Interesse durchgegangen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-880"/> – mit aufrichtiger Bewunderung des immensen Fleißes, mit dem Sie die Literatur verwandt haben, und mit voller Anerkennung Ihres Strebens, philologische Exactheit der Exegese dem philosopischen Verständniß dienstbar zu machen. Daß Sie dabei, bei allem Respect vor dem großen <name>Kant</name>, rückhaltlos seine Schwankungen in der Terminologie und das Ineinandernehmen verwandter Probleme in Eine und dieselbe Faßung aufdecken, darin stimme ich Ihnen ebenso vollkommen zu; ich habe bei meinen eignen Studien in <name>Kant</name> darin immer die größte Schwierigkeit gefunden, daß man fortwährend auf der hut sein muß, die vielen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-881"/><span type="el">πολλαχϖσ λεγόμενα</span><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-881"/> jedesmal im richtigen Sinn zu verstehen. Ihren neuen Band habe ich sofort begierig in die Hand genommen, und ich glaube es gereicht <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-882"/>demselben zum wesentlichen Vortheil, daß Sie nicht durchgängig die fortlaufende Erklärung festgehalten, sondern die wichtigsten Fragen in zusammenfassenden Excursen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-883"/>freier abgehandelt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-883"/> haben. Besonders gelungen unter dem<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-882"/> was ich bisher gelesen, scheint mir Ihre Erörterung über die Hauptfrage <abbr>u.</abbr> ihren dreifachen nicht bloß möglichen, sondern von <name>Kant</name> wirklich zu Grunde gelegten Sinn; weniger durchsichtig beim ersten Lesen war mir, was Sie über die Verwendung des Begriffs der Erfahrung als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-884"/>Fundament der Deduction<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-884"/> sagen. Ich halte das, trotz <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-885"/><name>Cohen</name>s feiner Ausführung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-885"/>, für einen der schwierigsten Punkte; und zwar darum, weil fortwährend das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-886"/>formelle Element<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-886"/> der durchgängigen Verknüpfung aller <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-887"/>Erscheinungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-887"/> nach allgemeinen Gesetzen und die Idee eines allen möglichen Inhalt einheitlich in seiner Totalität umfaßenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-888"/>Bewußtseins<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-888"/>, von dem das wirkliche Wissen immer nur ein Fragment ist, mir darin ineinander <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-889"/>zu spielen scheinen. Eben darin finde ich aber die Correspondenz zwischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-890"/>dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-891"/>Einheitspunkt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-891"/> der transsc<add>[endentalen]</add> Apperception<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-890"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-889"/> mit ihren formellen Folgen, und diesem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-892"/>Begriff der Erfahrung,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-892"/> <pb/> daß der letztere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-893"/>die mit dem empirischen Inhalt erfüllte Totalität des Wissens<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-893"/> darstellt, dessen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-894"/>formelle Einheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-894"/> in der Apperception liegt; und die Schwierigkeit scheint mir daraus hervorzuwachsen, daß <name>Kant</name> immer nur mit dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-895"/><hi rend="underline">Begriff</hi> des Bewußtseins<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-895"/> <abbr>u. s. w.</abbr> operirt, <abbr>u.</abbr> die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-896"/>Thatsachen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-896"/> des wirklichen individuellen Bewußtseins <abbr>u.</abbr> der Art, wie in ihm das Wissen ist, ganz bei Seite läßt, seiner ganzen Methode entsprechend, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-897"/>nicht psÿchologisch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-897"/> von den Thatsachen des Bewußtseins aus, sondern <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-898"/>rein logisch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-898"/> zu erfaßen, indem er <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-899"/>die Bedingungen des totalen Wissens um die Totalität untersucht. So habe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-899"/> ich mir bis jetzt die Frage zurecht gelegt; in den Paralogismen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-900"/>platzen dann das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-901"/>bloß formelle Ich und das wirkliche, das Subject des wirklichen Wissens und das Subject des Begriffs des Wissens aufeinander<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-901"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-900"/> – und <name>Kant</name> geräth in eine Verlegenheit, aus der er nicht herauskann, <abbr>u.</abbr> die die Anmerkungen der 2. <abbr>Aufl.</abbr> deutlich verrathen.</p><p>In der Ausführung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-902"/>über <name>Hume</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-902"/> sind mir die Stellen, aus denen chronologisch das Eingreifen <name>Hume</name>s in die Entwicklung der <name>Kant</name>ischen Gedanken bestimmt werden <pb/> müßte, nicht präsent genug, um über Ihre Vermuthung etwas zu sagen; materiell aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-903"/>haben Sie sehr scharfsinnig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-903"/> das Durcheinanderspielen von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-904"/>Causalitäts<hi rend="underline">begriff</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-904"/> und allgemeinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-905"/>Causalitäts<hi rend="underline">princip</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-905"/> aufgedeckt. Dieselbe Verquickung hat mir in frühern Jahren lange zu schaffen gemacht, bis ich gelernt habe, durchgängig beides zu scheiden.</p><p>Für die psÿchologische Analÿse läßt es sich leichter durchführen, für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-906"/><name>Kant</name>s Standpunkt ist allerdings der Causalbegriff<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-906"/> in seinen einzelnen Beispielen schließlich wieder von dem allgemeinen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-907"/>Grundsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-907"/>, der die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-908"/>Kategorie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-908"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-909"/>überall<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-909"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-910"/>anzuwenden gebietet, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-911"/>abhängig gedacht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-911"/>, <abbr>u.</abbr> daher erst das fortwährende Ineinanderfließen.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-910"/></p><p><abbr>S.</abbr> 350 übrigens möchte ich <name>Kant</name> in Schutz nehmen. Ich glaube, der Satz in der Vorrede zu den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-912"/>Prolegomena<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-912"/> ist doch – zwar im Ausdruck nicht vollkommen gegen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-913"/>Misverständnisse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-913"/> geschützt – aber dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-914"/>Sinne nach unzweideutig;<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-914"/> es heißt: <name>Hume</name> bewies unwidersprechlich, daß es der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-915"/>Vernunft unmöglich sei, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-916"/>a priori<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-916"/> (<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-917"/><abbr>d. h.</abbr> im <name>Hume</name>’schen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-917"/> Sinn, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-918"/>analÿtisch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-918"/>, <abbr>d. h.</abbr>) <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-919"/>aus Begriffen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-919"/> (<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-920"/>nemlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-920"/> den Begriffen des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-921"/>Etwas<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-921"/> das als Ursache, und des Etwas das als Wirkung angenommen wird) eine solche Verbindung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-915"/> <pb/> (vermöge der mit der Setzung des Einen das andere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-922"/>nothwendig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-922"/> gesetzt werden müßte) zu denken. <name>Hume</name> operiert ja gegen den <name>[C.] Wolff</name>ischen Gedanken, daß das Verhältniß des zureichenden Grundes zuletzt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-923"/>auch auf Identität<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-923"/> zurückgeführt werden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-924"/>müsse, aus dem Begriff eines Dings seine Wirkungen müssen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-924"/> abgeleitet werden können; sofern aus Begriffen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-925"/>– <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-926"/>nemlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-926"/> der Dinge, die als Ursachen gelten sollen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-925"/> erkannt wird, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-927"/>wird <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-928"/>a priori<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-927"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-928"/> erkannt, <abbr>u.</abbr> in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-929"/>dieser Opposition gibt ihm <name>Kant</name> recht – der Begriff der causalen Verbindung läßt sich nicht auf Identität<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-929"/> reducieren. In anderem Sinn ist <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-930"/>dann<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-930"/> freilich für <name>Kant</name> selbst die causale <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-931"/>Verknüpfung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-932"/>a priori<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-932"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-931"/> und aus Begriffen, <abbr>d. h.</abbr> nicht aus der Erfahrung, sondern aus der Kategorie als einer Form der Sÿnthesis. So, glaube ich, kann die Stelle ohne Zwang verstanden werden.</p><p>Dass <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-933"/>die sÿnthet<add>[ischen]</add> Urtheile <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-934"/>a posteriori<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-934"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-933"/> in <name>Kant</name>s Sinn ebenso der Erklärung bedürfen, und mit in der Frage eingeschlossen sind, welche die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-935"/>Kritik der reinen Vernunft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-935"/> beantworten will, ist unzweifelhaft richtig; aber ich glaube, daß es einen naheliegenden Grund gibt, aus dem <name>Kant</name> sie nicht erwähnt <abbr>u.</abbr> nicht erwähnen konnte. Denn daß jedes empirische Ur<pb/>theil, das objectiv gültig sein will, eine Kategorie <abbr>u.</abbr> einen apriorischen Grundsatz voraussetzt, kann <name>Kant</name> seinem Leser doch nicht wohl schon in der Einleitung sagen; das folgt ja erst aus der ganzen Analÿse; <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-936"/>der<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-936"/> Leser sieht darin also zunächst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-937"/>gar kein Problem<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-937"/>, da ihm <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-938"/>die Sÿnthesis durch Wahrnehmung geläufig ist, <abbr>u.</abbr><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-938"/> er diese ohne weiteres für objectiv gültig nimmt; für <name>Kant</name> aber ist mit der Frage: wie sind sÿnthet<add>[ische]</add> Urtheile <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-939"/>a priori<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-939"/> möglich, ebendamit auch die Möglichkeit der Urtheile <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-940"/>a post<add>[eriori]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-940"/> begründet; es sind für ihn nicht zwei unabhängige Fragen.</p><p>Doch ich könnte noch lange, zustimmend oder da <abbr>u.</abbr> dort ein Bedenken äußernd, fortschreiben; ich will aber lieber Ihnen nochmals zur Vollendung dieses Theils einer mühevollen Abeit gratulieren, und wünschen, daß sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-941"/>in jeder Hinsicht Erfolg haben möge. Für Sie selbst – erlauben Sie mir diese <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-942"/>Andeutung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-942"/> in Ihrem Interesse – wird der Erfolg um so sicherer sein, je mehr Sie durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-943"/>zusammenhängendere Ausführungen in der Weise Ihrer Excurse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-943"/> sich auch solche Leser sichern, denen die Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-941"/> <pb/> fehlt, sich den Gewinn den sie aus Ihrer Arbeit ziehen könnten, durch ein Durcharbeiten der Einzelerklärung zu holen. Für den Zweck <add>[d]</add>es Werks ist diese nöthig, <abbr>u.</abbr> es wird dadurch seine Bedeutung erringen <abbr>u.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-944"/>für lange sichern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-944"/>; aber Ihr Interesse, das doch darüber nicht zu kurz kommen darf, ist, daß Sie gleich beim Erscheinen von möglichst Vielen wirklich gelesen werden; <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-945"/><abbr>u.</abbr> das erreichen zusammenhängendere Erörterungen leichter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-945"/>; sie lassen zudem nicht bloß den Gelehrten und scharfsinnigen Exegeten und Kritiker erkennen, sondern auch auf den Docenten einen Schluß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-946"/>ziehen. Daß<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-946"/> es mich sehr freuen würde, wenn Ihnen Ihre academische und literarische Thätigkeit recht bald eine sichere Stellung erwürbe, brauche ich Sie nicht zu versichern.</p><p>Mit nochmaligem Danke <abbr>u.</abbr> den besten Wünschen Ihr ergebener</p><signed>C Sigwart.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-879"><lem>freundliche Uebersendung der Fortsetzung Ihres Commentars</lem><note>etwaiger Begleitbrief Vaihingers nicht ermittelt; meint die zweite Lieferung von Vaihinger: Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft. Zum hundertjährigen Jubiläum derselben. <abbr>Bd.</abbr> 1. Stuttgart: W. Spemann 1881 [2 Lieferungen 1881/1882].</note></app><app type="philological" corresp="#ED-880"><lem>ich habe … durchgegangen</lem><note> so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-881"><lem><span type="el">πολλαχϖσ λεγόμενα</span></lem><note>mit Rotstift unterstrichen; <abbr>grch.</abbr> die sprachlichen Ausdrücke unterschiedlichen Sinns</note></app><app type="philological" corresp="#ED-883"><lem>freier abgehandelt</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="philological" corresp="#ED-882"><lem>demselben zum … unter dem</lem><note> am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-884"><lem>Fundament der Deduction</lem><note>mit Blaustift (dick) unterstrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-885"><lem><name>Cohen</name>s feiner Ausführung</lem><note>gemeint sind Cohen: Kants Theorie der Erfahrung. Berlin: Ferd. Dümmler 1871. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/kantstheorieder01cohegoog/</ref> (14.6.2024) und Cohen: Kants Begründung der Ethik. Berlin Ferd. Dümmler 1877. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/kantsbegrndungd03cohegoog/</ref> (14.6.2024).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-886"><lem>formelle Element</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-887"><lem>Erscheinungen</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-888"><lem>Bewußtseins</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-891"><lem>Einheitspunkt</lem><note>kann auch </note><rdg>Freiheitspunkt</rdg><note> heißen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-890"><lem>dem Einheitspunkt … Apperception</lem><note> mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-889"><lem>zu spielen … Apperception</lem><note> am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift: </note><rdg>?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-892"><lem>Begriff der Erfahrung,</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-893"><lem>die mit dem … des Wissens</lem><note> mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-894"><lem>formelle Einheit</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-895"><lem><hi rend="underline">Begriff</hi> des Bewußtseins</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-896"><lem>Thatsachen</lem><note>kann auch </note><rdg>Thatsache</rdg><note> heißen; danach ein unleserliches Wort und ein Buchstabe gestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-897"><lem>nicht psÿchologisch</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-898"><lem>rein logisch</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-899"><lem>die Bedingungen … So habe</lem><note> mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-901"><lem>bloß formelle … aufeinander</lem><note> mit Blaustift unterstrichen, am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift: ?</note></app><app type="philological" corresp="#ED-900"><lem>platzen … aufeinander</lem><note> so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-902"><lem>über <name>Hume</name></lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-903"><lem>haben Sie sehr scharfsinnig</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-904"><lem>Causalitäts<hi rend="underline">begriff</hi></lem><note>unterstrichener Wortteil zusätzlich mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-905"><lem>Causalitäts<hi rend="underline">princip</hi></lem><note>unterstrichener Wortteil zusätzlich mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-906"><lem>Kants Standpunkt … Causalbegriff</lem><note> mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-907"><lem>Grundsatz</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-908"><lem>Kategorie</lem><note>kann auch </note><rdg>Kategorien</rdg><note> heißen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-909"><lem>überall</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-911"><lem>abhängig gedacht</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-910"><lem>anzuwenden gebietet … Ineinanderfließen</lem><note> am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen, daneben mit Blaustift: </note><rdg>?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-912"><lem>Prolegomena</lem><rdg>Prolegg.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-913"><lem>Misverständnisse</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-914"><lem>Sinne nach unzweideutig;</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-916"><lem>a priori</lem><note>in lateinischer Schrift; mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-917"><lem><abbr>d. h.</abbr> im <name>Hume</name>’schen</lem><note>mit Blaustift doppelt unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-918"><lem>analÿtisch</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-919"><lem>aus Begriffen</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-920"><lem>nemlich</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-921"><lem>Etwas</lem><note>davor mit Bleistift von anderer <abbr>Hd.</abbr> eingefügt: </note><rdg>speciellen?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-915"><lem>Vernunft unmöglich … solche Verbindung</lem><note> am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-922"><lem>nothwendig</lem><note>mit Bleistift doppelt unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-923"><lem>auch auf Identität</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-924"><lem>müsse, … müssen</lem><note> entgegen der Schreibgewohnheit mit doppeltem </note><rdg>s</rdg><note> statt </note><rdg>ß</rdg><note> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-926"><lem>nemlich</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-925"><lem>– nemlich … gelten sollen</lem><note> Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-928"><lem>a priori</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-927"><lem>wird a priori</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-929"><lem>dieser Opposition … auf Identität</lem><note> mit Blaustift unterstrichen, </note><rdg>auf Identität</rdg><note> doppelt unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-930"><lem>dann</lem><note>Lesung unsicher, kann auch </note><rdg>die</rdg><note> heißen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-932"><lem>a priori</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-931"><lem>Verknüpfung a priori</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-934"><lem>a posteriori</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-933"><lem>die sÿnthet. … a posteriori</lem><note> mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-935"><lem>Kritik der reinen Vernunft</lem><rdg>Kr. d. r. V.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-936"><lem>der</lem><note>verbessert aus unleserlichem Wort</note></app><app type="philological" corresp="#ED-937"><lem>gar kein Problem</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-938"><lem>die Sÿnthesis … geläufig, u.</lem><note> am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift: </note><rdg>?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-939"><lem>a priori</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-940"><lem>a post.</lem><note> in lateinischer Schrift</note></app><app type="philological" corresp="#ED-942"><lem>Andeutung</lem><note>Lesung unsicher, womöglich aus Buchstabendreher </note><rdg>(Anedutung)</rdg><note> verbessert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-943"><lem>zusammenhängendere … Excurse</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft. Zum hundertjährigen Jubiläum derselben. <abbr>Bd.</abbr> 2. Stuttgart, Berlin, Leipzig: Union/Deutsche Verlagsgesellschaft 1892, <abbr>S.</abbr> IV: </note><rdg>Dem Ersten Bande konnte nicht mit Unrecht vorgeworfen werden, dass der Stoff nicht überall gleich zweckmässig disponirt sei, dass hie und da auf Unwesentliches zu viel eingegangen sei, dass der Commentar zu wenig zusammenhängende Erörterungen biete. […] Auf Sigwarts freundlichen Rath hin habe ich in diesem Bande vor Allem mehrere zusammenhängende Excurse eingeschoben, um insbesondere dem dritten jener berechtigten Einwände zu begegnen.</rdg><note> <abbr>Vgl.</abbr> Sigwart an Vaihinger vom 28.10.1892.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-941"><lem>in jeder … die Zeit</lem><note> am <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-944"><lem>für lange sichern</lem><note>mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-945"><lem>u. das … leichter</lem><note> mit Blaustift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-946"><lem>ziehen. Daß</lem><note>Punkt fehlt, möglicherweise Textverlust am <abbr>Rd.</abbr></note></app></listApp></back></text></TEI>