<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000191-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Zarncke</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>28.5.1882</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Leipzig, Nachlass Zarncke, NL 249/1/V/23</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0191" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000191-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1882-05-28">28.5.1882</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11913702X">Friedrich Zarncke</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11653012X">Benno Erdmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118533401">Kuno Fischer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101304153">Karl Prantl</name><name>Friedrich August Trendelenburg</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Leipzig, Nachlass Zarncke, NL 249/1/V/23</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Friedrich Zarncke</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>28.5.1882</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Leipzig, Nachlass Zarncke, NL 249/1/V/23</bibl></head></front><body><dateline>Straßburg</dateline><dateline>28/ Mai 82</dateline><salute><abbr>Ew. </abbr>Hochwohlgeboren</salute><p>beehre ich mich anbei ganz ergebenst eine weitere Recension zuzusenden; es wäre mir lieb, wenn dieselbe baldmöglichst zum Abdrucke käme. Da in derselben K<add>[uno]</add> <name>Fischer</name>’s neue Auflage seines <name>Kant</name>werkes <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-826"/>berührt wird<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-826"/>, so bemerke ich, daß meine Auffassung der <name>Fischer</name>’schen Methode ganz in Übereinstimmung steht mit der Werthschätzung, welche dieselbe in den früheren Jahrgängen <pb/> des „Lit<add>[erarischen]</add> Centr<add>[alblatts]</add>“ (so viel ich weiß theilweise durch <name>Prantl</name> in München) erfahren hat. Sein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-827"/>maaßloser Angriff auf die „<name>Kant</name>philologie“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-827"/> wird ohne Zweifel eine ähnliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-828"/>größere literarische Controverse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-828"/> hervorrufen, wie seinerzeit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-829"/>sein Streit mit <name>Trendelenburg</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-829"/> eine solche gewesen ist. Da ich die Akten dieser berüchtigten Controverse sehr genau revidirt habe, weiß ich sicher, was man von <name>Fischer</name> zu halten hat. Er ist übrigens allerdings durch eine theilweise <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-830"/>zu<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-830"/> schlechte Behandlung seitens der Jüngeren gereizt worden, <pb/> während ich für meinen Theil seinen unleugbaren Verdiensten um <name>Kant</name> ganz unbefangen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-831"/>in meinem Commentar<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-831"/> habe Gerechtigkeit widerfahren lassen, indem ich ihm zugleich (besonders in der in der nächsten Woche erscheinenden Fortsetzung meines Commentars) die stärksten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-832"/>Donatschnitzer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-832"/> unwiderleglich nachgewiesen habe.</p><p>Genehmigen Sie den Ausdruck aufrichtiger Verehrung von Ihrem ergebensten</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-826"><lem>berührt wird</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger, gezeichnet V.: Kant’s Kritik der reinen Vernunft. Nachträge. Aus Kant’s Nachlass herausg. von Benno Erdmann. Kiel, 1881. Lipsius &amp; Fischer. (59 S. Lex.-8.) M 2. In: Literarisches Centralblatt, Nr. 27 vom 1.7.1882, Sp. 893; sowie Vaihinger an Zarncke vom 17.4.1883.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-827"><lem>maaßloser Angriff auf die „<name>Kant</name>philologie“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 13.5.1882</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-828"><lem>größere literarische Controverse</lem><note>der hauptsächlich angegriffene <name>Benno Erdmann</name> äußerte sich lediglich in: Vorwort des Herausgebers zur dritten Auflage. In: Immanuel Kant’s Kritik der reinen Vernunft. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Benno Erdmann. 3., mehrfach verbesserte Stereotypausgabe. Hamburg <abbr>u.</abbr> Leipzig: Leopold Voss 1884, <abbr>S.</abbr> XI–XVI, hier <abbr>S.</abbr> XIII, XV–XVI: </note><rdg>Die Herstellung eines sicheren Textes ist im Allgemeinen die niedrigste Arbeit der historischen Forschung. Eben deshalb aber bildet sie eine elementare Voraussetzung auch für die Reconstruktion der Entwicklungsgeschichte philosophischer Gedanken. Ob man diese Arbeit eine philologische nennen will, thut nichts zu Sache. Ich will daher gegen den Glauben Kuno Fischers, „freilich braucht man zu einer solchen Arbeit keine Philologie“, nicht streiten […]. Auf eine tiefergehende Würdigung dieser Polemik leiste ich Verzicht. […] Kuno Fischer hat es zweckmäßig gefunden, die citirten Schmähungen fast auf jeder Seite seiner polemischen Ausführungen gegen mich zu variieren. Ich muß hier darauf verzichten dieselben wörtlich wiederzugeben. Aber ich bin bereit, sie niedriger zu hängen. Sie finden sich in seiner „Geschichte der neuern Philosophie, dritter Band, dritte neu bearbeitete Auflage […]. Man hat dafür Sorge getragen, daß diese Invectiven gegen meine Person in litterarischen und provinzialen Zeitschriften, ja sogar in der politischen Tagespresse verbreitet werden. Ich gebe zu, daß ich gegen Angriffe solcher Art ohne Waffen bin. Kiel, am 25. September 1883. B. Erdmann.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-829"><lem>sein Streit mit <name>Trendelenburg</name></lem><note>zur <name>Fischer</name>-<name>Trendelenburg</name>-Debatte <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft <abbr>Bd.</abbr> 2 (1892), <abbr>S.</abbr> 290–326 sowie Klaus Christian Köhnke: Entstehung und Aufstieg des Neukantianismus. Die deutsche Universitätsphilosophie zwischen Idealismus und Positivismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1986, <abbr>S.</abbr> 257–272.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-830"><lem>zu</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-831"><lem>in meinem Commentar</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft, 1. <abbr>Bd.</abbr> 1881/1882 (in 2 Lieferungen erschienen), <abbr>z. B.</abbr> <abbr>S.</abbr> 378–380 und passim.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-832"><lem>Donatschnitzer</lem><note>benannt nach dem römischen Sprachlehrer Aelius Donatus, <abbr>vgl.</abbr> Grimm/Grimm: Wörterbuch der deutschen Sprache: </note><rdg>ein verstosz gegen die ersten regeln der lateinischen grammatik</rdg><note>; <ref type="link">https://www.dwds.de/wb/dwb/donatschnitzer</ref> (11.4.2022).</note></app></listApp></back></text></TEI>