<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000139-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Bartholomäus von Carneri</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Schloss Wildhaus (Zellnitz an der Drau/Selnica ob Dravi, ehemals Untersteiermark)</placeName>, <date>30.10.1880</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 2</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0139" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000139-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/119027690">Bartholomäus von Carneri</persName><placeName>Schloss Wildhaus (Zellnitz an der Drau/Selnica ob Dravi, ehemals Untersteiermark)</placeName><date when="1880-10-30">30.10.1880</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/119027690">Bartholomäus von Carneri</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118544381">Ernst Haeckel</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 2</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Bartholomäus von Carneri</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Schloss Wildhaus (Zellnitz an der Drau/Selnica ob Dravi, ehemals Untersteiermark)</placeName>, <date>30.10.1880</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 2</bibl></head></front><body><dateline>Wildhaus 30. Oct<add>[ober]</add> 1880.</dateline><salute>Mein hochgeehrter Herr!</salute><p>Endlich! Sie werden schon geglaubt haben, daß ich die ganze <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-777"/>Arbeit aufgegeben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-777"/> habe. Und doch bin ich sehr fleißig gewesen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-778"/>Im vorvorigen Sommer – drei Monate war ich zu Hause – wurde in Einem Zug das ganze Buch niedergeschmiert. Dann blieb es liegen bis zum vorigen Sommer, der wieder nur auf drei Monate mich nach Hause brachte, und wo ich es überging und zu einem guten Drittel neu machte. Sohin nahm ich es mit nach Wien, ließ es abschreiben, und behandelte die Correctur als eine gründliche Feile.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-778"/> Die Drucklegung nahm ein halbes Jahr in Anspruch. <pb/></p><p>Gleichzeitig mit diesen Zeilen sendet Braumüller ein Exemplar an Sie ab, und ich bitte Sie es anzunehmen als einen Beweis der Dankbarkeit, zu der Sie mich verpflichtet haben. Eine andere Frage ist es freilich, ob meine Benützung der englischen Moralisten Ihren Erwartungen entspricht? Ich habe mein Möglichstes gethan; nehmen Sie es freundlich auf. Streng habe ich mich an den Menschen der Entwickelungslehre gehalten, und nach meiner innersten Überzeugung ist das Resultat im vollen Sinn des Wortes ein Sittliches. Der Mensch, für den ich eintrete, ist der Mensch, wie er heute leibt und lebt, und als der er sich fortentwickeln wird, allen <pb/> Moralisten zum Trotz, welche seinem Willen mit der Wahlfreiheit ihren eigenen Willen aufzwingen möchten. Vielleicht gelingt es der Liebe, mit der ich die Sache behandelt habe, die Fehler, an welchen kein Mangel sein wird, einigermaßen in den Hintergrund zu drängen.</p><p>Nochmals meinen aufrichtigsten Dank, und mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener</p><signed>B. Carneri</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-777"><lem>Arbeit aufgegeben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carneri an Vaihinger vom 16.11.1878; die Rede ist von Carneri: Grundlegung der Ethik. Wien: Braumüller 1881.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-778"><lem>Im … Feile.</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> den fast wortgleichen ersten Absatz in <name>Carneri</name> an <name>Ernst Haeckel</name> vom 15.8.1880 (Bartholomäus von Carneri’s Briefwechsel mit Ernst Haeckel und Friedrich Jodl. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Margarete Jodl. Leipzig: K. F. Koehler 1922, <abbr>S.</abbr> 13).</note></app></listApp></back></text></TEI>