<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000135-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Zürich-Riesbach</placeName>, <date>9.3.1880</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 11</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0135" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000135-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116389311">Richard Avenarius</persName><placeName>Zürich-Riesbach</placeName><date when="1880-03-09">9.3.1880</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116850817">Anton von Leclair</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 11</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Zürich-Riesbach</placeName>, <date>9.3.1880</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 11</bibl></head></front><body><salute>Verehrtester Herr College!</salute><p>Herzlichen Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-713"/>Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-713"/> <abbr>u.</abbr> Sendung! Ein drolliges Zusammentreffen, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-714"/><name>Leclair</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-714"/><name/> <abbr>u.</abbr> ich unabhängig von einander um die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-715"/>Recension<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-715"/> gebeten haben – die ich Ihnen natürlich nicht zurückschicke.</p><p>Nur auf beifolgendem Blatt bitte ich Sie, im Text die Stelle anzumerken, wo das am Rand Geschriebene einzufügen sein wird.</p><p>Zu meinem großen Bedauern höre ich, daß Sie Sich so angegriffen fühlen; aber da Sie selbst die Hoffnung aussprechen, bald wieder „bei vollem Wasserzufluß“ zu sein – eine Hoffnung, der ich mich herzlichst anschließe! – so denke ich, Sie werden es nicht unbescheiden von mir finden, wenn ich mich (trotzdem augenblicklich Ihr geschätztes Mühlrad ein wenig langsamer geht) dennoch an Sie mit einer <hi rend="underline">Bitte</hi> wende. <pb/></p><p>17<hi rend="underline">81</hi> <name>Kant</name>’s Kr<add>[itik]</add> d<add>[er]</add> r<add>[einen]</add> V<add>[ernunft]</add> – nächstes Jahr: 18<hi rend="underline">81</hi>! Sie verstehen! Es liegt mir nun viel daran, im 1. Heft des nächsten (1881<hi rend="superscript"><hi rend="underline">er</hi></hi>) Jahrg<add>[an]</add>ges zu dem „Jubeljahre“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-716"/>einen Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-716"/> zu bringen, der materiell wie formell ein kleines Meisterstückchen sein soll <abbr>u.</abbr> der schon wegen der ausgezeichneten Gelegenheit, zu der er erschiene <abbr>u.</abbr> vermöge auch der ausgezeichneten Stelle, die ihm anzuweisen wäre, eine gewisse besondere Beachtung in <abbr>u.</abbr> außer Deutschland finden sollte. Diesen von mir, wie ich nicht leugne, als ganz specifisch wichtig angesehenen Artikel übernehmen zu wollen, ist der Inhalt meiner Bitte, die vor Allem an <hi rend="underline">Sie</hi> richten zu dürfen ich mich glücklich schätze.</p><p>Was den Inhalt des Artikels selbst betrifft, so meine ich, daß nach einer kurzen Skizzirung dessen, was die Kr<add>[itik]</add> d<add>[er]</add> r<add>[einen]</add> V<add>[ernunft]</add> 1781 <hi rend="underline">war</hi> <abbr>u.</abbr> welchen Einfluß sie von 1781–1881 gehabt hat, es am Platze sein möchte, <hi rend="underline">unsere heutige Vorstellung zur K<add>[ritik]</add> d<add>[er]</add> r<add>[einen]</add> V<add>[ernunft]</add> in einem schlagenden </hi><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-717"/><hi rend="underline">aut-aut</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-717"/><hi rend="underline"> </hi><hi rend="underline double">scharf</hi><hi rend="underline"> zu präcisiren.</hi></p><p>Absichtlich mache ich Ihnen meinen Vorschlag schon heute, damit Sie die vollste Muße hätten (Osterferien! Sommersemester!! Große Ferien!!!), den <pb/> im wahren Sinne des Wortes <hi rend="underline">leitenden</hi> Artikel aller Welt zu dankender Bewunderung <abbr>u.</abbr> Sich selbst zu behaglichster Geistesfreude zu disponiren <abbr>u.</abbr> auszuarbeiten. Eine Ablehnung meiner Bitte, verehrtester Herr College, dürften Sie also so wenig mit Zeitmangel zu motiviren versuchen, wie <hi rend="underline">Sie</hi> bekanntlich solches Thun mit dem Vorwand mangelnder Sachkenntnis plausibel zu machen vermöchten – was Sie selbst gar nicht erst versuchen wollen werden.</p><p>Und so sehe ich denn mit aufrichtigem Vergnügen der freundlichen Erfüllung meiner Bitte entgegen. Jedenfalls bitte ich um <hi rend="underline">Discretion</hi> für die Bitte, sei es – was ich herzlich wünsche – daß Sie ihre Erfüllung zusagen, sei es, daß Sie, was ich nicht hoffe – dieselbe ablehnen.</p><p>In Bezug auf das, was Sie mir über Ihr Verhältniß zu <name>Kant</name> schreiben, so enthält das gewiß eine sehr richtige innere Beobachtung – nur möchte ich fast die Behauptung wagen, daß dasselbe Einem <pb/> mit jedem der großen Philosophen passirt, zu dem wir uns anfänglich (Stadium I) hingezogen fühlen: man findet sich enttäuscht (Stad<add>[ium]</add> II), bis man endlich einsieht, die Verhältnisse boten keine anderen Entwicklungsbedingungen, der Mann selbst hat seine Größe (Stad<add>[ium]</add> III).</p><p><name>Leclair</name>’s Brief folgt beiliegend; das Blatt Ihrer Rezension bitte zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-718"/>retourniren.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-718"/></p><p>Mit dem aufrichtigen Wunsche, daß Ihr Befinden recht bald wieder die alte Frische zurückgewonnen habe, verbleibe ich bestens grüßend Ihr ergebenster</p><signed>R. Avenarius</signed><dateline><hi rend="underline">Zürich-Riesbach</hi>, <abbr>d.</abbr> 9.III.80.</dateline></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-713"><lem>Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-714"><lem><name>Leclair</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Anton von Leclair an Vaihinger vom 16.2.1880. Dieses Schreiben hat Vaihinger an Avenarius mitgeteilt, <abbr>s. u.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-715"><lem>Recension</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Leclair, Dr. Anton von: Der Realismus der modernen Naturwissenschaft im Lichte der von Berkeley und Kant angebahnten Erkenntniskritik. Kritische Streifzüge. Prag. Tempsky. 1879. 8. IX u. 282 SS. – 5 M. 60 Pf. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 4 (1880), <abbr>S.</abbr> 391–395.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-716"><lem>einen Artikel</lem><note>obgleich Vaihinger zunächst zugesagt hatte, verfasste er keinen solchen Artikel. Stattdessen erschien: Friedrich Paulsen: Was uns Kant sein kann? Eine Betrachtung zum Jubeljahr der Kritik der reinen Vernunft. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 5 (1881), <abbr>S.</abbr> 1–96.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-717"><lem><hi rend="underline">aut-aut</hi></lem><note><abbr>lat.</abbr> entweder-oder; sowohl-als auch</note></app><app type="philological" corresp="#ED-718"><lem>retourniren.</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>nicht zu vergessen.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>