<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000126-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Wipkingen/Zürich</placeName>, <date>11.3.1879</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 10</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0126" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000126-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116389311">Richard Avenarius</persName><placeName>Wipkingen/Zürich</placeName><date when="1879-03-11">11.3.1879</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11603663X">Friedrich von Baerenbach (Frigyes Medveczky)</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119331586">Hermann Ulrici</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117325457">Johann Georg Vaihinger</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 10</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Wipkingen/Zürich</placeName>, <date>11.3.1879</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 10</bibl></head></front><body><salute>Verehrter Herr College!</salute><p>Vor allem empfangen Sie den Ausdruck der aufrichtigen Theilnahme, mit welcher mich die Nachricht von dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-610"/>Tode Ihres Herrn Vaters<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-610"/> erfüllt hat! Und gestatten Sie mir, die Hoffnung hinzuzufügen, daß sich vor seinem Hinscheiden Alles ausgeglichen haben möchte, was vielleicht zuweilen den Anschein nicht vermied, als wolle es sich etwas gegensätzlich zwischen Sie und den Verstorbenen stellen. –</p><p>Für Ihren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-611"/>ausführlichen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-611"/>, sowie für die in vorzüglichster Weise geschehene Erfüllung meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-612"/>confidentiellen Bitte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-612"/> nehmen Sie meinen verbindlichsten Dank! (Daß v. B. übrigens einfach das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-613"/>Thema meines Einführungsartikels<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-613"/> breitgetreten, ist mir natürlich, als ich einen Blick in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-614"/>das Buch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-614"/> warf, nicht entgangen; ich bin mir aber noch nicht völlig klar, wie ich mich zu dieser Behandlung verhalten werde.)</p><p>Wenn ich (wofür ich nicht bürge) die interessanten Zeichen Ihres werthen Briefes recht entziffert habe, <pb/> so wünschen Sie, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-617"/>2.<hi rend="superscript">te</hi> Hälfte Ihres Artikels<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-617"/>: „Das Entwicklungsgesetz“ für jetzt nicht zu behandeln; dagegen würden Sie bereit sein, vornehmlich zum Zwecke der Wahrung der Priorität, den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-618"/>Grundgedanken Ihrer Schrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-618"/> „Ueber die Hilfsvorstellungen“ in gedrängter Kürze darzustellen <abbr>u.</abbr> dieser Darstellung dann event<add>[uell]</add> einige weitere zum selben Thema gehörige, etwas mehr ausführende Artikel folgen zu lassen.</p><p>Auch ich glaube, daß Sie gut thun werden, diesen Plan auszuführen – <abbr>u.</abbr> <hi rend="underline">nicht allein</hi> der Prioritätswahrung willen. <hi rend="underline">Ein</hi> guter <hi rend="underline">Artikel</hi> wirkt oft <abbr>u.</abbr> nach wichtigen Seiten hin leichter <abbr>u.</abbr> sicherer als ein Werk von <hi rend="underline">2 Bänden</hi>!</p><p>Ich bitte Sie also zunächst, Ihrem Vorschlag gemäß, um die Darlegung des „Grundgedankens“; doch ersuche ich Sie, dieselbe nicht so nackt, <abbr>d. h.</abbr> nicht so ohne alle <abbr>u.</abbr> jede speciellere Hinweisung zu geben, daß vom Standpunkte des <hi rend="underline">Publicums</hi> aus die Berechtigung, den Artikel zu veröffentlichen, für die Redaction zweifelhaft erscheinen könnte. <pb/> Die weiteren Artikel würden dann in geeigneten Zwischenräumen zu folgen haben.</p><p>Das Honorar würde <abbr>RM.</abbr> 30 pro Bogen betragen.</p><p>Daß es eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-619"/>Zeitschrift für <hi rend="underline">wissenschaftl<add>[iche]</add></hi> Theologie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-619"/> <abbr>u. s. w.</abbr> giebt, ist mir wohl bekannt; ich habe aber absichtlich nicht auf diese Thatsache <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-620"/>in meiner Replik<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-620"/> mich bezogen, weil ich seiner Zeit in der betreffenden Comitésitzung von einem viel tieferen Grunde ernstester philos<add>[ophischer]</add> Ueberzeugungen aus die Bezeichnung „wissenschaftliche Philosophie“ vorschlug. Für mich hat der Ausdruck „wissenschaftliche Philosophie“ eine principielle Bedeutung, die durch die Analogie etwa mit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-621"/>Zeitschr<add>[ift]</add> f<add>[ür]</add> wiss<add>[enschaftliche]</add> Zoologie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-621"/> doch kaum erfasst sein dürfte; nun, für Sie, der Sie ja <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-622"/>meine „Ph<add>[ilosophie]</add> a<add>[ls]</add> D<add>[enken]</add> d<add>[er]</add> W<add>[elt]</add>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-622"/> kennen, genügen diese Andeutungen. –</p><p>Genug für heute; ich bin überarbeitet <abbr>u.</abbr> doch ist das Semester noch immer nicht zu Ende: es kommen noch die furchtbar aufreibenden Examina!</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-623"/>Lassen Sie es sich gut gehen! Mit bestem Gruß Ihr ganz ergebenster</p><signed>R. Avenarius.</signed><dateline>Wipkingen b/Zürich, den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-624"/>11.III.79.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-623"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-624"/></dateline><postscript><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-625"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-626"/>Wahrscheinlich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-625"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-627"/>reise noch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-627"/> in der nächsten Woche ein wenig in meine Heimath.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-626"/></p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-610"><lem>Tode Ihres Herrn Vaters</lem><note><name>Johann Georg Vaihinger</name>, zuletzt Pfarrer in Canstatt, war im Januar 1879 verstorben (<abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Wie die Philosophie des Als Ob entstand. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen <abbr>Bd.</abbr> 2. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Raymund Schmidt. Leipzig: Meiner 1921, <abbr>S.</abbr> 192; <abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-611"><lem>ausführlichen Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-612"><lem>confidentiellen Bitte</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Avenarius an Vaihinger vom 24.2.1879</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-613"><lem>Thema meines Einführungsartikels</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Avenarius: Zur Einführung. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), <abbr>S.</abbr> 1–14.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-614"><lem>das Buch</lem><note>gemeint ist vermutlich: Friedrich von Bärenbach (!): Prolegomena zu einer Anthropologischen Philosophie. Leipzig: Barth 1879 (Grundlegung der kritischen Philosophie. Erster Theil). Das Vorwort ist datiert und unterzeichnet: </note><rdg>Jena, 1. August 1878. Friedrich v. Baerenbach.</rdg><note> Hinter diesem in der Schreibung des Umlauts inkonsistenten Pseudonym verbirgt sich <name>Frigyes Medveczky</name><anchor type="delimiter"/> (1856–1914), <abbr>Prof.</abbr> der Philosophie an der Universität Budapest, Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Präsident der Ungarischen Philosophischen Gesellschaft (<ref type="link">https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_M/Medveczky_Frigyes_1856_1914.xml</ref> (1.8.2024)).<anchor type="delimiter"/></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-617"><lem>2.<hi rend="superscript">te</hi> Hälfte Ihres Artikels</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Das Entwickelungsgesetz der Vorstellungen über das Reale. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 2 (1878), <abbr>S.</abbr> 298–313 <abbr>u.</abbr> <abbr>S.</abbr> 415–448 – letzteres ist die 2. Hälfte.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-618"><lem>Grundgedanken Ihrer Schrift</lem><note>eine solche erschien nicht</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-619"><lem>Zeitschrift für wissenschaftl. Theologie</lem><note> erschien 1858–1892, <abbr>NF</abbr> 1893–1914</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-620"><lem>in meiner Replik</lem><note>an <name>Hermann Ulrici</name>; <abbr>vgl.</abbr> Avenarius: In Sachen der wissenschaftlichen Philosophie. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), <abbr>S.</abbr> 553–580.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-621"><lem>Zeitschr. f. wiss. Zoologie</lem><note> erschien 1848/1849–1931/1932</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-622"><lem>meine „Ph<add>[ilosophie]</add> a<add>[ls]</add> D<add>[enken]</add> d<add>[er]</add> W<add>[elt]</add>“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Avenarius: Philosophie als Denken der Welt gemäss dem Princip des kleinsten Kraftmasses. Prolegomena zu einer Kritik der reinen Erfahrung. Leipzig: Fues’s Verlag (R. Reisland) 1876.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-624"><lem>11.III.79.</lem><note>die Datierung </note><rdg>11.6.1879</rdg><note> in den 1966 vorgelegten Briefregesten trifft nicht zu, <abbr>vgl.</abbr>: Der Nachlass des Philosophen Hans Vaihinger. Alphabetisches Verzeichnis der Briefe von A–M. Vorgelegt von Gunhild Meier und Leonore Schmidt (Staatsbibliothek Bremen). Bremen 1966. Für die Online-Ausgabe: Bremen: Staats- und Universitätsbibliothek 2016 (<ref type="link">https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:46:1-7219</ref> (1.8.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-623"><lem>Lassen … 11.III.79.</lem><note> um 90° gedreht auf den linken <abbr>Rd.</abbr> geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-625"><lem>Wahrscheinlich</lem><rdg>Wahrschl</rdg><note>.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-627"><lem>reise noch</lem><note>so wörtlich; <abbr>u. U.</abbr> zu ergänzen: reise ich noch</note></app><app type="philological" corresp="#ED-626"><lem>Wahrschl. … Heimath</lem><note> um 90° gedreht auf den linken <abbr>Rd.</abbr> der 1. <abbr>S.</abbr> geschrieben</note></app></listApp></back></text></TEI>