<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000111-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Heinrich Landesmann</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>24.2.1878</date>, <note>4 S., hs., Briefkopf Prägestempel: Monogramm </note><quote type="rdg">H V</quote><note> in zwei ovalen Medaillons, darüber Blütenkranz, darunter Akanthuslaub, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">A PIRIE &amp; SONS | 1856</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-43401</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0111" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000111-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Straßburg</placeName><date when="1878-02-24">24.2.1878</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/131813904X">Heinrich Landesmann</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118505947">Julius Bahnsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-43401</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Heinrich Landesmann</persName>, <placeName type="sent">Straßburg</placeName>, <date>24.2.1878</date>, <note>4 S., hs., Briefkopf Prägestempel: Monogramm </note><quote type="rdg">H V</quote><note> in zwei ovalen Medaillons, darüber Blütenkranz, darunter Akanthuslaub, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">A PIRIE &amp; SONS | 1856</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-43401</bibl></head></front><body><salute>Hochgeehrter <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-468"/>Herr!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-468"/></salute><p>Durch Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-469"/>reiche Sendung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-469"/> haben Sie mich ungemein erfreut und spreche ich Ihnen meinen ganz ergebensten Dank aus. Die Abhandlung über den „Humor bei <name>Kant</name>“ habe ich sogleich gelesen und verdanke derselben werthvolle Anregung; sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-470"/>interessirt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-470"/> mich um so mehr, als sie mit einem <pb/> meiner Gedankengänge coincidirt. Die übrigen Sachen muß ich mir für die Ferien aufsparen. Doch werde ich einige Abschnitte Ihres „Naturgenusses“ – ein Werk durch das Sie sich ein dauerndes Denkmal gesetzt haben – noch für mein Colleg verwerthen können; insbesondere das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-471"/>„Erwachen des Sinnes für die im Mittelalter unterdrückte Natur“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-471"/> interessirt mich, da ich in meiner <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-472"/>Vorlesung über die Hauptsysteme der Philosophie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-472"/> ge<pb/>rade an diesem Abschnitt stehe. So bin ich Ihnen denn von Herzen für diese reiche Schenkung verbunden, welche meinen Geist anregen, mein Gemüth poetisch stimmen wird.</p><p>Es wird mir stets nicht blos sehr ehrenvoll sein, sondern mich sicherlich auch sachlich fördern, wenn Sie mich mit Ihren Zuschriften beehren wollen. Nur bin ich selbst, in Folge meiner starken Beschäftigung, ein nicht immer zuverlässiger Correspondent. Es wäre mir aber außerordentlich erfreulich, wenn Sie gerade Ihren Ansichten über die Verbindung von <hi rend="underline">Pessimismus und Optimismus</hi> Ausdruck verleihen wollten, sei es literarisch, sei es brieflich; denn dieser <pb/> Punkt ist ungemein wichtig für die Bildung einer Weltanschauung welche für die Zukunft sein soll: Ein Briefwechsel hierüber möchte in jeder Hinsicht belehrsam und anregend sein. – Kennen Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-473"/><hi rend="underline"><name>Bahnsen</name>’s</hi> Scherflein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-473"/> und speciell seine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-474"/>Broschüre über den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-475"/><hi rend="underline">Humor</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-474"/><hi rend="underline"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-475"/>? Ich glaube, er will etwas Ähnliches, habe aber keinen Zeit gehabt, ihn zu lesen.</p><p>Ich erlaube mir Ihnen anbei meine Schrift zu überreichen und sehe Ihrer literarischen Äußerung über dieselbe mit Spannung entgegen. –</p><p>Ihre Schrift ist für mich ganz leserlich, und bitte ich Sie, in dieser Beziehung ganz nach Ihrer Bequemlichkeit zu verfahren.</p><p>Entschuldigen Sie meine Eile, und flüchtige Kürze: Tag für Tag verlangt das Colleg seine Zeitopfer.</p><p>Mit aufrichtigem Dank und besonderer Hochachtung Ihr ganz ergebenster</p><signed>D<hi rend="superscript"><hi rend="underline">r</hi></hi> Hans Vaihinger</signed><dateline>Str<add>[aßburg]</add> 24/II 78.</dateline></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-468"><lem>Herr!</lem><note>danach 3 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-469"><lem>reiche Sendung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Landesmann an Vaihinger vom 21.2.1878</note></app><app type="philological" corresp="#ED-470"><lem>interessirt</lem><note>doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-471"><lem>„Erwachen des Sinnes für die im Mittelalter unterdrückte Natur“</lem><note>kein direktes Zitat, <abbr>vgl.</abbr> Landesmann/Lorm: Der Naturgenuss (1876), darin die Kapitel III <abbr>u.</abbr> IV. über die unterdrückte Natur im Mittelalter und die auferstandene Natur in der Renaissance.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-472"><lem>Vorlesung über die Hauptsysteme der Philosophie</lem><note>Vaihinger lehrte im WS 1877/1878 <abbr>u. a.</abbr>: Die Hauptsysteme der älteren und neueren Philosophie; Montag, Donnerstag und Freitag von 10–11 Uhr.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-473"><lem><hi rend="underline"><name>Bahnsen</name>’s</hi> Scherflein</lem><note>meint vermutlich Julius Bahnsen: Bedingter Gedanke und Bedingungssatz. Ein Scherflein zur Philosophie der Sprache. Lauenburg i. P.: F. Ferley's Buchdruckerei 1877 (Beilage zum Programm des Progymnasiums zu Lauenburg in Pommern, Ostern 1877).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-474"><lem>Broschüre über den <hi rend="underline">Humor</hi></lem><note>meint vermutlich Bahnsen: Das Tragische als Weltgesetz und der Humor als ästhetische Gestalt des Metaphysischen. Monographien aus den Grenzgebieten der Realdialektik. Lauenburg i. P.: Ferley 1877.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-475"><lem><hi rend="underline">Humor</hi><hi rend="underline"/></lem><note>in <abbr>lat.</abbr> Schrift</note></app></listApp></back></text></TEI>