<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000097-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Zürich</placeName>, <date>5.5.1877</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 5</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0097" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000097-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116389311">Richard Avenarius</persName><placeName>Zürich</placeName><date when="1877-05-05">5.5.1877</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118651218">Ferdinand Avenarius</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532154">Gustav Theodor Fechner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118616080">Herbert Spencer</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 5</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Richard Avenarius</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Zürich</placeName>, <date>5.5.1877</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 m, Nr. 5</bibl></head></front><body><salute>Verehrtester Herr College!</salute><p>Nehmen Sie meinen besten Dank für Ihre freundlichen Glückwünsche – ob zu einer freundlichen Geschickswendung, das muß nun freilich erst die Zukunft lehren! Hoffentlich darf ich Ihnen bald zur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-296"/>gleichen Gelegenheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-296"/> gratuliren – einstweilen nochmals meine besten Wünsche zur Eröffnung überhaupt Ihrer akademischen Thätigkeit!</p><p>Von hier ist vorläufig wenig zu berichten – ich leide an den Folgen der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-297"/>späten Berufung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-297"/> <abbr>u.</abbr> habe unmäßig viel zu thun. Die „Studentinnen“ liegen völlig außerhalb meiner Sphäre. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-298"/>Frau N.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-298"/>, nach welcher Sie Sich so liebevoll erkundigen, hat nie bei mir gehört; auch sonst kann ich Ihnen keine Nachrichten über dies unglückliche Wesen senden.</p><p>Daß ich in <name>Spencer</name> meinen partiellen Vorgänger habe, wurde mir schon vor längerer Zeit von anderer Seite mitgetheilt <abbr>u.</abbr> mir zugleich das betr<add>[effende]</add> Material zur Verfügung gestellt. Werden Sie glauben, daß ich <pb/> absolut noch nicht die Zeit fand, nachzusehen, wie es sich hierin verhalte? Ich glaube gern, daß es der Fall ist. Ich bin auch überzeugt, daß dies so einfache <abbr>u.</abbr> natürliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-299"/>Princip des kl<add>[einsten]</add> Kraftm<add>[aßes]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-299"/> mehr <abbr>u.</abbr> mehr zur Erklärung herbeigezogen werden wird. Es freut mich, wenn Sie selbst ihre besorgliche Zurückhaltung ein wenig aufzugeben anfangen. <name>Fechner</name> hat das Princip <abbr>u.</abbr> sein von mir geschildertes Walten mir gegenüber anerkannt; auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-300"/>in seiner neuesten Aesthetik es besprochen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-300"/>, indem er nur bekämpfte, daß es bis dato <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-301"/>kein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-301"/> <hi rend="underline">allgem<add>[eines]</add> aesthet<add>[isches]</add></hi> Grundprincip abzugeben vermöchte. (Was ich zunächst auch noch nicht behauptete <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-302"/>obgleich ich etwas Kühnes zu denken mich berechtigt fühlte.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-302"/><add>[)]</add></p><p>Ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie Ihre Beobachtungen nicht verheimlichten.</p><p>Ob ich meine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-303"/>Leipziger Vorträge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-303"/> drucken lasse, ist mir sehr unwahrscheinlich. Mag sein, daß das eine falsche Bescheidenheit ist – aber ich bin wirklich der Ansicht, daß meine Ansichten nicht werth sind, den Druckerjungen zu bemühen – nachdem sie einem Studentenkreise für einen <hi rend="underline">bestimmten</hi> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-304"/>lebendigen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-304"/> Zweck vorgetragen sind.</p><p>Vielleicht, daß ich jedoch dem Usus folge <abbr>u.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-305"/>meine Antrittsrede<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-305"/>, die ich bereits vor 10 Tagen gehalten, veröffentliche. Vielleicht – vielleicht auch nicht. <pb/></p><p>Ihren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-306"/>Artikel über <name>Laas</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-306"/><name/> habe ich wenigstens durchblättert, er scheint interessant zu sein. Mich interessirte jedenfalls, daß Sie nun doch mehr <abbr>u.</abbr> mehr auf die <hi rend="underline">psychologischen Sprünge</hi> kommen. In Leipzig waren Sie noch ein gewaltiger reiner „Erkenntnisstheoretiker“ vor dem Herrn – Warum schlossen Sie Ihren Artikel nicht: „Wir hätten sonst ein Buch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-307"/>schreiben müssen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-307"/> über das Buch, welches über ein Buch geschrieben ist.“ – ?</p><p>Hoffentlich haben Sie die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-308"/>beiden Broschüren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-308"/> <hi rend="underline">nicht</hi> – wie Sie avisirten – an mich abgesandt; ich habe Nichts erhalten <abbr>u.</abbr> möchte doch nicht gern, daß die Dinger verloren gegangen wären, wie mir bereits eine größere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-309"/>Kreuzbandsendung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-309"/> verloren gegangen ist.</p><p>Nochmals die herzlichen Glückwünsche zum Beginn Ihrer akademischen Wirksamkeit <abbr>u.</abbr> die besten Grüße von Ihrem</p><signed>R. Avenarius</signed><dateline>Zürich, <abbr>d.</abbr> 5. Mai 1877.</dateline><dateline>Oberstraße, N 191.</dateline></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-296"><lem>gleichen Gelegenheit</lem><note><name>Avenarius</name> war 1877 nach Zürich berufen worden (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-297"><lem>späten Berufung</lem><note>der Regierungsratsbeschluss zur Berufung von Avenarius wurde erst am 3.3.1877 gefasst, Antritt war zum Sommersemester. <abbr>Vgl.</abbr> Regierungsratbeschluss (Kanton Zürich) <abbr>Nr.</abbr> 467: <ref type="link">https://suche.staatsarchiv.djiktzh.ch/detail.aspx?ID=3375152</ref> (14.10.2021).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-298"><lem>Frau N.</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-299"><lem>Princip des kl<add>[einsten]</add> Kraftm<add>[aßes]</add></lem><note>Thema von <name>Avenarius</name>’ Leipziger Habilitationsschrift: Philosophie als Denken der Welt gemäss dem Princip des kleinsten Kraftmasses. Prolegomena zu einer Kritik der reinen Erfahrung. Habilitationsschrift der philosophischen Facultät der Universität zu Leipzig vorgelegt und als Einladung zu der am 10. Januar 1876 Nachmittag 3 Uhr Im Bornerianum Nr. VI zu haltenden Probevorlesung über die Substanz Spinoza’s ausgegeben von Dr. Richard Avenarius. Leipzig: Fues’s Verlag (R. Reisland) 1876.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-300"><lem>in seiner neuesten Aesthetik es besprochen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Gustav Theodor Fechner: Vorschule der Aesthetik Zweiter Theil. Leipzig: Breitkopf &amp; Härtel 1876, <abbr>S.</abbr> 263–267: </note><rdg>XLIII. Princip der ökonomischen Verwendung der Mittel oder des kleinsten Kraftmasses. Frage nach dem allgemeinsten Grunde der Lust und Unlust. Princip von Zöllner. Princip der Tendenz zur Stabilität. Herbartsches Princip</rdg><note>; zu <name>Avenarius</name> <abbr>bes.</abbr> <abbr>S.</abbr> 264–265.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-301"><lem>kein</lem><note>davor gestrichen: </note><rdg>noch</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-302"><lem>obgleich … fühlte.</lem><note> mit Einfügungszeichen auf den unteren <abbr>Rd.</abbr> geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-303"><lem>Leipziger Vorträge</lem><note>im Akademisch-philosophischen Verein. Lediglich für das <abbr>WS</abbr> 1875/1976 ist ein Vortragsthema von <name>Avenarius</name> bekannt: </note><rdg>Psychologische Bemerkungen über das Kantische „Ding an sich“</rdg><note> (<abbr>vgl.</abbr> Philosophische Monatshefte 12 (1876), <abbr>S.</abbr> 192). Nicht im Druck nachgewiesen.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-304"><lem>lebendigen</lem><note>mit Einfügungszeichen auf den linken <abbr>Rd.</abbr> geschrieben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-305"><lem>meine Antrittsrede</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Avenarius: Ueber die Stellung der Psychologie zur Philosophie. Eine Antrittsvorlesung [Zürich]. In: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1 (1877), <abbr>S.</abbr> 471–488.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-306"><lem>Artikel über <name>Laas</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihingers Rezension: Zur modernen Kantphilologie: „Laas, Kants Analogien der Erfahrung.“ In: Philosophische Monatshefte 12 (1876), <abbr>S.</abbr> 443–463. Der Schlusssatz lautet: </note><rdg>Mit Bedauern mussten wir so vieles Interessante und Belebende aus dem reichen Inhalt der […] Schrift übergehen: wir hätten sonst ein Buch über das Buch schreiben müssen.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-307"><lem>schreiben müssen</lem><note>Einfügung unter der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-308"><lem>beiden Broschüren</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-309"><lem>Kreuzbandsendung</lem><note>Versandform für Drucksachen</note></app></listApp></back></text></TEI>