<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000089-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Eduard von Hartmann </persName>an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Bad Driburg</placeName>, <date>3.9.1876</date>, <note>3 S., hs., Briefkopf: in Blütenkranz eingeprägter Schriftzug </note><quote type="rdg">Bad Driburg</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 2 g, Nr. 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0089" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000089-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118546252">Eduard von Hartmann</persName><placeName>Bad Driburg</placeName><date when="1876-09-03">3.9.1876</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/101295294">Agnes Taubert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118527797">Eugen Dühring</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116414545">Ernst Bratuscheck</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118912186">Ernst Kapp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118505947">Julius Bahnsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116722142">Julius Frauenstädt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118788175">Johannes Rehmke</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118627724">Johannes Volkelt</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 2 g, Nr. 1</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Eduard von Hartmann </persName>an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Bad Driburg</placeName>, <date>3.9.1876</date>, <note>3 S., hs., Briefkopf: in Blütenkranz eingeprägter Schriftzug </note><quote type="rdg">Bad Driburg</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 2 g, Nr. 1</bibl></head></front><body><dateline>den 3. September 1876.</dateline><salute>Verehrtester Herr Doctor!</salute><p>Ich bedaure, Sie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-187"/>bei<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-187"/> meiner auf morgen angesetzten Rückkehr nicht mehr in Berlin vorzufinden. Die mündliche Besprechung würde die schriftliche Auseinandersetzung in manchen Punkten ergänzt haben. Ich habe jetzt fertig: eine Einleitung (1 starker Druckbogen), allgemeine Charakteristik von <name>Lange</name>s <abbr>u.</abbr> Ihrem Standpunkt enthaltend, und A. „die Philosophie als Wissenschaft“ (2 Druckbogen). Erstere habe ich an die „Wiener Abendpost“ gesandt. Es soll folgen B „die Philosophie als Dichtung“, was vielleicht auch noch verwendbar wird für ein Journal. Absch<add>[nitt]</add> A wüßte ich nicht weiter zu verwenden, da ich auf meine Offerte im Frühjahr von <name>Bratuscheck</name> keine Antwort erhalten habe. Die Einleitung wird eingeschaltet in den Artikel in N<hi rend="superscript"><hi rend="underline">o</hi></hi> 28–32 der Gegenwart; A u. B. bilden eine Abhandlung, welche vor <name>Frauenstädt</name>, <name>Bahnsen</name>, <name>Volkelt</name> und <name>Rehmke</name> stehen soll. Das ganze Buch von über 20 Bogen wird im Winter gedruckt <abbr>u.</abbr> soll im Frühjahr erscheinen. Ich werde Ihnen seinerzeit von dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-188"/>Sie betreffenden <pb/> Theil<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-188"/> Correkturabzüge schicken, vielleicht schon <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-189"/>im November<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-189"/>. Sie haben dann Muße, bis zum Erscheinen eventuell <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-190"/>eine Entgegnung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-190"/> zu verfassen, wenn Ihnen dazu der Sinn steht. Aus der Ausführlichkeit, mit der ich auf Ihre Gedanken eingehe, werden Sie entnehmen, wie sehr es mir darum zu thun ist, Ihr Talent aus der Sackgasse, in die es sich verrannt hat, auf die Rennbahn zurückzuführen.</p><p>Ihre brieflichen Auslassungen würden mehr als hinreichen, die letzte Trübung aus unsern persönlichen Beziehungen, wenn eine solche überhaupt noch bestände, zu entfernen. Aber dieß kann nichts daran ändern, daß Sie mich öffentlich herausgefordert, und daß, wenn ich das Duell annehme, ich es auch auf die von Ihnen gewählten Waffen annehmen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-191"/>muß<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-191"/>. So werden Sie Sich denn auch eine „Abwehr“ gefallen lassen müssen, die darum noch keine „Vergeltung“ ist.</p><p>Ich kann nur wünschen, daß Sie zu <name>Lange</name>’s Gesch<add>[ichte]</add> d<add>[es]</add> Mat<add>[erialismus]</add> als Pendant eine Gesch<add>[ichte]</add> d<add>[es]</add> Pessimismus schreiben. Wer nicht selbst auf den Pessimismus schwört, wird beim Publikum <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-192"/>als<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-192"/> Geschichtsschreiber des Pess<add>[imismus]</add> offenbar bessere Chancen haben, als ein Parteigänger. Darin sehe ich also kein Hinderniß. Ueber Ihre Stellung zur Sache verweise ich auf meine Abhandlung. Ich will nur voranschicken, daß ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-193"/>„Metamoral“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-193"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-194"/>nicht acceptire<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-194"/>; ich habe schon seit einiger Zeit in Manuscript-Entwürfen das Wort „Axiologie“ stehen, daß ich jetzt öffentlich in Vorschlag bringen werde.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-195"/>Meine Frau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-195"/>, die Ihre Empfehlungen erwidert, ist überaus böse auf Sie, daß Sie mich mit <name>Dühring</name> zusammengestellt haben, und war nahe daran, Ihnen ihre Entrüstung darüber schriftlich kund zu tun. <abbr>Prof.</abbr> <name>Ernst Kapp</name>, der mich hier besuchte, findet diese weibliche Empfindung ebenso in der Ordnung wie meine Seelenruhe. Wir sind alle gesund, aber mein Gehirn ist nicht im gleichen Maaße aufgefrischt wie mein übriger Körper, und werde ich wohl für ein Jahr lang Arbeit und Correspondenz beschränken müssen.</p><p>Mit den besten Glückwünschen für Ihre beabsichtigte Habilitation in Straßburg verbleibe ich hochachtungsvoll Ihr ergebener</p><signed>E. v. Hartmann.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-187"><lem>bei</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-188"><lem>Sie betreffenden <pb/> Theil</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Eduard von Hartmann: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart (1877), S. 1–7, 22–29 u. 45–118.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-189"><lem>im November</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Eduard von Hartmann an Vaihinger vom 1.1.1877</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-190"><lem>eine Entgegnung</lem><note>eine solche erschien nicht, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Heinrich Landesmann vom 19.2.1878.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-191"><lem>muß</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-192"><lem>als</lem><note>Beginn des neuen Bogen mit selbem Briefkopf wie oben</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-193"><lem>„Metamoral“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), <abbr>S.</abbr> 230: </note><rdg>Wäre „Metamoral“ nicht eine barbarische Wortbildung, […] so würde ich die Metamoral der Metaphysik gegenüberstellen, und beide als nur postulirte, imaginäre Disciplinen kennzeichnen, indem die den beiden zu Grunde liegenden Fragen (nach dem Werth und nach dem Wesen der Welt) unbeantwortbar sind […].</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-194"><lem>nicht acceptire</lem><note><abbr>vgl.</abbr> in Eduard von Hartmanns Schrift <abbr>S.</abbr> 106, <abbr>Anm.</abbr>: </note><rdg>Ich gebe dem Terminus „Axiologie“ (oder Lehre von dem Werth der Welt) den Vorzug vor dem von Vaihinger vorgeschlagenen „Metamoral“, weil letzterer auf der irrthümlichen Voraussetzung beruht, dass die Frage nach dem Pessimismus sich genauso zur Moral verhalte wie die Metaphysik zur Physik (230). Die Axiologie beschäftigt sich aber nur mit der Bemessung von Lust und Unlust, die als psychologische Facta der Welt der subjectiven Erscheinung angehören, und keineswegs wie die Metaphysik hinter jene in die Welt der Dinge an sich oder gar in das Wesen derselben zurückweist.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-195"><lem>Meine Frau</lem><note><name>Agnes Taubert</name>, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 25.8.1876. Keine Korrespondenz mit Vaihinger nachgewiesen.</note></app></listApp></back></text></TEI>