<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000079-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Wilhelm Ludwig Holland</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>14.3.1876</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md504-401</ref></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0079" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000079-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Leipzig</placeName><date when="1876-03-14">14.3.1876</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/100804713">Wilhelm Ludwig Holland</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118621327">Alfred Tennyson</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</name><name>Salomon Hirzel</name><name>Max Duncker</name><name>Nikolaus Lehnau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118625063">Ludwig Uhland</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Tübingen</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Wilhelm Ludwig Holland</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>14.3.1876</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Tübingen, </bibl><ref type="link">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md504-401</ref></head></front><body><anchor type="delimiter"/><salute>Verehrtester Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-101"/>Professor!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-101"/></salute><p>Mit sehr lebhaftem Interesse habe ich Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-102"/>eben erschienene Schrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-102"/> „Über Uhlands Ballade „<hi rend="underline">Merlin der Wilde</hi>““ gelesen, die mich umso mehr fesselte, als ich dieser Sage von jeher meine tiefste Aufmerksamkeit schenkte und insbesondere das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-103"/><name>Lenau</name>’sche Gedicht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-103"/> neben dem <name>Uhland</name>schen für die besten Verwerthungen dieses Stoffes <pb/> gehalten habe; und wie mir, so haben Sie gewiss allen <name>Uhland</name>verehrern und allen Literaturfreunden durch diese übersichtliche und eingehende Darstellung des Gegenstandes eine hohe Freude gemacht. Halten Sie es daher nicht für Unbescheidenheit, sondern <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-104"/>als<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-104"/> ein Ausfluß meines Interesses für den Stoff, wenn ich mir erlaube, Sie verehrtester Herr Professor, noch auf eine Bearbeitung der Sage hinzuweisen, die ich bei Ihnen nicht erwähnt fand; sie findet sich in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-105"/><hi rend="underline"><name>Tennyson</name>s</hi> „Königsidyllen“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-105"/> (so heißt wenn ich nicht irre, ein Cyclus von Gedichten des genannten Autors, welche die Artussage und alle sich daran anschließenden Sagen behandeln). So viel ich mich erinnere, ist diese Bearbeitung des Stoffes ungemein eingehend und poetisch. <pb/></p><p>Erlauben Sie mir, verehrtester Herr Professor, diesem noch eine ergebene Bitte zuzufügen, Sie möchten die Güte haben, so, wie Sie einst mich mit Empfehlungen hieher ausstatteten, mir nunmehr auch welche für <hi rend="underline">Berlin</hi> mitzugeben; denn, wenn ich daran denke, mit welcher Liebenswürdigkeit ich überall da empfangen wurde, wo ich die Ehre hatte, Ihre Karte vorzuweisen, (insbes<add>[ondere]</add> bei <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-106"/><hi rend="underline">Salomo <name>Hirzel</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-106"/> dahier), so kann ich es nur mir nicht versagen, Sie auch für <hi rend="underline">Berlin</hi> um solche Karten zu bitten, die wie mit einem Zauberschlag Haus und Herz dem Fremden öffnen. Zwar weiß ich nicht, ob Sie mir nicht zu zürnen Recht haben, daß ich bisher geschwiegen habe; allein wenn ich Ihnen sage, daß ich mich auf ein von der Germanistik entlegenes Gebiet, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-107"/>auf die Philosophie verlegt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-107"/> habe; so werden Sie es mir nicht übel nehmen, daß ich versäumte, Ihnen über die hiesigen germanistischen und romanistischen Studien Bericht zu erstatten.</p><p>Besonders dankbar wäre ich Ihnen, verehrtester Herr Professor, wenn Sie die Güte hätten, mir eine Empfehlung an Herrn <hi rend="underline"><name>Max Duncker</name></hi>, dem Sie Ihre Schrift gewidmet haben, mitzugeben; und gewiß haben Sie auch noch andere Bekanntschaften, die mir, dem jungen Mann, von lehrreichem Nutzen sein würden.</p><p>Nehmen Sie, verehrtester Herr Professor, schon im Voraus meinen wärmsten Dank entgegen und gestatten Sie die Bitte, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-108"/>die Beilage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-108"/> gütig entgegennehmen zu wollen.</p><p>Mit vorzüglicher Hochachtung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-109"/><abbr>Ew.</abbr><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-109"/> Wohlgeboren ganz ergebenster</p><signed>Dr. Hans Vaihinger</signed><dateline>Leipzig 14/März 1876</dateline><postscript><p>(<hi rend="underline">Bis 21. März</hi> – Dorotheenstraße 8<hi rend="superscript">II</hi>)</p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-101"><lem>Professor!</lem><note>danach 5 Zeilen frei gelassen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-102"><lem>eben erschienene Schrift</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Wilhelm Ludwig Holland: Über Uhlands „Merlin der Wilde“. Stuttgart: Cotta 1876: </note><rdg>Max Duncker in Freundschaft und Verehrung gewidmet.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-103"><lem><name>Lenau</name>’sche Gedicht</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Nikolaus Lehnau: Waldlieder (1843), <abbr>Nr.</abbr> 5, zitiert bei Holland: Über Uhlands „Merlin der Wilde“, 1876, <abbr>S.</abbr> 40–42.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-104"><lem>als</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-105"><lem><hi rend="underline"><name>Tennyson</name>s</hi> „Königsidyllen“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Alfred Tennyson: Königsidyllen. Übersetzt von H. A. Feldmann. Berlin: A. Hofmann &amp; Co. 1859.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-106"><lem><hi rend="underline">Salomo <name>Hirzel</name></hi></lem><note><name>Salomon Hirzel</name> (1904–1877), Leipziger Verleger und bedeutender <name>Goethe</name>-Sammler (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-107"><lem>auf die Philosophie verlegt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Leipziger Matrikeleintrag <abbr>Nr.</abbr> 1739 vom 30.10.1874 über </note><rdg>Karl Eugen Hans Vaihinger, Dr.</rdg><note>: Studienfach Philosophie, zuvor in Tübingen, gebürtig aus Nehren, Alter 22 Jahre, evangelisch. Wohnung: Dorotheenstr. 8, II (Die Matrikel der Universität Leipzig Teilband 3. Die Jahre 1863 bis 1876. <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Jens Blecher <abbr>u.</abbr> Gerald Wiemers. Weimar: Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften 2008, <abbr>S.</abbr> 389–390).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-108"><lem>die Beilage</lem><note>nicht ermittelt; liegt dem Schreiben nicht bei</note></app><app type="philological" corresp="#ED-109"><lem><abbr>Ew.</abbr></lem><note>aufzulösen: Euere, Euer, Eure; <abbr>vgl.</abbr> Rudolf von Jhering: Der Zweck im Recht <abbr>Bd.</abbr> 2. Leipzig: Breitkopf &amp; Härtel 1883, <abbr>S.</abbr> 713, <abbr>Anm.</abbr>: </note><rdg>Dabei abermals Wunderlichkeiten! Man spricht Euere oder Ihre Majestät, Excellenz, dagegen schreibt man Ew. Majestät, Excellenz, niemals: Ihre oder (ausgeschrieben) Euere […].</rdg></app></listApp></back></text></TEI>