<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000046-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gottfried Meyer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>21.5.1917</date>, <note>2 S., Ts. mit eU</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1864, unpaginiert (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Akten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1917–1927.)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0046" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000046-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1917-05-21">21.5.1917</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/1104756838">Gottfried Meyer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118543938">Arthur von Gwinner</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116618868">Karl Gjellerup</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118610465">Arthur Schopenhauer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116937742">Wilhelm von Gwinner</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1864, unpaginiert (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Akten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1917–1927.)</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gottfried Meyer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>21.5.1917</date>, <note>2 S., Ts. mit eU</note>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1864, unpaginiert (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Akten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1917–1927.)</bibl></head></front><body><anchor type="delimiter"/><p><hi rend="underline">Diktat.</hi></p><dateline>Halle, den 21.5.1917.</dateline><dateline>Reichardtstr. 15</dateline><p>An den Vorsitzenden der Kantgesellschaft</p><p>Herrn Geh. Ober. Reg. Rat <abbr>Dr.</abbr> G. Meyer.</p><salute><abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren</salute><p>beehre ich mich ganz ergebenst folgendes mitzuteilen.</p><p>Unser Mitglied, der Direktor der Deutschen Bank <abbr>Dr.</abbr> <name>Arthur von Gwinner</name>, (bekanntlich einer der bedeutendsten Leiter des deutschen Finanzwesens und <abbr>spez.</abbr> der deutschen Orientbahnen) hat unserem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-241"/>Kriegshilfsfonds<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-241"/> die Summe von <hi rend="underline">300 <abbr>M</abbr></hi> zugewendet, mit der Bedingung, dass diese Summe dem Dichterdenker <name>Karl Gjellerup</name> zu seinem 60. Geburtstage (2. Juni) als Ehrengabe überreicht werde.</p><p><name>Gjellerup</name>, ein geborener Däne; jedoch mit einer Deutschen verheiratet, lebt seit vielen Jahren in Deutschland, als hochangesehener Schriftsteller in Dresden, wo ich ihn auch im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Jahresversammlung der Schopenhauergesellschaft persönlich kennen gelernt habe. Gj. ist philosophisch sehr gründlich durchgebildet und hat sich während seines ganzen Lebens aufs eingehendste und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-242"/>sorgfältigste<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-242"/> mit dem Studium <name>Kant</name>s und <name>Schopenhauer</name>s beschäftigt, wofür wissenschaftliche Abhandlungen (so spez<add>[iell]</add> in den „Preussischen Jahrbüchern“ der letzten Jahre) Zeugnis ablegen. Er hat eine Reihe bedeutender Dichtwerke geschrieben, die im Sinne der <name>Kant</name>-<name>Schopenhauer</name>schen <pb/> Welt- und Lebensauffassung gehalten sind und in den letzten Jahren viele Beachtung und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-243"/>Verbreitung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-243"/> gefunden haben. Einige dieser Dichtwerke spielen auf indischem Boden, da er früher Indien bereist hat.</p><p><name>Gjellerup</name> hat sich während des Weltkrieges bemüht, durch verschiedene Abhandlungen in Zeitschriften die Stimmung Dänemarks zugunsten Deutschlands zu beeinflussen. So hat er in diesem Sinne einige bedeutsame Artikel in der Leipziger Ill<add>[ustrierten]</add> Zeitung geschrieben. In Dänemark hat er sich dadurch natürlich auch Gegner gemacht. So hat er dadurch wertvolle literarische Verbindungen verloren, wodurch er auch finanziell sehr geschädigt worden ist. Er lebt in bescheidenen Verhältnissen, so kann <abbr>z. B.</abbr> seine Frau, eine geborene Deutsche aus der alten sächsischen Gelehrtenfamilie <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-244"/>Heusinger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-244"/> sich keinen Dienstboten halten. Er will in diesem Sommer nach Dänemark reisen, und wird auch dort für Deutschland wirken.</p><p>Ich halte es für sehr zweckmässig, den Antrag des Herrn Dir<add>[ektor]</add> <abbr>Dr.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-245"/><name>Arthur</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-245"/><name> von Gwinner</name> anzunehmen. Vielleicht darf ich noch die Bemerkung hinzufügen, dass <abbr>Dr.</abbr> von Gwinner Sohn des bekannten <name>Schopenhauer</name>biographen des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-246"/><name>Juristen von Gwinner</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-246"/> in Frankfurt ist, der noch mit <name>Schopenhauer</name> persönlich verkehrt hat.</p><p>So <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-247"/>bitte ich um Genehmigung der Sache.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-247"/></p><p>In aufrichtiger Verehrung Ihr ganz ergebenster</p><signed>Vaihinger</signed><postscript><p><abbr>P. S.</abbr>: <name>Direktor von Gwinner</name> will nicht haben, dass sein Name genannt wird.</p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-241"><lem>Kriegshilfsfonds</lem><rdg>Krieghilfsfonds</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-242"><lem>sorgfältigste</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> <abbr>hs.</abbr> Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>vortrefflichste</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-243"><lem>Verbreitung</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> <abbr>hs.</abbr> Einfügung über der Zeile für gestrichen: </note><rdg>Beachtung</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-244"><lem>Heusinger</lem><rdg>Häusinger</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-245"><lem><name>Arthur</name></lem><note><abbr>msl.</abbr> Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-246"><lem><name>Juristen von Gwinner</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Wilhelm (von) Gwinner: Arthur Schopenhauer aus persönlichem Umgange dargestellt. Ein Blick auf sein Leben, seinen Charakter und seine Lehre. Leipzig: Brockhaus 1862.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-247"><lem>bitte ich um Genehmigung der Sache.</lem><note>mit Blaustift unterstrichen, am linken <abbr>Rd.</abbr> <abbr>hs.</abbr> von anderer <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>Ist genehmigt. M[eyer]</rdg></app></listApp></back></text></TEI>