<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000044-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gottfried Meyer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>17.12.1915</date>, <note>3 S., Ts. mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Kantgesellschaft | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 282 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0044" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000044-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1915-12-17">17.12.1915</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/1104756838">Gottfried Meyer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/130081426">Arnold Ruesch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116996579">Arthur Liebert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118525727">Wilhelm Dilthey</name><name>Engert, Oberlehrer in Plauen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101544346X">Ernst Bergmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1249869803">Hugo Kubsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11760867X">Jakob Bluwstein</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118739603">Friedrich Paulsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116701889">Arnold Ruge</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/124415687">Traugott Konstantin Oesterreich</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119014920">Friedrich Ueberweg</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 282 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gottfried Meyer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>17.12.1915</date>, <note>3 S., Ts. mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Kantgesellschaft | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 282 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</bibl></head></front><body><dateline>17.12.1915.</dateline><salute>Hochverehrter Herr Geheimer Oberregierungsrat!</salute><p>Aus der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-224"/><name>Ruesch</name>-Stiftung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-224"/> von 3000 <abbr>M.</abbr>- „für notleidende Philosophen“ habe ich im Anschluss an mein Schreiben vom 18. Mai d<add>[es]</add> J<add>[ahres]</add> und nach vorhergehender Rücksprache mit Ihnen auf Grund Ihrer Genehmigung folgende Unterstützungen ausgezahlt:</p><p>1. An <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-225"/><abbr>Dr.</abbr> <name>Bluwstein</name> in Rom<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-225"/> 330 <abbr>M.</abbr>-</p><p>2. An Privatdozent <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-226"/><abbr>Dr.</abbr> <name>Oesterreich</name>-Tübingen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-226"/> 300 <abbr>M.</abbr>-</p><p>3. An <name>Privatdozent </name><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-227"/><name>Bergmann</name>-Leipzig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-227"/> 200 <abbr>M.</abbr>-</p><p>4. An Schriftsteller <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-228"/><name>Kubsch</name>-Berlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-228"/> 100 <abbr>M.</abbr>-</p><p>5. An <abbr>Dr.</abbr> <name>Liebert</name> in Berlin <hi rend="underline">500 <abbr>M.</abbr>-</hi></p><p>Summe: 1430 <abbr>M.</abbr>-</p><p>Diese Zahlungen fanden im Mai, Juni und Juli dieses Jahres statt. Seit dieser Zeit ist nichts mehr ausgezahlt worden. Der verfügbare Rest beträgt 1570 <abbr>M.</abbr>-</p><p>Ich möchte mir nun erlauben, zu dem bevorstehenden Weihnachtsfest wieder zwei Unterstützungen vorzuschlagen. Besonders unterstützungsbedürftig ist der Privatdozent <abbr>Dr.</abbr> <name>Oesterreich</name> in Tübingen. Er ist ein geborener Berliner und hat in Berlin bei <name>Paulsen</name> und <name>Dilthey</name> studiert. Er hat sich durch eine Reihe von Werken ausgezeichnet, jüngst noch durch seine Neubearbeitung des vierten Bandes der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-229"/><name>Ueberweg</name>’schen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-229"/> Geschichte der Philosophie (Gegenwart). Die Neubearbeitung dieses das 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart behandelnden Bandes, welcher kürzlich erschienen ist, hat allgemeinen Beifall gefunden. Infolge des Krieges sind seine Haupteinnahmen, nämlich die Einnahmen aus <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-230"/>Vorlesungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-230"/> natürlich sehr zurückgegangen. Da er verheiratet und Familienvater ist, ohne Vermögen, so ist er natürlich in grosser Bedrängnis. Übrigens sind seine Verdienste dadurch anerkannt worden, dass er mehrfach vorgeschlagen worden ist, so in Zürich und in Münster als Extraordinarius, so in Bern als Ordinarius. Ich erlaube mir daher den Vorschlag, ihm noch einmal 300 <abbr>M.</abbr>- zu gewähren.</p><p>Der Privatdozent <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> in Heidelberg bekam <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-231"/>drei Jahre lang von der Kantgesellschaft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-231"/> je 400 <abbr>M.</abbr>- als Unterstützung für sein grosses bibliographisches Werk „Die Philosophie der Gegenwart“. Mit <pb/> staunenswertem Idealismus arbeitet <abbr>Dr.</abbr> <name>Ruge</name> an diesem nun schon 5 Jahrgänge umfassenden Unternehmen, das ihm, weit entfernt sich für Ihn bezahlt zu machen, materielle Opfer auferlegt, obgleich er selbst in kleinen Verhältnissen lebt und verheiratet ist. Die Kantgesellschaft hat ihn auch für das Jahr 1915 unterstützt, aber nur mit 300 <abbr>M.</abbr>-, da wir infolge des Krieges nicht mehr wagen durften. Ich möchte daher vorschlagen, ihm noch 100 <abbr>M.</abbr>- aus der <name>Ruesch</name>-Stiftung zu gewähren, damit er wie in den Vorjahren wieder 400 <abbr>M.</abbr>- erhalte.</p><p>Ich werde mir die Freiheit nehmen, nächsten Montag Sie in Ihrer Sprechstunde zu besuchen und um Ihre Genehmigung Sie zu bitten.</p><p>In aufrichtiger Verehrung Ihr ganz ergebenster</p><signed>Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-224"><lem><name>Ruesch</name>-Stiftung</lem><note><name>Arnold Ruesch</name>, Neapel, plante 1915 einen „Barbarenbund“, der in nicht näher genannter Weise der „Deutschen Kultur“ dienen sollte (die einschlägige Akte zum „Barbarenbund“, Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, <abbr>Nr.</abbr> 2021 ist nicht benutzbar). Der Vorschlag scheiterte bei der Kantgesellschaft nach Umfrage unter den Mitgliedern nicht zuletzt am Begriff „Barbar“, den <name>Ruesch</name> jedoch positiv konnotiert wissen wollte. Die von <name>Ruesch</name> bereitgestellten Mittel wurden schließlich verwendet zu einer „Stiftung für notleidende Philosophen“ und reichten dafür bis zum 5.6.1916 (<abbr>vgl.</abbr> Schreiben von Vaihinger, 27.4.1915 (<abbr>Bl.</abbr> 269), und Ruesch (<abbr>Bl.</abbr> 270), 22.4.1915, an den Kurator Meyer). Engagiert in Sachen „Barbarenbund“ war außerdem ein Plauener Oberlehrer <name>Engert</name>, <abbr>vgl.</abbr> die Korrespondenzen vom 8. und 14.7.1915 (in derselben Akte <abbr>Bl.</abbr> 275–278). In den Kriegsjahren gewährte die Leitung der Kantgesellschaft vielfältige Unterstützung. Wie Vaihinger an Meyer am 24.3.1917 mitteilte, wurde der Fonds für notleidende Philosophen durch <name>Arnold Ruesch</name> 1917 erneut gestiftet (Rep. 6, <abbr>Nr.</abbr> 1864).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-225"><lem><abbr>Dr.</abbr> <name>Bluwstein</name> in Rom</lem><note><abbr>d. i.</abbr> vermutlich <name>Jakob Bluwstein</name> (1880–1935), übersetzte <abbr>u. a.</abbr> <name>Kant</name>s Kritik der reinen Vernunft ins Italienische (<abbr>WBIS</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-226"><lem><abbr>Dr.</abbr> <name>Oesterreich</name>-Tübingen</lem><note><name>Traugott Konstantin Oesterreich</name> (1880–1949), 1910 in Tübingen habilitiert (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-227"><lem><name>Bergmann</name>-Leipzig</lem><note><name>Ernst Bergmann</name> (1881–1945), 1911 in Leipzig habilitiert (<abbr>WBIS</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-228"><lem><name>Kubsch</name>-Berlin</lem><note><name>Hugo Kubsch</name> (1885–1952), <abbr>WBIS</abbr>.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-229"><lem><name>Ueberweg</name>’schen</lem><rdg>Uberweg’schen</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-230"><lem>Vorlesungen</lem><rdg>Vorleseungen</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-231"><lem>drei Jahre lang von der Kantgesellschaft</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger und Liebert an Meyer vom 18.10.1915</note></app></listApp></back></text></TEI>